AfD-Mann Lamely: Fuldaer will in Vorstand und wehrt sich gegen Gerüchte

AfD Fulda, Pierre Lamely, Martin Hohmann, Jens Mierdel
Fuldaer AfD-Trio: Pierre Lamely zwischen Martin Hohmann (l.) und Jens Mierdel (Foto: Toni Spangenberg)

Pierre Lamely hat es in wenigen Jahren vom Mitgründer der JA Fulda zum Assistenten einer AfD-EU-Abgeordneten geschafft. Nun strebt der Fuldaer in den Vorstand seines Landesverbandes – er möchte eine Niederlage vergessen machen. Manches aus seiner Vergangenheit wirft jedoch Fragen auf. move36 hat mit Lamely gesprochen.

Pierre Lamely gibt sich in der Öffentlichkeit betont bürgerlich. In einem Video anlässlich der jüngsten Landtagswahl in Hessen sagt er: „(…) ich bin (…) gelernter Heizungsmonteur. Ich habe im Unternehmen meines Vaters gelernt. Aber nicht als Juniorchef, sondern draußen auf dem Bau. Meine Mutter ist Verkäuferin. Ich komme also aus einer typisch bürgerlichen Familie. Ich weiß also, wie hart man für sein Geld arbeiten muss.“

Der Fuldaer bezeichnet sich als Aktivposten innerhalb des AfD-Kreisverbands. Lamely hat die AfD-Nachwuchsorganisation Junge Alternative (JA) in Fulda mitgebründet, er ist Direktkandidat seiner Partei während der vergangenen Landtagswahl gewesen und seit Anfang 2019 stellvertretender Sprecher des Kreisverbandes Fulda.

Fulda, Hessen, Brüssel

Außerhalb der AfD ist der 38-Jährige Unternehmer. Er veranstaltet seit einigen Jahren mit seiner Firma Body-Xtreme Bodybuildingwettbewerbe im Raum Fulda. Zudem hatte er die Prokura bei einem Textilhändler inne. Außerdem ist er mit der Liquidation des Unternehmens seines Vaters beauftragt gewesen. Beides geht aus Dokumenten, die beim Bundesanzeiger abrufbar sind, hervor.

Als stellvertretender Sprecher des AfD-Kreisverbandes Fulda ist der gelernte Heizungsmonteur im Kreis zweiter Mann hinter dem Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann aus Neuhof. Seit ein paar Monaten assistiert der 38-Jährige zudem Christine Anderson. Sie sitzt für die AfD im Europäischen Parlament. Zuvor ist Lamely seit Dezember 2018 als politischer Referent im hessischen Landtag tätig gewesen – sein Nachfolger wurde später Parteifreund Jens Mierdel aus Neuhof.

„Die Möglichkeit, in Brüssel tätig zu werden, sah ich von Anfang an als tolle Herausforderung und Chance“, sagt Lamely. „Ich bin zurzeit drei bis vier Tage in Brüssel.“ Dort sei er mit dem Aufbau der Büros in Brüssel und Straßburg beschäftigt. „Politisch berate ich meine Abgeordnete in die Ausschüssen Kultur und Bildung sowie Rechte der Frauen und Gleichstellung der Geschlechter.“

Niederlage bei Parteitag 2018

Über die Referentenstelle im Landtag zuvor hatte es Lamely doch noch in die Landeshauptstadt Wiesbaden geschafft. Ein Mandat als Landtagsabgeordneter hatte der AfD-Mann bei der Hessenwahl Ende Oktober 2018 nicht errungen. Zwar erhielt er als Direktkandidat seines Kreisverbandes im Wahlkreis 15 16,9 Prozent der Stimmen. Für ein Direktmandat reichte das jedoch nicht. Das sicherte sich der CDU-Politiker Markus Meysner.

Grafik: Landkreis Fulda

Auch über die Landesliste der AfD konnte Lamely nicht in den hessischen Landtag einziehen. Auf die hatte er es nicht geschafft. Auf dem Parteitag im April 2018 hatten ihm die Delegierten die Zustimmung versagt. Stehen seine Chancen nun besser? „Die Situation heute ist nicht mit dem Landesparteitag vom April 2018 vergleichbar“, sagt der Fuldaer. „Ich war damals recht unbekannt.“

Lamely lässt Beiträge aus Netz löschen

Im Vorfeld des Parteitags hatte Lamely einen Beitrag, der sich mit ihm beschäftigt, aus dem Internet löschen lassen. Dieser war ein gutes Jahr zuvor auf der Website der Augsburger Kanzlei BIZ erschienen. Er handelte von einer Abmahnung durch den Fuldaer. Kein Einzelfall: Mehrere Berichte zum Thema „Abmahnungen durch Pierre Lamely“ sind seit Längerem online nicht mehr aufrufbar. Sie stammten aus der Zeit ab 2011.

Nun sind Abmahnungen erst einmal nicht anrüchig. Und auch die Screenshots der Beiträge sowie die Aussagen von Anwälten, die durch Lamely abgemahnte Personen vertreten haben, belegen nicht, dass der 38-Jährige eine Abmahnmasche durchgezogen hat.

Der Fall hingegen, über den die Kanzlei BIZ berichtet hat, wirft nach Auskunft des verteidigenden Anwalts Fragen auf. Der Beitrag war Anfang 2017 auf der Website der Kanzlei erschienen. Aus ihm geht hervor, dass Pierre Lamely, Veranstalter von Bodybuildingevents, mithilfe seines Anwalts Michael E. einen Mandanten der Kanzlei wegen vermeintlicher Urheberrechtsverletzung abgemahnt haben soll.

„Das Ganze ist dubios gewesen“

„Mein Mandant hatte in einem Artikel vor Anabolika gewarnt“, sagt Rechtsanwalt Hagen Hild. „Herr Lamely hat behauptet, das Bild, das mein Mandant für den Artikel genutzt hat, stamme von ihm.“ Nach etwas „Detektivarbeit“ habe ein Kollege aus seiner Kanzlei herausgefunden, dass die Bildrechte gar nicht bei dem Politiker gelegen hätten. „Lamely zog daraufhin die Abmahnung zurück“, sagt der Anwalt. „Das Ganze ist dubios gewesen. Wir hatten das auch noch nicht, dass jemand Urheberrechtsansprüche geltend macht, obwohl sie nicht bei ihm liegen.“

Der Beitrag der Kanzlei BIZ zu Lamely ist seit dem Frühling 2018 nicht mehr aufrufbar. „Herr Lamely hat mit Dringlichkeit einen Antrag auf Löschung geltend gemacht“, sagt Anwalt Hild. „Den Antrag hatte er am 20. März beim Amtsgericht Fulda eingereicht. Er sagte, unser Beitrag würde ihn bei seiner beruflichen Zukunft behindern.“ Das ist einen knappen Monat vor dem AfD-Landesparteitag gewesen, auf dem die Delegierten ihre Listenkandidaten für die Hessenwahl gewählt haben.

Fuldaer spricht von groben Unwahrheiten

„Ich hatte eine Kanzlei beauftragt, Veröffentlichungen im Internet zu verfolgen, von denen ich der Ansicht war, dass dort grobe Unwahrheiten über mich verbreitet werden“, sagt Lamely zu diesen Vorgängen. „Die Darstellung der Kanzlei Hild teile ich nicht uneingeschränkt. Die Wahrheit ist, dass ich eine rechtskräftige einstweilige Verfügung gegen diese Kanzlei erwirken konnte.“ Da die Veröffentlichung eingestellt wurde, sei die Sache für Lamely soweit erledigt.

Zu Anwalt Michael E. hat Pierre Lamely in der Vergangenheit häufiger Kontakt gehabt. Er hat sich von ihm nicht nur in Sachen Abmahnungen vertreten lassen. E. vertrat den Politiker auch in einem Fall, in dem dieser wegen einer anderen Angelegenheit Kläger gewesen ist – es ging um Körperverletzung. Zum ersten Tag des öffentlichen Verfahrens Anfang 2018 soll Toni R. die beiden begleitet, den Mantel des Anwalts getragen haben, wie move36 erfahren hat. Das allerdings bestreitet Lamely. „Was Toni R. angeht, hat er mich zu keinem Termin begleitet. Mich begleitete damals mein Rechtsanwalt.“ Wer damals im Publikum gesessen habe, könne er heute gar nicht mehr sagen.

Der Künzeller R. ist Mitglied in der AfD und Beisitzer im Vorstand der Jungen Alternative in Fulda gewesen. Ende März hat das Amtsgericht Fulda R. zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldzahlung von 1000 Euro verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Künzeller am 11. Februar 2017 den Notruf gewählt, sich als Andreas Goerke, Vorsitzender des antirassistischen Bündnisses „Fulda stellt sich quer“, ausgegeben und gesagt hat, er habe seine Frau erschossen. Dementsprechend habe sich der 36-Jährige des Missbrauchs des Notrufs und der falschen Verdächtigung schuldig gemacht, urteilte Richter Jan Peter Hofmann.

Der Fall Toni R.

Es gibt ein paar Hinweise auf eine Verbindung zwischen Toni R. und Pierre Lamely – die der AfD-Mann jedoch als konstruiert erachtet.

Nicht nur, dass R. Lamely und/oder dessen Anwalt laut Prozessbeobachtern zu einem Verfahren begleitet haben soll; was der Fuldaer wie erwähnt bestreitet. Der Lamely-Anwalt hat den Künzeller zudem vor dem Amtsgericht verteidigt. Außerdem gibt es Fotos aus dem Jahr 2017, die Pierre Lamely und Toni R. zusammen zeigen. Einmal vor dem Europaparlament, gemeinsam mit Jens Mierdel. Das andere Mal mit Beatrix von Storch, aktuell stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion.

Dass er engeren Kontakt zu Toni R., der wegen Psychoterrors gegen einen politischen Gegner der AfD verurteilt wurde, pflegt, verneint Lamely. Bereits Ende vergangenen Septembers, damals hatte die Staatsanwaltschaft Fulda Anklage gegen den Künzeller erhoben, sagte der Politiker einem Lokalmedium, dass er diesen nicht gut kenne und keinen Kontakt zu ihm habe. move36 sagte der 38-Jährige damals, er habe R. immer mal zu Veranstaltungen mitgenommen und sich von ihm fotografieren lassen.

Lamely: „Man will mich in negatives Licht rücken“

„Seit ich in der AfD bin, wurde immer wieder der Versuch unternommen, mir irgendwelche Geschichten unterzuschieben oder mich mit irgendwelchen Leuten in Kontext zu bringen, um mich in ein negatives Licht zu rücken“, sagt Lamely. Dass Toni R. denselben Anwalt beauftragt hat, erklärt sich der Politiker wie folgt: „Vielleicht ist er so von ihm beeindruckt gewesen, dass er ihn ebenfalls kontaktierte? Einen Bezug zwischen mir und dem Täter herstellen zu wollen, wäre aber ebenso abwegig, wie diesen Bezug zwischen dem Verurteilten meines Überfalls und Herrn Goerke herstellen zu wollen, was ich nicht tue, die beide jedoch die gleiche Anwaltskanzlei in Anspruch nahmen.“

Diesen Samstag muss Lamely nun nicht die Öffentlichkeit, sondern die Delegierten seiner Partei beim AfD-Landesparteitag in Neuhof von sich überzeugen. Er hofft, mit seinem Engagement innerhalb der Partei in den vergangenen eineinhalb Jahren punkten zu können. Unter anderem sei er Teil einer Neuausrichtung im Kreisvorstand, die dazu geführt habe, dass Ruhe eigekehrt sei.

Lamelys Ziel: Er möchte Beisitzer im neuen Landesvorstand werden. Außerdem bewirbt er sich als Bundesdelegierter. Das ist er bereits seit 2017.

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