Entspannt euch mal: Feminismus bedeutet nicht, Männer zu hassen

„Frauen gehören an den Herd“, „Frauen gehören nichts ans Steuer“: Bei diesen Aussagen sträubt sich alles bei mir. Die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen spüren Frauen auch noch 2019 täglich. Frauen sollten endlich gleichberechtigt sein und selbstbestimmt leben können. Die Hardcore-Feministinnen gehen mir trotzdem auf die Nerven.

Wir haben echt viel geschafft. Und mit wir meine ich die Frauen, die sich jahrzehntelang für unser Geschlecht stark gemacht haben. Das Wahlrecht für Frauen in Deutschland feierte  2018 sein 100-Jähriges. Frauen und Männer sind bei uns seit 1958, zumindest auf dem Papier, gleichgestellt. Und seit 2016 gilt das neue Sexualstrafrecht mit dem Grundsatz „Nein heißt Nein“. Alles tolle Errungenschaften, aber viel zu spät, wenn du mich fragst.

Und zufrieden sind wir ohnehin noch lange nicht. Vieles muss sich noch ändern. Abtreibung ist in Deutschland nur unter bestimmten Vorgaben erlaubt und sogar strafbar. So heißt es im § 218 Absatz 1 StGB: “Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluss der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.“ Selbstbestimmung der Frau? Fehlanzeige.

Fight for equality

Gleiche Gehälter lassen ebenso auf sich warten: So zeigt eine jüngste Studie des Statistischen Bundesamtes zum sogenannten Gender-Pay-Gap keine Veränderung zum Vorjahr beim Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen. Der sogenannte unbereinigte Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern läge bei 21 Prozent. Umfang der Beschäftigung, die Verteilung auf unterschiedliche Branchen und Berufsgruppen bleiben dabei unberücksichtigt. Frauen verdienten demnach im Schnitt 17,09 Euro brutto und Männer 21,60 Euro – ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen. Bei Berücksichtigung der Beschäftigung, Ausbildung oder Branchen läge der Gender-Pay-Gap bei sechs Prozent. Trotzdem immer noch weniger Geld auf dem Konto als Männer.

Gegen das alles lohnt es sich weiterzukämpfen. Und das tun jene, die sich als Feministinnen bezeichnen. Frauen, die Oberkörperfrei durch die Stadt laufen und beim Slut-Walk gegen das sogenannte Victim blaming kämpfen. Also gegen die Auffassung, dass bei einer Vergewaltigung Frauen die Schuld zugesprochen wird, da sie beispielsweise einen zu kurzen Rock oder zu tiefen Ausschnitt angezogen hat. Da sind Frauen, die sich dafür einsetzen, dass es normal wird, dass Mütter ihre Kinder in der Öffentlichkeit stillen können. Und Frauen, die in den sozialen Netzwerken offen über Menstruation reden und Blutflecken auf dem Slip posten.

Jeder wie er mag

Es gibt jedoch auch jene, die alles hassen, was männlich ist. Klar ist es wichtig, sich für das eigene Geschlecht stark zu machen. Aber müssen wir deswegen das andere direkt verteufeln? Ich denke nicht. Genau das machen aber radikale Feministinnen. Ihre Theorie: Der Mann ist alleiniger Grund für die Unterdrückung der Frau. Bei einigen Männern scheint das auch der Fall. Stichwort: Trump. Aber nicht alle sind sexistische Arschlöcher.

Ich auf jeden Fall bezeichne mich auch als Feministin. Mich regt es auf, dass Frauen nicht problemlos entscheiden dürfen, ob sie ein Kind auf die Welt bringen wollen oder nicht. Dass manche Männer mir aus dem Auto hinterherpfeifen, als wäre ich ein Hund. Dass sexueller Missbrauch teilweise verharmlost wird und dass die Periode immer noch als eklig empfunden wird. Dass die Brust der Frau im Netz zensiert werden muss, Männer sich aber nach Lust und Laune oberkörperfrei ablichten lassen dürfen. Oder dass meine Oma meint, ich müsse meinen Freund um Erlaubnis fragen, wenn ich irgendwo hingehen möchte. Dinge, für die es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen. Und trotzdem möchte ich mich deswegen nicht ändern. Ändern im Sinne von „Ich muss jetzt so agieren wie Männer, um meine Gleichberechtigung zu bekommen“.

Gleichberechtigung und Selbstbestimmung

Denn ich bin gerne eine Frau. Ich stelle mich gerne drei Stunden vor den Spiegel, um mich für den Abend zurechtzumachen. Mich ekelt es immer noch an, wenn Männer und leider mittlerweile auch Frauen meinen, in der Öffentlichkeit rülpsen zu müssen. Ich lasse mir auch immer noch Drinks ausgeben, obwohl ich weiß, dass es vielleicht nur aufgrund meines etwas weiteren Ausschnitts gemacht wird. Mein Freund würde trotzdem von mir bekocht werden, einfach, weil es mir Spaß macht. Und auch wenn ich ganz gut alleine klarkomme, wünsche ich mir einen starken Partner an meiner Seite, bei dem ich das Gefühl habe: „Der könnte mich beschützen“.

Feminismus bedeutet für mich daher nicht, alles so zu machen, wie es Männer machen. Es bedeutet Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Sowohl für Männer als auch für Frauen. Frauen sind nämlich nicht weniger feministisch, weil sie Männer nicht hassen. Also, liebe Feministinnen: Danke, dass ihr kämpft, aber entspannt euch mal, wenn Frauen klischeehafte Frauen bleiben wollen.

Foto: Prostock-studio/Adobe Stock

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