Geringes Gehalt und Extrawünsche: Hommage an das Kellnern

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An Wochenenden und Feiertagen arbeiten, niedriges Gehalt, Gäste mit Extrawünschen, oft in Hektik. Na, wer weiß, welchen Job ich meine? Richtig: Kellnern. Und trotzdem arbeite ich seit Jahren als Servicekraft. Eine Hommage an das Kellnern.

Von Aline Krönung

Ich war jung und brauchte das Geld. Andere tragen Zeitungen aus, jobben beim Bäcker oder arbeiten am Fließband. Ich hatte mich damals für das Kellnern entschieden. Also fing ich mit süßen 16 Jahren bei mir im Dorf in einer typisch deutschen Gastwirtschaft mit dunklen, rustikalen Möbeln und deftigem Essen à la Schnitzel, Ochsenbacke, Tafelspitz und Co. an. Nach meinem Abi habe ich dann erst mal eine Pause vom Lernen gemacht und weiter bedient. Mittlerweile studiere ich, komme aber alle zwei Wochen nach Hause, um das Tablett in die Hand zu nehmen und Bier zu zapfen. Und obwohl ich ab und zu vom Job genervt bin – weil ich natürlich auch Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen möchte – wage ich es trotzdem nicht, das Tablett aus der Hand zu legen. Klar könnte ich auch einfach in meiner Studienstadt Bamberg kellnern. Aber da ich das Team schon seit sechs Jahren kenne und die Bezahlung recht gut ist, hänge ich an der alten Wirtschaft.

„Der Kunde ist König“, heißt es doch – oder?

Wer hätte gedacht, dass ich mal so lange in der Gastronomie arbeiten werden? Ich jedenfalls nicht. Aber warum? Schließlich ist nicht alles Gold, was glänzt, gerade in Sachen Gastro. Die späten Arbeitszeiten, vor allem wenn die Freunde zur selben Zeit was unternehmen, und auch die Dienste an Feiertagen wie Ostern, Weihnachten, Silvester und Co. sind insgeheim einfach nervig. Hinzu kommen Gäste, die dich anschnauzen, weil das Essen nicht schmeckt und scheinbar davon ausgehen, dass Kellnerin gleich Köchin bedeutet, ältere Herren, die meinen, mit der jungen Kellnerin flirten zu müssen, oder betrunkene Leute, die besser gehen sollten – nicht die Glanzseiten des Jobs. Aber was Gutes hat es: Abgehärtet bin ich.

Natürlich gibt es auch positive Seiten im Kellnerdasein, ansonsten würde ich den Job ja nicht machen. Gerade die schönen, lustigen und zum Teil auch kuriosen Momente überwiegen. Wenn ich mit zwei Schnitzeltellern zu den Gästen laufe, die wild durcheinander quatschen und ich à la Marktschreierin „Jägerschnitzel mit Pommes“ durch die Wirtschaft rufe, damit sie still sind – die Gesichter sind jedes Mal unbezahlbar. Albereien mit den Kollegen, die ich nicht mehr missen möchte . Ein junger Gast, der beim Putzen geholfen hat, oder ein Liebesbrief, den ich erhalten habe – daraus wurde nichts, aber trotzdem mutig, überhaupt noch solche Briefe zu schreiben.

Wie gestandene Männer zu Tratschtanten werden

Eins muss man den Dorfkneipen wirklich lassen: Sie haben ihren ganz eigenen Charme. Denn hier werde ich bestens über den neusten Klatsch und Tratsch aufgeklärt. Wer mit wem? Wer ist schwanger? Wer hat sich getrennt? Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie aus gestandenen Männern Tratschtanten werden.

Schlussendlich machen auch Feiertagsdienste Spaß, und meckernde Kunden gibt es überall. Es sind die lustigen Momente mit Kollegen und der Kontakt mit Menschen, die den Job ausmachen. Aber klar, irgendwann muss auch ich mal die Reißleine ziehen. Und obwohl ich schon so lange kellnere, kann ich (leider) immer noch nicht mehr als einen Teller pro Hand tragen – peinlich.

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