Manege frei für Tierquälerei – lasst die Tiere in Rente gehen!

Das ist doch wirklich ein Trauerspiel: Wildtiere werden für die Unterhaltung von Menschen ausgenutzt. Und Tausende jubeln dem Spektakel zu. Aktuell ist der Zirkus Krone zu Gast in Fulda – und hat einige dieser Wesen im Gepäck. Ist das noch zeitgemäß? Nein, findet move36-Autorin Karoline Weber. Sie fordert ein Wildtierverbot für Zirkusse. Ein Kommentar.

Als Kind habe ich Zirkusse geliebt. Denn wann war ich den Tieren schon mal so nah? Ich erinnere mich noch stark an den Geruch von Sägemehl und an die Aufregung kurz vor dem Betreten des Zirkuszeltes. Die Wildtiere habe ich damals mit offenem Mund bestaunt – und hatte Respekt vor ihnen. Und was gab es Besseres, als am Ende der Vorstellung auf dem Show-Elefanten zu sitzen und ein Polaroidfoto mitzunehmen? Jahre später schockierten mich Bilder, die Tierschützer und Journalisten veröffentlichten: Unter der Zirkus-Fassade herrscht oft absolute Verwahrlosung und Tierquälerei. Das Foto mit mir auf dem Elefanten hätte ich rückblickend nicht machen lassen. Zu spät.

Tiere und Schaulust müssen voneinander getrennt werden

Mir stellt sich immer wieder die Frage: Welcher Elefant stellt sich in freier Wildbahn auf eine winzig kleine Erhöhung und hebt dann noch ein Bein? Welches Zebra, von Natur aus ein Fluchttier, fühlt sich tatsächlich wohl in einer Manege voller Lärm, Lichtreflexen und applaudierenden Menschen? Tiere und Schaulust müssen meiner Meinung strikt voneinander getrennt werden. So sieht das auch eine große Mehrheit unserer Follower auf Instagram: Bei unserer Umfrage vergangene Woche sagten 231, dass Wildtiere zur Belustigung im Zirkus nicht okay sind, 23 dagegen finden das in Ordnung.

Natürlich sind die Tiere, die jetzt in großen Manegen in Deutschland ihre Tricks vorführen, seit sie denken können an Menschen gewöhnt. Sie sind umgeben von Menschen, die sich oft mit der gleichen Fürsorge um sie kümmern wie Frau Müller um ihre Hauskatze. Diese Tiere kennen keine Revierverteidigung und müssen noch nicht mal eine Kralle rühren, um an bestes Futter zu kommen.

In der Manege dann das Kontrastprogramm. Dort herrscht Action. Auf Kommando rennen dort Löwen los, springen durch Reifen oder schlagen nach Stöcken. Der Wildbahnlöwe würde sich bei solch einem Anblick nur denken: „Was ist denn mit denen los?“ Er setzt zum Sprint an, wenn er sich um den Fortbestand kümmern muss, er zum Beispiel einen Feind verjagen muss oder es auf ein leckeres Zebra abgesehen hat. Zwar ist es nicht so, dass Wildtiere gefangen genommen und in einen Zirkus gesteckt werden. Die Tiere, die in Zirkussen leben, sind in den allermeisten Fällen Nachzuchten. Zirkus Krone nennt dies Arterhaltung – ich nenne es Schönrederei. Denn eines scheint sicher: Ohne die Tiere verlöre der Zirkus Zuschauer, und das würde vielen Mitarbeitern den Job kosten. Die Tiere dienen dem Geschäft – immer wieder ausgebeutet bis zum Tod. Erst im März starb Nashornbulle Tsavo. Sein Zirkus führte ihn trotz schwerer Erkrankung den Besuchern  vor – für ihn ist das tödlich gewesen. Anfang Juni 2018 entkam Elefantendame Kenia bei einer Vorstellung in Neuwied und lief über eine befahrende Straße vorbei an Kindern durch ein Wohngebiet. Kurz danach stürzte ein Elefant bei einem Gastspiel in Osnabrück in den Bereich der Zuschauer. Es kann also für Tier UND Mensch gefährlich werden. Generell unterliegt ein Zirkus festen Sicherheitsauflagen, damit Tiere eben nicht ausbrechen und Menschen angreifen. Aber Garantien gibt es nie. Meine Forderung deswegen: Wildtiere gehören nicht in die Manege, sie gehören in ein Reservat.

Zitat: „Die Elefanten haben sich geschubst und einer von ihnen ist ins Publikum gestürzt. Eigentlich sollten sie die privaten Rangeleien Backstage lassen. Showtime heißt Showtime“, sagt Tierlehrerin Jana Mandana Lacey-Krone.

Und wie sieht’s im Zirkus Krone aus? Der schreibt in seinen Broschüren, dass er sich um den Artenschutz kümmere und einen großen Wert auf Tierschutz lege. Dass den Tieren nicht langweilig werde, dafür sorgten die Tierlehrer mit ihren Programmen, die sie einstudierten. Die Zeit der Peitschen und Haken ist vorbei. Zumindest sagt das Zirkus Krone. Dennoch steht der Zirkus unter strenger Beobachtung von Veterinärämter und der Öffentlichkeit. Die permanenten Kontrollen sind ein Verdienst der Tierschützer. Trotzdem stellen viele Besucher leider immer noch fest, dass Tiere viele Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Ein webender Elefant, meistens schaukelt er mit dem Körper apathisch hin und her, das ist furchtbar anzusehen. Dieses Trauma haben die Tiere vor etwa zwanzig Jahren mitgenommen.

Zirkus Krone steht unter strenger Beobachtung

Die meisten Zirkuselefanten sind nämlich zwischen 30 und 40 Jahre alt. Damals hat man die Tiere noch ganz anders gehalten als heutzutage. Sie mussten viel länger angekettet stehen, das war für die Tiere verheerend. Sie wurden geschlagen, verletzt, erniedrigt. Viele Verhaltensauffälligkeiten stammen noch aus dieser Zeit. Inzwischen hat die Bundesregierung in Leitlinien festgelegt, dass die Tiere ein Außengehege brauchen. Diese Leitlinien für Zirkustiere sind angemessen, tiergerecht. Daran hält sich der Zirkus Krone auch, nur schaut euch die Tiere an? Ist das tatsächlich artgerecht? Die Tiere leiden genauso wie im Zoo. Es ist und bleibt ein Vegetieren – und nein, eine Haltung auf Sägespäne und zwischen Elektrozäunen und plärenden Zuschauern ist definitiv nicht natürlich.

Webende Elefanten – Circus Krone Mai 2018

+++ ELEFANTEN LEIDEN IM CIRCUS KRONE! +++ JETZT VERBREITEN +++Diese Aufnahmen sind nur wenige Tagen alt und sie stammen aus dem Circus Krone in Trier. Minutenlang webend die Elefanten hin und her. Eine Verhaltensstörung, die Experten "weben" nennen. Sie kommt in der freien Natur nicht vor und ist für Verhaltensforscher ein Zeichen für Unwohlsein, Stress und Leid. Die Elefanten im Circus Krone, übrigens alles Wildtiere, die der Natur entnommen wurden, führen ein erbärmliches Leben. Nachts und viele Stunden am Tag werden sie angebunden und können sich kaum bewegen. Bis zu 30 Mal im Jahr werden Sie in Lkws getrieben, auf engstem Raum durchs Land gekarrt und am nächsten Ort wieder in ihr kleines Gehege und Zelt gesteckt. Bis sie dann unter dem Einsatz des Elefantenhakens bei dröhnender Musik Kunststücke wie einen gesundheitsschädlichen Kopf-Rüssel-Stand machen müssen.Unterstützt dieses Tierleid nicht. Besuche keinen Zirkus mit Tieren.#Elefanten #Leid #Tierquälerei #CircusKrone #Trier #Aufnahmen #Tierrechte #krone #haken #elefantenhaken #peitsche #ZirkusLokalredaktion Trier – volksfreund.de CityRadio Trier 88.4 Saarbrücker Zeitung Radio Saarbrücken 99.6 Grüne Jugend Saarbrücken Grüne Regionalverbandsfraktion Saarbrücken @DIE LINKE. OV Alt-Saarbrücken Fraktion Die Linke im Landtag des Saarlandes

Gepostet von Aktionsgruppe Tierrechte Bayern am Montag, 21. Mai 2018

Minutenlang weben die Elefanten hin und her. Eine Verhaltensstörung, die Experten „weben“ nennen. Sie kommt in der freien Natur nicht vor und ist für Verhaltensforscher ein Zeichen für Unwohlsein, Stress und Leid. 

85 Prozent der Menschen besuchen Zirkusse nur wegen der Tiere, so die Gesellschaft für Konsumforschung. Viele Besucher sagen: „Der Mensch schützt nur, was er kennt. Deswegen gibt es auch Zoos.“ Denn wer als kleines Kind fasziniert einen Tiger gesehen hat, der wird als Erwachsener beim Thema Wilderei in Afrika auf die Barrikaden gehen. Und auch bei Tierquälerei im Zirkus. Ich persönlich habe mir mein Urteil gebildet: Wenn ein Nashorn auf kleinstem Raum eingezäunt auf Beton steht und für mehrere Schulklassen als Kuscheltier dienen muss, ist es nicht artgerecht und schlicht und ergreifend kein Nashornleben. Ein aktuelles Interview der haz mit Charlene Wolf von der Stiftung „Vier Pfoten“,  bestätigt diese Misslagen. „Leider gibt es nur unzureichende Richtlinien für die Haltung der Tiere, anders als in Zoos, wo eine Säugetier-Richtlinie existiert. Oft sind die Käfige zu klein und es fehlen regelmäßige Kontrollen, die die Zustände überprüfen. Den Großteil des Tages sind die Tiere beschäftigungslos und nicht ausgelastet – wider ihrer Natur. Erschwerend hinzu kommen Dressur und Training“, sagt Frau Wolf von „Vier Pfoten“.

Tiere zeigen Verhaltensauffälligkeiten

Wenn Löwen oder Tiger wie Ware von A nach B transportiert werden und sich nie so verhalten können, wie es Wildkatzen nun einmal tatsächlich in der freien Wildbahn machen würde, dann ist es ebenfalls nicht artgerecht. Den Tieren wurde alles abgewöhnt, was nun mal Wildtiere ausmachen. Wir müssen lernen, dass Tiere keine Untertanen sind und nicht als Geldbeschaffungsmaßnahme dienen. Wildtiere gehören in ihren natürlichen Lebensraum. Es ist an der Zeit, Zirkustiere endlich in Rente zu schicken, viel zu lange haben die Menschen sie versklavt und erniedrigt.

Trauriges Leben in Isolation: Das im Frühjahr verstorbene Nashorn Tsavo hinter den Kulissen. Foto: Peta

Leider kein „happy end“!

Ich werde mir definitiv kein Ticket kaufen – denn auch wenn es vielleicht im Ansatz stimmt, dass wir erst ein Tier zu schätzen wissen, wenn wir es mal live sehen, kann ich heute sagen: Das ist es nicht wert, denn das Tier hat schier rein gar nichts davon. Es lebt als umfunktionierter, dressierter Hund im Löwenmantel auf einem tristen Betonplatz und die Elefanten weben weiter traurig vor sich hin. Leider kein happy End.

Foto: Matthias Balk/dpa

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