Azubikampus Pings: Blaupause Studium |„Wahnsinn, was hier geboten wird“

Bildungsministerin Karliczek (5. v. r.) besuchte den Azubikampus Pings in Fulda. (Foto: Sascha-Pascal Schimmel)

Mit dem Azubikampus Pings möchte der Kreis Fulda die „duale Ausbildung auf das nächste Level heben“ – Vorbild ist das Studentenleben. Bundesbildungsministerin Karliczek ist angetan von dem Projekt. Zwei Bewohner sind begeistert und freuen sich auf die Angebote, die noch entstehen werden.

Noch ist dem Azubikampus Pings in der Liobastraße in Fulda anzusehen, dass er unvollendet ist. Viel Fantasie ist jedoch nicht nötig, um das Potenzial dieses Projekts zu erkennen. Klar, draußen sieht alles noch ziemlich baustellenmäßig aus. Und innen wird auch noch ordentlich gewerkelt.

Derzeit leben bereits 18 Azubis im Pings. Am Ende wird der Campus 120 Wohneinheiten bieten. „Die Azubis kommen aus unterschiedlichen Regionen“, sagt Julija Tesic von Kolping Jugendwohnen. „Aus Meiningen, Wismar, dem Odenwald, Marburg und Kamerun.“ Unter ihnen sind grafische Zeichner, Augenoptiker und Anlagenmechaniker.

Bundesministerin besucht Pings

Eine Handvoll von ihnen hockt am Montagabend in einer der Gemeinschaftsküchen des Pings‘, während Bundesbildungsministerin Anja Karliczek von der CDU durch die Gänge des Gebäudes schlendert. Die Ministerin ist an diesem Tag auf Bildungsreise in Fulda. Erst hat sie den Verlag Parzeller besucht. Dort hat ihr Walter Lorz die digitale Lernplattform OBCC Classroom vorgestellt. Lorz ist Geschäftsführer des Parzeller-Tochterunternehmens OB//CC. Anschließend ging es für Karliczek an die Hochschule. Den Abschluss ihres Fuldabesuchs machte der Stopp im Pings.

 

„Wir stehen vor großen Herausforderungen“, sagte die Ministerin am Montag vor dem Hintergrund des Azubimangels. Im Kreis Fulda kommen grob zwei offene Lehrstellen auf einen möglichen Azubi. „Diese Probleme können wir nur im Kleinen vor Ort lösen. Das Projekt Pings ist dafür ein gutes Beispiel.“ Sie glaube, der Gemeinschaftsgeist, für den ein solcher Campus stehe, sei einer der Kernpunkte.

Tatsächlich ist für die Pingsmacher – Landkreis Fulda und Kolpingwerk – die Stiftung von Gemeinschaft eines der großen Themen. Um mehr Azubis nach Fulda zu holen, brauche die Region ein Alleinstellungsmerkmal, sagte der Erste Kreisabgeordnete Frederik Schmitt am Montagabend. „Wir haben hier etwas, das die duale Ausbildung auf das nächste Level hebt.“

Bildungsministerin Karliczek besucht den Azubikampus Pings in Fulda.

 

Ziel von Pings ist es demnach, Vorzüge des Studiums in die Ausbildung zu integrieren. Es wird Bildungs- und Freizeitangebote geben. Für alle Azubis der Region, nicht nur für die Campusbewohner. Es gibt finanzierbaren Wohnraum mit sozialpädagogischer Betreuung. Die Bewohner werden bei der Gestaltung von zehn Themenräumen im Pings eingebunden.

„Bewohner haben sich sofort zusammengesetzt“

„Der Gemeinschaftsfaktor wie beim Studium ist aber auch sehr wichtig“, sagt Schmitt. „Die Azubis merken, dass sie nicht auf sich gestellt sind. Sie treffen auf dem Campus andere, können sich austauschen.“ Schmitt hat dabei insbesondere Azubis aus kleinen Betrieben im Blick. Die seien in ihrer Firma häufig der einzige Auszubildende.

Das mit der Gemeinschaft scheint bisher ganz gut hinzuhauen. „Die ersten Bewohner haben sich direkt zusammengesetzt und eine Whatsapp-Gruppe gegründet“, sagt Julija Tesic von Kolping. Einer der ersten Bewohner ist Lukas. Er ist 23 Jahre alt, kommt aus Wasungen in Thüringen und macht eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker.

Azubikampus Pings Fulda

Basti (l.) und Lukas wohnen bereits im Pings.

Strategisch gute Lage

Nach Fulda ist Lukas aus verschiedenen Gründen gezogen. Zum einen, weil seine Schwester in Mannheim wohnt, und Fulda daher strategisch gut zwischen seiner Heimat Wasungen und dem Wohnort seiner Schwester liegt. „Bei der Durchfahrt durch Fulda sind mir immer wieder die Kleinbusse der Firma, für die ich nun arbeite, aufgefallen“, sagt der 23-Jährige. „Auf denen standen die Leistungen, die die Firma erbringt. Das hat mich angesprochen.“ Während des Bewerbungsgesprächs habe ihm der Chef gesagt, er solle sich wegen einer Unterkunft doch mal bei Pings melden.

„Ich war der erste, der bei Pings einen Mietvertrag unterschrieben hat“, sagt Lukas. „Mit den anderen Bewohnern bin ich dann am ersten Abend direkt aufeinandergetroffen. Wir haben Pizza bestellt, uns kennengelernt und Kontakte geknüpft.“ Der Wasunger sagt, es sei Wahnsinn, was der Azubikampus alles biete.

„Dachte, ich sei in einem Hotel“

Auch Campusbewohner Basti fühlt sich im Pings wohl. „Als ich das erste Mal hier gewesen bin, dachte ich, ich sei in einem Hotel“, sagt der 20-Jährige aus Meiningen. „Die Idee, dass Azubis dieselbe Unterstützung kriegen wie Studenten, hat mich begeistert.“ Basti macht eine Ausbildung zum Augenoptiker. Ihm sagen insbesondere die Freizeitangebote zu. Auf dem Campus wird es bald ein Beachvolleyballfeld und eine BBQ-Ecke geben. Basti freut sich zudem darauf, den Themenraum „Musik“ mitgestalten zu können.

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Gepostet von pings – AZUBIKAMPUS am Mittwoch, 31. Oktober 2018

 

Was Basti und Lukas zudem gefällt: Jeden Morgen steht im Pings Frühstück bereit. Okay, geschmiert sind die Schnitten noch nicht. Aber zumindest Brot und Beläge warten schon auf die Azubis. Beide sagen: „Das ist eine gute Sache.“ Denn viele Azubis würden lieber ein paar Minuten länger schlafen, als früher aufzustehen, um sich Frühstück zuzubereiten.

Bis alle Zimmer des Pings fertig sind, wird es noch ein paar Wochen dauern. Sie sollen jedoch noch in diesem Jahr fertiggestellt und bezogen sein.

Fotos: Sascha-Pascal Schimmel

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