„Bonifatius – Das Musical“ auf dem Domplatz: Mehr geht einfach nicht

Es ist ohne Zweifel der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstag der Stadt, manche sprechen gar von einem Open-Air-Kulturevent, wie es in den vergangenen Jahren kein zweites Mal in Deutschland zu erleben war: „Bonifatius“ als Musical auf dem Domplatz verdient in jeder Hinsicht das Attribut gigantisch. Was technisch, künstlerisch und logistisch machbar ist, hat das Spotlight-Team hier umgesetzt und ausgereizt – mehr geht einfach nicht.
Von Bernd Loskant

Der Nabel der Welt ist in diesen Tagen eine Scheibe. Eine riesige runde Scheibe aus Glas, die von unten beleuchtet wird und auf der in bunten Farben die Geschichte des gerne „Apostel der Deutschen“ genannten Heiligen Bonifatius erzählt wird. Eine zweite runde Scheibe schwebt wie ein Heiligenschein über dem Ganzen – direkt vor dem Dom, an dessen Fassade sich mal lodernde Flammen hochfressen, mal bunte Ornamente drehen. Wo soll man hier eigentlich zuerst hinschauen?
Die Bühne nutzte einst Helene Fischer – um sie für eine Show von Spotlight tauglich zu machen, musste sie in der Breite fast verdoppelt werden. Links sitzt das 50-köpfige Kölner Sinfonieorchester, rechts ein Massenchor aus 130 Fuldaer Sängerinnen und Sänger. Dazwischen einige der besten deutschsprachigen Musicaldarsteller wie Reinhard Brussmann, Friedrich Rau oder Judith Jandl, die unter der Regie des – ebenfalls brillanten – Stefan Huber das Leben des Mannes auf die Bühne bringen, dessen Name mit der Stadt Fulda untrennbar verbunden ist: In Bonifatius‘ Auftrag wurde die Stadt Fulda 744 gegründet, im Dom liegt er begraben.

Als zwei Dutzend Leute zu Beginn der Aufführung in Straßenoutfits auf die Bühne stürmen, glaubt man für einen Moment, Bonifatius sei in die Moderne verlegt worden. Doch dann schlüpfen die Schauspieler in die historischen Gewänder und spielen die Story weitgehend so, wie die Legende sie überliefert: Bonifatius wird im 8. Jahrhundert vom Papst nach Germanien entsandt, um mit seinem Schüler Sturmius die Menschen für das Christentum zu gewinnen. Als er ein heidnisches Heiligtum, die Donareiche, fällt, schwört Heidenfürst Radbod Rache. Den Zorn des Klerus zieht Bonifatius auf sich, als er unmoralische Auswüchse in der Kirche anprangert und für die Entlassung des Mainzer Bischofs Gewilip sorgt, der sich an wilden Orgien mit Priestern und Nonnen beteiligt. Dass sich der Bischof und der Heidenfürst verbünden, um Bonifatius um die Ecke zu bringen und dies auch schaffen, muss nicht gespoilert werden, denn sonst würde der Heilige ja nicht im Dom begraben liegen.
Die Zuschauer erleben eine spektakuläre, aber sehr menschliche und die Verhältnisse der Zeit keineswegs verklärende Aufführung: Es gibt viele emotionale Momente, zwei, drei wilde Sexszenen, Balladen und Rock’n’Roll. Das Musical, mit dem vor 15 Jahren die Erfolgsgeschichte der Spotlight Musical Company begann, wurde für die ganz große Bühne nochmal entstaubt und richtig schön veredelt. Neben der schauspielerischen und der sängerischen Leistung begeistern vor allem die Bilder: Die runde Bühne symbolisiert den Stamm der gefällten Donareiche. Die Lichtprojektionen, die den ganzen Dom mit einbeziehen, geben der Aufführung ein einmaliges Ambiente. Für die Projektionen wurde übrigens kein geringerer als Oscar-Preisträger Sven Sauer engagiert. Der Wiesbadener holte 2012 mit der Frankfurter Visual-Effect-Firma Pixomondo die Trophäe für die besten Spezialeffekte in dem Film „Hugo“. Er erschafft mit einem digitalen Pinsel am Computer unglaubliche Traumwelten – zum Beispiel auch für Serien wie „Game of Thrones“ oder Computerspiele wie „Perry Rhodan“.
Gigantisch war nach der gefeierten Aufführung auch die Premierenparty in der Orangerie, bei der der KultKlub bis zum frühen Morgen spielte. Mehr als 34.000 Menschen werden das Bonifatius-Musical bis nächsten Mittwoch gesehen haben. Wer sich beeilt, hat noch die Chance auf Resttickets, die es unter anderem bei den Geschäftsstellen der Fuldaer Zeitung gibt.
Fotos: Spotlight und Bernd Loskant

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