Weniger soziale Teilhabe in Fulda? DJ Philipp plädiert für mehr kulturelle Freiräume

Verschwindet in Fulda die Subkultur? Das ist die zentrale Frage unserer Titelstory im aktuellen Magazin, die die move36-Redakteure Sascha und Daniel möglichst vielen Kulturschaffenden und Szenekundigen gestellt haben. Klar ist: Es ist mehr weggebrochen in den vergangenen Jahren als hinzugekommen ist. Um dem entgegen zu wirken, plädiert Verena Schulenberg, Djane und ehrenamtlich aktiv in der L14zwo, beispielsweise für einen „Subkultur-Botschafter“ in Fulda, der die Kommunikation zwischen Stadt und Kulturschaffenden vereinfachen könnte. 
Heute bemängelt DJ und Mitbegründer der International Soundclash Crew, Philipp Weidemann (40), dass hier ohne Beziehungen gar nichts laufe und viele einen einfach ignorieren würden, wenn man Kultur schaffen möchte und dafür Unterstützer sucht. Dabei sei es eine absolute Win-win-Situation, subkulturelle Freiräume zu unterstützen, weil das nicht nur Studierende intensiver an die Stadt binde. 

Wie ist es um die Subkultur in Fulda bestellt?

Kurz gesagt: nicht gut. Es gibt eine Menge unterschiedlicher Initiativen, viele engagieren sich hier ehrenamtlich. Aber was vor allem nach dem Abriss des L14-Areals fehlt, ist ein Ort zur Verwirklichung von unterschiedlichsten Interessen. Viele Musikinitiativen, die ich kenne, finden so gut wie keine Räume mehr. Das ist wirklich unglaublich mühsam. Wenn man dann in der Stadt rumfragt, merkt man schnell, wie schwer der Zugang ist. Es geht ums Geld, und nicht darum, kreativen Freiraum zu unterstützen.

Nicht-profitorientiert zu sein, siehst du also als ein Merkmal von Subkultur?

Genau, hier stehen weniger kapitalistische Verwertungsinteressen im Fokus als vielmehr der eigene kreative Ausdruck. Für mich gehört auch dazu, kulturelle beziehungsweise gesellschaftliche Normen kritisch zu hinterfragen und Gegenentwürfe zu schaffen. Um für uns alle bessere und gerechtere Lebensbedingungen zu erreichen.

Und wer ist hier nun gefragt, bessere Bedingungen für ein bunteres Kulturangebot zu schaffen?

Ich bin seit 15 Jahren in Fulda. Von Anfang an habe ich die Erfahrung gemacht, dass Fulda ein geschlossener Klüngelkreis ist. Ohne Beziehungen und Lobby geht hier gar nichts, dann ignorieren die Leute dich einfach. Ich sehe nach wie vor die Stadt und vor allem auch Heiko Wingenfeld als OB in der Verantwortung, hier mit ihrer Lobby zu unterstützen. Wenn man sich die ganzen dicken Bauprojekte der letzten Jahre anschaut, sieht man: Es geht doch. Das ist eine Frage der Prioritäten. Doch ich glaube, der CDU-Mehrheit in der Stadt ist sowas wie Subkultur suspekt und auch egal. Wichtiger sind dann Wein- und Bierfeste, Musical-Sommer oder 1275-Jahr-Feiern in Hochglanz-Optik.

Der AStA hat sich ja gegenüber dem OB für mehr kulturelle Angebote für Jugendliche stark gemacht.

Ja, was aber die Stadt trotzdem, glaube ich, noch nicht richtig begriffen hat, ist, dass sie sich vor allem mit dem Ausbau der Hochschule deutlich verjüngt. Für Jüngere gibt es jedoch sehr wenig Angebote. Das führt dazu, dass viele kommen, zum Studium bleiben und dann so schnell wie möglich wieder gehen. Das kann eigentlich nicht im Interesse der Stadt sein.

Und subkulturelle Freiräume könnten dabei helfen, junge Studierende an die Stadt zu binden?

Ja, subkulturelle Freiräume zu unterstützen, ist eine absolute Win-win-Situation. Fulda möchte sich gerne als weltoffene, moderne, internationale Stadt begreifen. Dann wäre es an der Zeit, diesen Anspruch auch wirklich umzusetzen. Subkulturelle Freiräume bieten Menschen die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren, sich und andere damit zu begeistern und miteinander in einen Austausch zu treten. Dies führt nicht nur zu mehr Lebenszufriedenheit, sondern bildet auch einen wichtigen Gegenpol zu rechtsradikalen Strömungen. Auch bedeutet es, sich mehr mit einem Ort zu identifizieren und dort mehr zu verwachsen. Wenn das nicht ernst genommen wird von den Verantwortlichen, bedeutet das für Engagierte mehr Frustration, weniger gesellschaftliche Partizipation und letztendlich auch Destabilisierung unserer demokratischen Gesellschaft.

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