„Drogensucht ist eine Krankheit“ – Internationaler Gedenktag an Tote auch in Fulda

Es ist Samstag, du bist mit deinen Leuten feiern. Es werden kleine Pillen verteilt. „Einmal geht schon“, denkst du dir. Und so geht das jedes Wochenende, irgendwann brauchst du täglich deine Dosis. Schirmst dich ab, lässt dich von deinen angeblichen Freunden zu weiteren Drogen anfixen. Und langsam merkst du, es geht nicht mehr ohne. Manche Menschen schaffen den Absprung, manche aber nicht. Einige sterben gar. Derer wurde am 21. Juli den internationalen Gedenktag für verstorbenen Drogengebraucher auf dem Bahnhofsplatz gedacht.

600.000 Menschen weisen laut dem Gesundheitsministerium einen problematischen Konsum von illegalen Drogen auf. Auch in Fulda gibt es Betroffene. Doch hier scheint das Thema immer noch ein Tabu zu sein: „Noch immer herrscht Unwissen und Ablehnung“, erklärt Simone Schafnitzel, Leiterin der Selbsthilfegruppe Connection. „Ablehnung führt den Menschen noch weiter in einen Sumpf aus dem er am Ende nicht mehr rauskommt. Drogensucht ist eine Krankheit, die sich niemand aussucht. Die Prohibition von Drogen verstärkt die Problematik“, erklärt Schafnitzel. Zusammen mit der Aidshilfe Fulda möchte die Ärztliche Suchthilfe deshalb Aufklären und Menschen die Angst nehmen. Vor allem über Präventionsmöglichkeiten, ärztliche Betreuung und Substitution für Drogengebraucher.

Sie selbst leitet seit sieben Jahren die Selbsthilfe Gruppe. „Wöchentlich kommen 10 bis 15 Teilnehmer zu den Treffen. Wir haben uns absichtlich nicht auf eine Droge spezialisiert. Bei uns ist jeder willkommen. Durch das Selbsthilfebüro gibt es schon viele Angebote aber je mehr Anlaufstellen für Betroffene, desto besser. Heute wollen wir anlässlich des Gedenktags für verstorbene Drogengebraucher die Passanten erreichen,“ erklärte sie am Sonntag. An einem Infostand konnten Angehörige von Verstorbenen Gedenkkarten beschriften oder symbolisch Umrisse eines Menschen auf den Vorplatz malen.

Neben den Selbsthilfegruppen können sich Betroffenen auch an die AIDS-Hilfe Fulda oder an die Ärztliche Suchthilfe wenden. „Leider gibt es auch hier immer noch Berührungsängste gegenüber HIV-Patienten“, sagt Willi Rack, Mitbegründer der Aidshilfe Fulda. „Ein wichtiges Ziel ist daher die Aufklärung und vor allem die Prävention.“ Safer Use ist hier das Stichwort. Nicht nur bei der Verhütung, sondern vor allem bei der Verwendung von Nadeln.

Besonders im Fokus der Aktion stand jedoch die Substitution. Fast 80.000 Menschen werden in Deutschland substituiert. Das bedeutet, sie nehmen unter ärztlicher Aufsicht anstatt illegaler Drogen Substitutionsmedikamente. Dazu gehören beispielsweise Methadon oder Polamidon . „In Fulda befinden sich 150 Patienten in Substitutionsbehandlung“, erklärt Michael von Kürten, Ärztlicher Leiter der Suchthilfe in Fulda. „Die Substitution ist ein Weg, dass Abhängige ambulant behandelt werden können. Für den heutigen Tag das Motto „Gesundheit gibt es nicht zum Nulltarif“ gewählt. Eine erfolgreiche Substitution ist nur mit einer kostendeckenden Finanzierung möglich. Momentan reichen die Zuschüsse für Fulda nur für 105 Patienten, daher müssen wir leider von unseren Klienten fünf Euro für die Behandlung nehmen. Das ist für einige Betroffenen schon viel Geld“, erklärt von Kürten. Mit der Substitution wird für viele Patienten der Weg in ein geregeltes Leben wieder möglich. Die Zahl derer, die den Sprung in ein cleanes Leben schaffen, liege jedoch nur bei ein- bis zwei Prozent. Bis jetzt sei von Kürten in Fulda der einzige Arzt, der die Substitutionspatienten behandelt. Grundsätzlich dürfte jeder Hausarzt bis zu zehn Patienten substituieren.

 

 

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