Selbsthilfebüro Osthessen: Neuer Leiter im Gespräch

Selbsthilfegruppen in den Regionen Fulda, Vogelsberg und Hersfeld-Rotenburg mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – das ist die Aufgabe von Michael Möller. Seit dem 1. März ist er neuer Leiter des Selbsthilfebüros Osthessen, das seinen Sitz in Fulda hat.

Ein Text von Hanna Wiehe

Selbsthilfegruppe – bei diesem Stichwort denken sicher viele Menschen an ältere Herr-schaften, die in einem grauen Raum im Stuhlkreis sitzen und über ihre Probleme sprechen. „Doch diese Gruppen sind wirklich vielfältig“, betont Michael Möller. Er muss es wissen – den Kontakt zu den Gruppen zu halten und ihnen Unterstützung anzubieten, gehört zu den Aufga-ben des 35-Jährigen, der in Petersberg wohnt. „Es gibt reine Gesprächsgruppen, in denen die aktuelle Situation der Betroffenen im Mittelpunkt steht. Viele andere Gruppen sind über ihre Treffen hinaus aktiv, fahren zu Tagungen, organisieren Vorträge, gemeinsame Feste und es bilden sich lange Freundschaften“, sagt Möller. Das Selbsthilfebüro sei dabei das Bindeglied zwischen den Gruppen und dem, was Möller als das „Hilfesystem“ bezeichnet – dazu gehören Ärzte und Krankenhäuser. „Wir vermitteln Ansprech-partner in Kliniken und sozialen Organisationen“, erklärt Möller.

Wolle jemand eine Selbsthilfegruppe gründen, helfe man bei der Organisation. Sucht jemand eine Gruppe zu einem bestimmten Thema, versuche man, zu vermitteln. „Im Raum Fulda betreuen wir derzeit etwa 110 Gruppen, im Vogelsberg und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg je-weils etwa 25“, berichtet der zweifache Vater und ergänzt: „Es gibt Themen, zu denen ich mir eine Gruppe wünschen würde, weil es Bedarf gibt – aber es muss auch jemanden geben, der diese Gruppe organisiert.“ Derzeit gebe es vermehrt Anfragen zu den Themen Essstörungen und Schmerzerfahrung. „Den größten Zulauf verzeichnen Gruppen zu psychischen Problematiken“, sagt er.

Leiden in den Griff bekommen

Wie es ist, sich in einer Selbsthilfegruppe zu engagieren, weiß Michael Möller aus eigener Erfahrung: „Ich hatte vor ziemlich genau zehn Jahren eine Lebensmittelunverträglichkeit. Da habe ich mir überlegt, Hilfe in einer Selbsthilfegruppe zu suchen“, berichtet der gebürtige Fuldaer. Die nächsten seien in Kassel und Frankfurt gewesen. „Ich habe aber gelesen, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung an einer Allergie oder Unverträglichkeit leidet und dachte mir deshalb, dass es auch hier in der Region einen Bedarf geben muss.“ Um eine Selbsthilfegruppe zu gründen, nahm er Kontakt zum Selbsthilfebüro auf und gründete mit dessen Hilfe eine Gruppe, die er bis zum Jahr 2015 leitete. Er organisierte Treffen und lud zu Vorträgen – und lernte: „Es gibt so viel Unwissen. Manche Menschen liefen seit 30 Jahren von Arzt zu Arzt, um die Ursache ihres Leidens zu finden. Dank einer Selbsthilfegruppe wurden sie dazu angeregt, zu einem bestimmten Spezialisten zu gehen und bekamen so ihr Leiden in den Griff.“ Auch wenn mit der Zeit die Nachfrage für seine eigene Gruppe nachließ: „Trotzdem blieb ich der Selbsthilfe und dem Träger, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, verbunden“, berichtet er. Und als die Stelle des Leiters frei wurde, bewarb er sich darauf. „Zuvor hatte ich im kaufmännischen Bereich gearbeitet und BWL studiert“, berichtet der35-Jährige. Doch dank seiner Tätigkeit in der Selbsthilfegruppe wurde ihm klar: „Das soziale Engagement liegt mir, das ist es, was ich machen möchte.“

Geflüchteten Selbsthilfe näher bringen

Und er tut viel dafür: Er bildet sich weiter, studiert Soziale Arbeit. Vier Jahre lang leitete er das Geburtshaus und das Familienzentrum in Fulda. Seit vier Monaten ist er Leiter des Selbsthilfebüros mit zwei Mitarbeitern. Seither erlebt er viel: „Ich bin unterwegs und erlebe Neues. Es wird nicht langweilig“, berichtet Möller. Doch er merkt auch, dass sich die Selbsthilfe weiterentwickeln muss: „Früher waren viele Erkrankungen noch voneinander getrennt – jemand hatte beispielsweise Krebs oder Parkinson. Heute werden Krankheitsbilder und die Situationen der Patienten zunehmend komplexer, besonders bei psychischen Erkrankungen. Darauf muss sich die Gesellschaft einstellen.“ Zwei Arbeitsbereiche beschäftigen das Selbsthilfebüro derzeit: zum einen die junge Selbsthilfe. Auch jüngere Menschen sollen ermuntert werden, sich in einer Gruppe zu engagieren. „Zum anderen beschäftigt uns seit etwa drei Jahren das Thema Migration sehr“, sagt Möller und fügt an: „Die Menschen, die zu uns geflüchtet sind, kennen das Prinzip der Selbsthilfe teilweise nicht.“ Dies wolle er ändern – doch das brauche Zeit.

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