1. lokale Demokratiekonferenz in Fulda: Jugendliche aufgerufen, bei Plakatwettbewerb mitzumachen

„Demokratie ist nicht vom Himmel gefallen, da muss man was für tun!“ So der eingängige Appell von Christopher Vogel, Mitglied beim mobilen Beratungsteam Hessen, bei der 1. lokalen Demokratiekonferenz am Wochenende im Mehrgenerationenhaus am Aschenberg. Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Meschenfeindlichkeit“ gehört auch Fulda zu den geförderten Städten in Deutschland. 

Über 320 Städte, Gemeinden und Landkreise werden von dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert, mit insgesamt 115,5 Millionen Euro in 2019. Der Fuldaer Partnerschaft stehen 37.000 Euro zur Umsetzung von lokalen Projekten zur Demokratierförderung zur Verfügung. Insbesondere Kinder und Jugendliche, deren Eltern und Angehörige, aber auch Tätige in der Jugendarbeit sind vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aufgerufen, mit Ideen zur Demokratiebegeisterung an die entsprechenden Stellen zu treten.

„Ich bin froh und dankbar darüber, dass wir in Europa noch nie so lange in Frieden und Freiheit leben durften, aber auch besorgt über die eingefrorene Begeisterung für Demokratie“, so OB Dr. Heiko Wingenfeld bei der 1. lokalen Demokratiekonferenz am Wochenende am Aschenberg, zu der rund 80 Interessierte kamen. „Es bringt nichts, wenn Minister sagen, Demokratie sei toll. Sie muss gelebt werden, Demokratie kann man nicht verordnen.“

„Wir haben 2015 den Laden gerockt!“

Besonders auf dem Land ist das Misstrauen und die Verdrossenheit gegenüber der Politik gewachsen, wie der anschließende Impulsvortrag von Christopher Vogel vom mobilen Beratungsteam Hessen zeigte. Der Verein, der seit drei Jahren auch in Osthessen aktiv ist, setzt sich vor Ort für ein tolerantes Miteinander und gegen Menschenfeindlichkeit ein. Je weiter man von Ballungsräumen weggehe, desto höher werde der Zuspruch für Rechtspopulisten, so Vogel. Die Globalisierung und Liberalisierung, zum Beispiel in Gender-Fragen, werde bei diesen Bevölkerungsteilen als Bedrohung empfunden. Die jahrelange Förderung der Metropolregionen und Vernachlässigung der ländlichen Gebiete habe dieses Gefühl nur noch verstärkt.

Aber: „Eine überwältigende Mehrheit ist nach wie vor stolz auf das Grundgesetz und die Demokratie“, betonte Vogel. Darauf ließe sich mit einer selbstbewussten Zivilgesellschaft aufbauen, die zum Beispiel sagt: „Wir haben 2015 den Laden gerockt!“ Als nämlich der Flüchtlingsstrom so hoch war, dass die Politik ohne die zahllosen Ehrenamtlichen vollends überfordert gewesen wäre.

Konkrete Ergebnisse für Fulda

In drei Workshops diskutierten die Teilnehmer im Anschluss konkrete, lokale Fragen, wo bereits Ergebnisse für Fulda rauskamen: Vor allem müssten hier Betroffene von Diskriminierung bessere Beratung und Hilfe erfahren, auch könne die Fuldaer Gesellschaft noch sensibler hinsichtlich rassistischer und rechtsextremer Einstellungen im Alltag werden. Nicht zuletzt sei auch die Jugendarbeit noch förderbedürftig.

Mitmachen und gewinnen!

Hallo Kreative, hey Grafiker und Zeichner, hi politisch Interessierte! Du fühlst dich angesprochen und möchtest deine Botschaft für Vielfalt, Toleranz und Demokratie an die Fuldaer senden? Dann mach mit beim Großflächenplakatwettbewerb der Stadt Fulda. Alle Schulen und Jugendgruppen sind aufgerufen, eine Plakatwand (3,5 Meter x 2,5 Meter) mit ihren Ideen zu gestalten. Einige Gruppen haben bereits zugesagt. Also auf!

Worum geht es?

Die Plakate sollen ein Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit, Gewalt und jegliche Form von Extremismus sein. Zur Inspiration helfen folgende Fragen: Was verstehst du unter Demokratie, Vielfalt und Toleranz? Wo erlebst du diese Werte im Alltag – in der Familie, der Schule, im Verein? Wo siehst du diese Werte bedroht? Wo und wie kann man sie wieder stärken?

Deine Umsetzung kann sachlich und ernst, aber auch witzig und parodistisch sein. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, am besten sind Acryl- oder Graffitifarben – für mehr Signalwirkung.

Wie läuft das Ganze ab?

Zunächst musst du mit deiner Gruppe nur einen Entwurf (mindestens DIN A 2, Querformat, aufgeklebt auf starkem Karton) einreichen – bis zum 28. Juni bei der Fachstelle Integration und Inklusion am Heinrich-von-Bibra-Platz 5-9 (Amt für Jugend, Familie und Senioren). Allerdings solltest du bereits bis zum 3. Mai melden, ob deine Gruppe mitmacht. Gib außerdem an, in welcher Technik die große Plakatwand nachher gestaltet wird. Unten rechts muss ein freier Platz für das Logo der Partnerschaft für Demokratie sowie für den Namen eurer Klasse oder Gruppe bleiben.

Bis 31. August erfährst du von einer Fachjury, ob euer Plakat unter die zehn Besten gekommen ist und ihr es auf einer großen Plakatwand umsetzen könnt. Diese zehn werden dann von Mitte bis Ende September überall in der Stadt auf den großen Werbeflächen für Plakate zu sehen sein. Alle eingesendeten Entwürfe werden zudem voraussichtlich im Stadtschloss vom 15. bis 20. September ausgestellt. Allerdings sei die Stadt noch auf der Suche nach Räumen, wo man sie länger zeigen kann, so Lena Müller von der Fachstelle Integration und Inklusion.

Unter den zehn besten ermittelt die Jury jeweils drei Preisträger in zwei Altersgruppen, die beim 10. Hessischen Familientag am 14. September gekürt werden, also insgesamt sechs Preise:

  1. Preis: 200 Euro für die Klasse/Gruppe
  2. Preis: 150 Euro für die Klasse/Gruppe
  3. Preis: 100 Euro für die Klasse/Gruppe

Die Workshop-Themen:

Stefan Wunsch vom mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus fragte in seinem Workshop: „Was ist los in Fulda?“ Wieso sorgt die Region immer wieder für Schlagzeilen in Sachen Rechtsextremismus oder als Hochburg der AfD? Zumal erst kürzlich die Neonazi-Partei „Der dritte Weg“ einen Fackelmarsch durch Fulda abhalten konnte.

Demokratiekonferenz, Demokratie leben, Fulda

In den Workshops wurde angeregt über Vielfalt, aber auch Rassismus in Fulda diskutiert.

 

Osman Özdemir von der Bildungsstätte Anne Frank diskutierte in seinem Workshop über die Herausforderung, religiöse Vielfalt unter einen Hut zu bekommen. Warum wird diese überhaupt immer als Herausforderung und nicht als Chance wahrgenommen? Der Workshop lud zur Selbstreflexion über die eigenen Bilder von Religionen.

Torsten Niehling von der Pädagogischen Fachstelle Rechtsextremismus (Rote Linie Marburg) diskutierte über Hetze im Netz, und am Thementisch konnten sich zudem Betroffene rassistischer Gewalt über Beratungs- und Hilfsangebote informieren. Du hast Ideen für Projekte, die Begeisterung für Demokratie fördern? Du willst mehr über das Bundesprogramm und die hiesigen Beteiligten erfahren?

Die Koordinierungs- und Fachstelle der lokalen Partnerschaft für Demokratie bietet ab sofort eine Sprechstunde an: jeden Dienstag zwischen 16 und 17 Uhr im Behördenhaus am Schlossgarten im Raum 255. Termine außerhalb der Sprechstunden kannst du mit Lena Müller (lena.mueller@fulda.de) unter 0661 102 3201 ausmachen.

Alle Infos zum Bundesprogramm findest du hier.

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