Diebstahl, Mord, Körperverletzung: Das sagt Osthessens Polizei

Etwas mehr Delikte, dafür auch eine höhere Aufklärungsquote. Wie ist die Kriminalstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Osthessen zu interpretieren? move36 hat bei Diebstahl, Mord und Körperverletzung genauer hingesehen und die Polizei um Erläuterung gebeten.

„In Osthessen leben Sie sehr sicher.“ So interpretierte Polizeidirektor Bernhard Jäger vergangene Woche die Kriminalstatistik 2018 des Polizeipräsidiums Osthessen. Und tatsächlich: Dass die Osthessen (verhältnismäßig) sicher leben, geben die Zahlen her. Je 100.000 Einwohner gibt es in unserer Region weniger registrierte Delikte als im Hessenschnitt. Außerdem klären unsere Polizisten überdurchschnittlich viele Fälle auf. Die Aufklärungsquote steigt seit Jahren. Ein gutes Zeichen.

Auch kein schlechtes Zeichen: Die Gesamtzahl der registrierten Delikte. Zwar ist sie 2018 leicht gestiegen. Dennoch lag sie mit 18.051 Fällen deutlich unter dem Wert aus 2013 (20.926).

move36 hat sich die Kriminalstatistik einmal genauer angesehen. Drei Punkte sind der Redaktion ins Auge gestochen. Dazu haben wir die Polizei um eine Einordnung gebeten.

Diebstahl: Weniger Delikte, Aufklärungsquote mau

Eigentum ist in Osthessen vor Langfingern zunehmend sicher. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor. Seit einigen Jahren nimmt die Anzahl solcher Delikte ab. Denen, die dennoch Opfer werden, hilft das jedoch wenig. Denn: Die Aufklärungsquote ist in diesem Bereich recht mau. Bei einfachem Diebstahl – der Täter muss dafür kein „Hindernis“ überwinden – wurden 2018 nur in knapp 46 Prozent der Fälle die Täter geschnappt. Geht es um schweren Diebstahl – zum Beispiel mittels Einbruchs – lag die Quote sogar nur bei weniger als 25 Prozent.

Das sagt die Polizei:

„Unter der Kategorie ‚Diebstähle insgesamt‘ sind unterschiedliche Deliktsfelder aufgeführt, die beispielsweise vom einfachen Ladendiebstahl, über den Diebstahl in und aus Kraftfahrzeugen, bis hin zum Wohnungseinbruchsdiebstahl reichen. Dabei weichen die Aufklärungsquoten in den einzelnen Deliktsfeldern zum Teil erheblich voneinander ab.

Gerade im Bereich der Eigentumskriminalität sind häufig keine bis wenige Ermittlungsansätze zu Täterermittlungen vorhanden. Gründe hierfür sind unter anderem mangelnde Zeugen und/oder eine zum Teil schlechte Spurenlage an den Tatorten. Dennoch ist für den Bereich des Polizeipräsidiums Osthessen seit dem Jahr 2015 ein fortwährender Anstieg der Aufklärungsquote von 34,1 Prozent im Jahr 2015 auf nunmehr 37,6 Prozent bei einem gleichzeitigen Rückgang der Fallzahlen von 6973 Fällen im Jahr 2013 auf 5023 Fälle im Jahr 2018 zu verzeichnen.

Dieser positive Trend dürfte unter anderem auf einen anhaltend hohen Kontrolldruck sowie intensive Ermittlungs- und Präventionsmaßnahmen zurückzuführen sein. Mit einer Aufklärungsquote von 37,6 Prozent liegt Osthessen zudem mit 4,7 Prozentpunkten deutlich über dem Landesdurchschnitt von 32,9 Prozent.“

Getötet: Statistik schwer zu interpretieren

Vergangenes Jahr zählte die Polizei in Osthessen 35 Straftaten gegen das Leben. Das sind Verbrechen, bei denen Menschen getötet wurden. 2017 sind es 25 solcher Delikte gewesen. In den Jahren von 2014 bis 2018 im Schnitt etwa 26. Im vergangenen Jahr teilten sich die 35 Straftaten wie folgt auf: dreimal Mord, 23-mal Totschlag und Tötung auf Verlangen sowie achtmal fahrlässige Tötung.

Das sagt die Polizei:

„Die Anzahl der Straftaten gegen das Leben unterliegt nicht nur erheblichen Schwankungen im Jahresvergleich, sondern lässt auch mit ihren Fallzahlen im unteren zweistelligen Bereich keine belastbare Aussage über mögliche Ursachen zu.“

Körperverletzung: Liegt’s an unserer Gesellschaft?

2014 und 2015 lag die Anzahl der Delikte im Bereich Körperverletzung in Osthessen jeweils bei gut 1700. 2016 machte sie einen Sprung auf 2003. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei in unserer Region schließlich 2131 solcher Vorfälle. Besonders stark ist die Anzahl an Fällen von gefährlicher beziehungsweise schwerer Körperverletzung gestiegen (plus 14,1 Prozent). Vorsätzliche einfache Körperverletzung hingegen macht mit knapp 1500 Fällen den Löwenanteil innerhalb dieses Deliktbereichs aus.

Das sagt die Polizei:

„In den vergangenen Jahren sind die Fälle der Körperverletzungsdelikte nicht nur in Osthessen, sondern hessenweit angestiegen. Dabei können Körperverletzungsdelikte in allen denkbaren Situationen und Gegebenheiten stattfinden. Die Gründe hierfür scheinen vielfältig und sind möglicherweise auf die gesellschaftliche Entwicklung, eine erhöhte Ermittlungstätigkeit der Polizei und/oder eine gesteigerte Anzeigebereitschaft der Bevölkerung zurückzuführen. Häufig finden Körperverletzungen im öffentlichen Raum, insbesondere an den Wochenenden, sowie bei Veranstaltungen und in deren Umfeld statt.“

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