Katholische Kirche stellt Missbrauchs-Studie in Fulda vor

Sexueller Missbrauch von Kindern ist in der katholischen Kirche in Deutschland weit verbreitet. Eine Studie offenbart erschreckende Zahlen – und die dürften das komplette Ausmaß sogar untertreiben. move36 tickert heute live von der Vorstellung der Studie auf der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda und von der Pressekonferenz des Bistums Fulda. Dazwischen sprechen wir mit Stadtpfarrer Stefan Buß.

17.12 Uhr: Die PK des Bistums ist beendet

Das war es mit der PK des Bistums Fulda und unserer Berichterstattung zur Vorstellung der Missbrauchsstudie.

17.10 Uhr: „Schutz der Kinder wird immer wichtig sein“

Steinert: „Diese Thematik – Schutz für Kinder – wird nie abgeschlossen sein.“

17.05 Uhr: Blick in betroffene Gemeinden

Laut Steinert müsse man nochmal auf die Gemeinden schauen, in denen es in den letzten 20 Jahren Vorfälle gegeben hat. Darunter Großenlüder, Kleinlüder und Kalbach. Denn viele Betroffene äußerten sich erst Jahre später. „Ich glaube, dass gerade jetzt, da die Studie veröffentlicht ist, bei vielen das Erlebte wieder hochkommt.“

17.00 Uhr: Meldestellen abseits der Kirche?

Steinert überlegt, ob es Stellen geben muss, an die sich Betroffene wenden können, die nicht in direkter Linie zur Kirche stehen.

Der Prälat äußert sich noch einmal zu den Akten, die ausgewertet wurden. Manche der 795 reichten bis in die 1930er-Jahre zurück.

Wir müssen uns vergegenwärtigen, dass fünf bis zehn Prozent der Menschen, die vor uns sitzen, Missbrauchserfahrungen haben.“

16.57 Uhr: Täterprofile und Missbrauchssituationen

In den Präventionsschulungen geht es laut Prälat Christof Steinert um Täterprofile und mögliche Situationen, in denen es zu Missbrauch kommen kann. Steinert berichtet von einer Person, die während einer solchen Schulung das erste Mal offen über Sexualität gesprochen hat.

16.49 Uhr: Betroffene meldeten sich öffentlich

Das Bistum hat alle Akten von Klerikern angeschaut, die im Zeitraum 2000 bis 2015 im Dienst gestanden haben. Also zum Beispiel auch 1950 geweihte Priester, die 2000 noch tätig geworden sind.

Stanke sagt, dass nach dem Aufruf, sich öffentlich zu melden, sich mehr Betroffene gemeldet hätten.

Zehn Bistümer wurden über einen langen Zeitraum (1946 bis 2014) untersucht, 17 über diesen Zeitraum hinaus wie das Bistum Fulda. Das wurde vorher ausgelost.

Im Bereich der Prävention beschäftigt das Bistum zwei Mitarbeiter sowie einen in Teilzeit bei der Caritas.

16.39 Uhr: kirchen- und strafrechtliche Verfahren

Im Bistum wurden 2010 drei kirchenrechtliche und vier strafrechtliche Verfahren eröffnet. Das sind laut Zahlen der Studie Höchstwerte.

16.34 Uhr: Beschuldigte außer Dienst gestellt

Das Bistum Fulda hat in der Vergangenheit Beschuldigte aus dem Dienst genommen bis der Fall klar gewesen ist, so Stanke. „Dadurch, dass wir Betroffene nun ernst nehmen, ist die Macht der Beschuldigten gewichen.“

16.26 Uhr: Beraterstab „sexueller Missbrauch“ eingerichtet

In der Vergangenheit hat das Bistum Fulda eine Missbrauchsbeauftragte ernannt und einen Beraterstab sexuellen Missbrauchs eingerichtet. Die Vertreter des Bistums halten es für möglich, dass vor Ort nicht alles dokumentiert wurde. Unter Umständen sei nicht alles in die Personalakten eingeflossen.

Stanke möchte, dass mehrere Personen gemeinsam Sachverhalte beurteilen und Entscheidungen treffen, um Machtstrukturen aufzubrechen und Machtmissbrauch einzudämmen.

16.22 Uhr: „Sind nicht allen Hinweisen nachgegangen“

Stanke: „Wir sind den Hinweisen nicht immer nachgegangen, wie es nötig gewesen wäre. In den 80ern gab es Versetzungen. Man dachte, nach ein paar Wochen Therapie ist es wieder gut.“

16.19 Uhr: Kleriker missbrauchten Ministranten

Stanke: „Die Kleriker haben Ministranten oder andere Kinder, die in allgemein seelsorglicher Beziehung standen, missbraucht. Der Missbrauch fand bei privaten Treffen in der Wohnung des Pfarrers oder auf Ferienlagern statt. Die Fälle sind uns nicht neu. Was nicht in den Akten steht, wissen wir aber nicht.“

Seit 2014 habe man im Bistum Fulda 5107 Personen präventiv geschult.

16.00 Uhr: Die PK des Bistums Fulda beginnt

PK sexueller Missbrauch Bistum FuldaProf. Dr. Gerhard Stanke, Generalvikar: „Wir haben gelernt und müssen weiter lernen. Das Wichtigste: Wir müssen die Betroffenen hören. Verantwortliche haben sie nicht ernst genommen.“

Fünf Personen haben im Auftrag der Wissenschaftler 795 Personalakten durchsucht. Sie fanden 29 Beschuldigte. 19 davon Diözesanpriester. Bei vier Personen gab es Hinweise auf pädophile Orientierung.

28 Kleriker wurden in der Folge versetzt. Die meisten Personen und Fälle waren bekannt, Strafverfolgung fand statt. Es gab drei Freiheitsstrafen. Ein Beschuldigter wurde aus dem Klerikerstand entlassen, einer starb, bevor es soweit kommen konnte.

Die Studie hat im Bistum Fulda 75 Betroffene gefunden. 49 waren Jungen, 23 jünger als 13 Jahre.row_inner]column_inner]

15.50 Uhr: Stefan Buß im Video-Interview

Welche Gedanken schießen dir durch den Kopf, wenn du auf die Studienergebnisse blickst?

Wenn du wüsstest, einer deiner Mitarbeiter hätte ein Kind sexuell missbraucht, wie würdest du damit umgehen?

Merkst du in deiner Arbeit, dass die Berichterstattung über Missbrauchsfälle Einfluss darauf hat, wie die Gesellschaft mit der Kirche umgeht?

Was muss die katholische Kirche machen, um Missbrauch besser vorzubeugen?

Wie siehst du die Rolle des Zölibats im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch?

15.26 Uhr: Stefan Buß: Missbrauch oft in Familien

Stefan Buß„Die Skandale der Vergangenheit haben sich nicht direkt auf meine Arbeit ausgewirkt. Eltern sind nicht zurückhaltender geworden. Aber in der Gesellschaft wird natürlich diskutiert“, so Buß.

Ob der Zölibat eine der Ursachen für Missbrauch in der katholischen Kirche ist, wisse Buß nicht. „Viele Missbrauchsbrauchsfälle ereignen sich in Familien.“

Das ganze Interview als Video folgt.

14.43 Uhr: Gleich: Stadtpfarrer Stefan Buß im Interview

Wir verabschieden uns von der DBK und machen uns auf den Weg zu Stadtpfarrer Stefan Buß.

14.34 Uhr: „Dachte, es seien Einzelfälle“

Bischofskonferenz MissbrauchMarx: „Haben wir als junge Priester das Thema wahrgenommen? Ich würde sagen: nein. Wenn es Gerüchte gegeben hat, wollte keiner mehr wissen. Das war rückblickend falsch. Die Frage ist: Haben die Richtlinien damals ausgereicht? Ich konnte mir sowas damals gar nicht vorstellen. Nennen Sie mich naiv. Ich dachte, es seien Einzelfälle.“

14.31 Uhr: Zahl der Kirchenmitarbeiter unklar

Harald Dressing, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, kritisiert, dass die Kirche offensichtlich nicht wisse, wie viele Leute sie seit 1946 beschäftigt hat. „Daher ist keine Hochrechnung der Zahlen möglich.“

14.26 Uhr: Entschädigung hinterfragen

Bischof Stephan Ackermann: „Man sollte das System der Entschädigung unbedingt hinterfragen. Auch die Unabhängigkeit des Gremiums, das über sie entscheidet, nochmals prüfen.“

14.23 Uhr: Prävention ersetzt keine Aufarbeitung

Kardinal Reinhard Marx: „Man kann nicht Prävention betreiben und meinen, dadurch kann man sich die Aufarbeitung sparen.“

14.17 Uhr: „Ich verabscheue das Verbrechen“

Stephan Ackermann, Bischof Trier, Missbrauchsbeauftragter: „Ich kann und will mich nicht daran gewöhnen, dass Missbrauch zum Alltag der Kirche gehört. Ich bin fassungslos und verabscheue das Verbrechen. Ich habe das Ergebnis der Studie erwartet, es erschreckt mich aber immer wieder aufs Neue.“

Die Bischöfe müssten konsequenter und abgestimmter vorgehen. „Wir werden den Missbrauch alleine als Bischöfe nicht bekämpfen können. Wir brauchen die Unterstützung der Gläubigen, der Betroffenen und der Gesellschaft.“

14.09 Uhr: Beichte begünstigt Missbrauch

Dressing: „Es gibt ein weiteres katholisches Spezifikum: die Beichte. Einige nutzten sie zum Beichten und missbrauchten weiter.“

Missbrauch sei nicht Fehlverhalten einzelner. Strukturen der Kirche begünstigten ihn und behinderten Prävention, auch heute noch. „Missbrauch klerikaler Macht, der Umgang mit Sexualität, Zölibat und Beichte, die Kirche muss darüber reden – mit Mut zur Veränderung. Es ist dem Mut der Betroffenen zu verdanken, wenn Licht ins Dunkel kommt.“

14.01 Uhr: zu lasche Sanktionen

Dressing: „Beschuldigte Diözesanpriester werden häufiger als nicht beschuldigte versetzt. Das ist signifikant.“ Die Reaktion der Kirche sei inadäquat gewesen. „Der Schutz von Institutionen und Personen hatte Vorrang vor den Opfern.“

Die Mehrheit der Sanktionen erscheine als zu leicht. Häufig bestehe die Gefahr weiteren Missbrauchs durch die Versetzung innerhalb der Diözese. „Bis zum Abschluss der Untersuchungen hatten nicht alle Kleriker an Präventionsmaßnahmen teilgenommen.“

13.56 Uhr: 28 Prozent pädophil

Weder Homosexualität noch das Zölibat seien alleiniger Grund für den Missbrauch. Das Leugnen und die Unterdrückung der Neigungen und teilweise Homophobie könnten den Missbrauch begünstigen.

Dressing: „Viele Opfer wurden wiederholt missbraucht. Die Missbrauchsdauer zieht sich auf bis zu 20 Monate.“ Bei etwa 28 Prozent der Beschuldigten gebe es Hinweise auf Pädophilie. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen erlebten Missbrauchstaten mit Berührungen. 15 Prozent mit Penetration. „Das sind schwere Taten.“

13.42 Uhr: 38.000 Akten gesichtet, 1670 Beschuldigte

Dressing: „Wir sprechen von Beschuldigten, nicht von Tätern.“

38.000 Akten wurden gesichtet, darunter 1670 beschuldigte Kleriker. Dabei handelt es sich um eine Schätzgröße am unteren Rand. Es gebe ein großes Dunkelfeld. Die tatsächliche Zahl düfte deutlich größer sein.

„Wir gehen davon aus, dass Akten bis Studienbeginn teilweise vernichtet wurden. Die Befunde kann aber niemand in Abrede stellen.“ Die Vernichtung durch die Kirche heiße nicht, dass diese die Interpretation der Studie beeinflusst.

„Wir haben für die katholische Kirche spezifische Strukturen ermittelt, die Missbrauch begünstigen.“ Diakone, die nicht zu Zölibat verpflichtet sind, haben deutlich weniger klerikale Macht. In dieser Gruppe gebe es deutlich weniger Beschuldigte. Es deute darauf hin, dass das an den beiden Merkmalen liegt.

„Die Klerikerzahl nimmt seit Jahren ab, auch die Zahl der Beschuldigten.“ Es gibt Anzeichen, dass die Quote des konstanten sex. Missbrauchs durch katholische Kleriker ein anhaltendes Problem sei. Betroffene seien überwiegend männlich. Das unterscheidet sich vom sex. Missbrauch in anderen Kontexten signifikant, bei denen überwiegend Mädchen betroffen sind.

13.34 Uhr: Keine Infos vorab an Medien

Marx: „Ich fühle bei aller Scham auch Zuversicht, es besser zu machen.“

Harald Dressing, Zentralinstitut Seelische Gesundheit Mannheim: „Aus unserem Forschungskonsortium hat es keine Info vorab an Medien gegeben. Medien haben aber seriös berichtet. Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich der katholischen Kirche haben mich erschüttert.“

Die Studienergebnisse legen nahe, dass es Strukturen in der katholischen Kirche gab und gibt, die sex. Missbrauch begünstigen, zum Beispiel der Zölibat und der Umgang mit Sexualität.

„Wir kommen durch voneinander unabhängigen Quellen zu einer umfangreichen Sichtweise. Aus Datenschutzgründen konnte wir nicht selbst in Kirchenarchive. Wir haben Daten über andere Quellen validiert, zum Beispiel Strafakten.

13.31 Uhr: Marx: „Haben die Opfer nicht gehört“

Kardinal Marx spricht von wichtigem Tag für die katholische Kirche in Deutschland.Bischofskonferenz Missbrauch

„Wir mussten Schritt für Schritt lernen, dass wir lange die Opfer übersehen, nicht gehört haben.“ Man habe selbst nach Skandalen 2010 keine tiefere Sicht gewagt.

Die Studie führe uns vor Augen, dass die Thematik nicht überwunden ist. „Es muss ganz klar gesagt werden, dass sexueller Missbrauch ein Verbrechen ist, dass bestraft werden muss.“ Die Kirche habe zu lange weggesehen. „Ich schäme mich für das Wegschauen und den Missbrauch.“

Marx fragt sich: „Reicht das, was wir tun? Nein, es reicht nicht. Geraden mit Blick auf die Studie.“ Um Priester und Bischöfe zu schützen habe man weggeschaut. „Das haben die Machtstrukturen zugelassen. Als Kirche müssen wir neues Vertrauen aufbauen. Wir haben es bei vielen verloren.“

13.13 Uhr: Gleich geht’s los

Riesiges Medieninteresse! Dutzende Kameras zielen auf das Pult, an dem die Teilnehmer Platz nehmen werden. Die Studie ist fast bibeldick, Hunderte Seiten lang. Resultat von vier Jahren Arbeit. Die großen Sender sind anwesend. Ob öffentlich-rechtliche oder private.Bischofskonferenz MissbrauchBischofskonferenz Missbrauch

Bischofskonferenz MissbrauchBischofskonferenz MissbrauchBischofskonferenz Missbrauch12.30 Uhr: Details zum Bistum Fulda?

Ob die DBK während der Vorstellung der Studie Details zum Bistum Fulda nennt, ist fraglich. Allerdings hat das Bistum für 16.00 Uhr zu einer eigenen Pressekonferenz geladen.

Ab 13.15 Uhr melden wir uns live aus dem Parkhotel Kolpinghaus.

12.19 Uhr: Kardinal Marx spürt Wendepunkt

Wie die Fuldaer Zeitung am Dienstag schreibt, spürt Kardinal Reinhard Marx einen Wendepunkt. Die Kirche fange nicht bei null an. In den vergangenen Jahren habe sie Präventionsarbeit geleistet – aber nicht in allen Bistümern gleich intensiv. „Wir sind noch nicht am Ende der Untersuchungen, wir müssen noch mehr in die Tiefe gehen. Das wird nicht die letzte Studie sein.“

12.10 Uhr: Missbrauchsbeauftragter sauer über Indiskretion

Dass bereits vor der öffentlichen Vorstellung der Studie Ergebnisse durch Medien veröffentlicht wurden, schmeckt dem Triere Bischof Stephan Ackermann überhaupt nicht. Ackermann ist Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs. In einer Pressemitteilung hatte er die Vorabveröffentlichung als „Indiskretion“, „ärgerlich“ und „bedauerlich“ bezeichnet. “Gerade mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs ist die verantwortungslose Vorabbekanntmachung der Studie ein schwerer Schlag”, meint der Bischof.

12.01 Uhr: Kritik am Zölibat

Laut ersten Medienberichten sehen die Studienmacher den Zölibat sehr kritisch. Dieser habe gerade Männer, die ihre eigene Sexualität verdrängen, angezogen. Laut der Studie beurteilen Täter und Nicht-Täter den Zölibat teilweise vollkommen unterschiedlich. Nicht-Täter würden ihn als „Prüfung“ oder „notwendiges Übel“ sehen. Täter hingegen fänden ihn sogar gut.

11.44 Uhr: Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zufrieden

„Ich bin überzeugt, dass die Studie seriös und fundiert ist“, zitiert die Fuldaer Zeitung (25.09.2018) Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der DBK. Marx sagt, er spüre einen Wendepunkt. Zugleich kritisiert er, dass in der katholischen Kirche Machtstrukturen missbraucht würden.

11.32 Uhr: Kritik am Ablauf der Missbrauchsstudie

Wie seriös ist die Studie? Die Frage ist schwer zu beantworten. Die Wissenschaftler hatten keinen Zugriff auf die Archive der Bistümer. Sie konnten lediglich Fragebögen verschicken und die Antworten auswerten. Zudem haben sie mit Tätern, Nicht-Tätern und Betroffenen gesprochen. „Das Ausmaß und die Intensität der Kooperation … variierten allerdings zwischen den Diözesen erheblich“, heißt es in einer durch Medien vorab veröffentlichten Passage der Studie.

11.05 Uhr: Erster Anlauf der Studie gescheitert

Dass die DBK heute eine Studie zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche würde vorstellen können, war vor ein paar Jahren nicht sicher. Damals ist der erste Anlauf zu dieser Studie gescheitert. Der Kriminologe Christian Pfeiffer wollte, dass ehemalige Staatsanwälte und Richter die Archive der Bistümer unter die Lupe nehmen.Den Bischöfen von München und Regensburg habe das nicht gepasst, zitiert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (23.09.2018) Pfeiffer. Die Kardinäle Marx und Müller hätten sich das Recht vorbehalten wollen, Texte der Studie zu verbieten. Der Kriminologe schmiss hin.

Zahlen zur Studie

  • Untersuchungszeitraum 1946 bis 2014
  • 1670 Kleriker als Missbrauchbeschuldigte innerhalb ihrer Kirche aktenkundig
  • das sind 4,4 Prozent aller Kleriker der deutschen Bistümer
  • 3677 Kinder und Jugendliche wurden mutmaßlich zu Opfern
  • die Hälfte ist jünger als 13 Jahre gewesen
  • die meisten sind Jungen
  • ein Viertel Ministranten

Fahrplan 25. September

  • 13.15 Uhr: Vorstellung der Studie durch die Deutsche Bischofskonferenz
  • zwischen 14.00 Uhr und 15.00 Uhr: Interview mit Stadtpfarrer Stefan Buß
  • 16.00 Uhr: Pressekonferenz des Bistums Fulda

Studie: Sexueller Missbrauch in katholischer Kirche (Bericht vom 15.09.2018)

Eigentlich sollten die Ergebnisse der brisanten Studie erst am 25. September an die Öffentlichkeit gelangen. Doch irgendjemand muss ein paar Medien vorab Details zugeschoeben haben. Vier Jahre lang hat das Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim gemeinsam mit den deutschen Bischöfen systematisch sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche untersucht.

Unter anderem die Wochenzeitung Die Zeit machte dem Zeitplan der DBK einen Strich durch die Rechnung. Bereit knapp zwei Wochen vor der Pressekonferenz veröffentlichte sie erste Ergebnisse der Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland.

Ergebnisse der Studie: Sexueller Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche

  • Untersuchungszeitraum 1946 bis 2014
  • 1670 Kleriker als Missbrauchbeschuldigte innerhalb ihrer Kirche aktenkundig
  • das sind 4,4 Prozent aller Kleriker der deutschen Bistümer
  • 3677 Kinder und Jugendliche wurden mutmaßlich zu Opfern
  • die Hälfte ist jünger als 13 Jahre gewesen
  • die meisten sind Jungen
  • ein Viertel Ministranten

Sexueller Missbrauch: Deutlich mehr Täter und Opfer?

Ein Ergebnis der Studie dürfte den Zölibat einmal mehr in ein schlechtes Licht rücken. Demnach werden Diözesanpriester (5,1 Prozent) viel häufiger Täter als Diakone (1,0 Prozent), die heiraten dürfen. Die Forscher legen zudem nahe, dass die tatsächliche Anzahl der Täter und Opfer deutlich höher liegt.

Denn: Alleine die Durchführung der Studie lässt Zweifel an ihrer Aussagekraft aufkommen. Die Bistümer verweigerten den Wissenschaftlern den Zugang zu ihren Archiven. Sie konnten ihnen lediglich Fragebögen senden und die Antworten auswerten. Das hat den Bistümern ermöglicht, unterschiedlich engagiert an der Studie mitzuarbeiten.

Außerdem berichten die Forscher von Aktenvernichtungen. Das schreibt die Süddeutsche Zeitung. In zwei Fällen seien sie systematisch gewesen.

Wissenswertes zur katholischen Kirche

Was ist ein Kleriker?

Ein Kleriker ist Teil des Klerus. Okay, so weit so gut. Und der Klerus? Der Begriff steht für die katholische Geistlichkeit. Dazu gehören Priester und Bischöfe. Sie haben die sakrale Weihe empfangen.

Was ist der Zölibat

Der Zölibat ist das Versprechen katholischer Priester, ein eheloses Leben zu führen. Dieses Versprechen wird häufig als unmenschlich und nicht zeitgemäß kritisiert. Manche Kritiker sehen darin einen Teil der Ursache sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche. Die Journalistin Lydia Rosenfelder fordert in einem Meinungsbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, dass eine Kirche, „der es ernst wäre mit dem Schutz der Kinder vor sexueller Gewalt“, sich unter diesem Aspekt ernsthaft mit dem Zölibat auseinandersetzen müsse.

Dem Trierer Bischof Stephan Ackermann, Beauftragter für Fragen des sexuellen Missbrauchs, schmeckt die Vorabveröffentlichung der Zahlen gar nicht. Als „Indiskretion“, „ärgerlich“ und „bedauerlich“ bezeichnet Ackermann dies in einer Pressemitteilung der DBK. „Gerade mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs ist die verantwortungslose Vorabbekanntmachung der Studie ein schwerer Schlag“, meint der Bischof.

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