In Fulda und Region sind noch über 700 Ausbildungsplätze frei. Eine krasse Zahl. Denn eigentlich hat das Ausbildungsjahr schon am 1. August begonnen. Aber auch viele Jugendliche suchen noch nach einer Ausbildung. Deswegen hat die Bundesagentur für Arbeit zur Last-minute-Lehrstellenbörse eingeladen. Allerdings können nicht mehr alle Jugendliche ihre Traumausbildung finden.

Ein Text von Julia Weber

Der Agentur für Arbeit in Fulda sind derzeit 200 junge Menschen gemeldet, die noch keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben. „Vor zwei Wochen waren es noch 270“, erklärt Ottokar Schwerd, Teamleiter der Berufsberatung. „Die Zahl der Suchenden ist also schon deutlich geschrumpft.“ Leon Hartung gehört zu den Suchenden. Er will Industriekaufmann werden. Leon war schon bei den zwei vorherigen Lehrstellenbörsen dabei. „Am besten wäre es natürlich, wenn es noch dieses Jahr mit einer Ausbildung klappen würde“, erzählt er.

Vergessen, sich zu Bewerben

Ottokar Schwerd hat bei der dritten Ausbildungsbörse mit circa 30 jungen Leuten gerechnet. Gekommen sind über 40. Außerdem sind entgegen Schwerds Erwartung viele Jugendliche da, die noch nicht bei der Agentur für Arbeit waren und dementsprechend noch kein Beratungsgespräch hatten. „Manche Jugendliche hatten einfach vergessen, sich zu bewerben“, sagt er. Andere haben kurzfristig eine Absage von ihrem Ausbilder bekommen. Weitere haben bereits am 1. August eine Ausbildung gestartet, aber direkt gemerkt, dass sie ihnen keinen Spaß macht.

Bei manchen Abiturienten kommt es vor, dass sie keinen Studienplatz bekommen haben. Einige wollen ihr Studium abbrechen, so zum Beispiel Fabian Seidel. Er ist 20 und studiert Lebensmitteltechnologie in Fulda. Fabian sucht nach einer Alternative, hat aber noch keinen konkreten Plan. „Im Labor zu arbeiten, fände ich sehr interessant.“ Er hat die Qual der Wahl. Ein Unternehmer hat zu Schwerd gesagt: „Mittlerweile muss ich mich bei den Auszubildenden bewerben und nicht mehr die Auszubildenden bei mir.“ „Der Bewerber ist der König“, stellt Schwerd fest. „Den Auszubildenden werden sogar Goodies wie Reisen, das neuste iPhone oder eine höhere Vergütung angeworben.“ Mehr zu dem Thema „König Azubi“ kannst du in der 64. move36-Ausgabe lesen.

Ausbildungsstart bis Oktober möglich

In der Region Fulda kommen auf jeden Bewerber zwei Ausbildungsstellen. „Das ist aber nicht in ganz Hessen der Fall. Wir haben hier in der Region eine tolle Situation für junge Leute“, sagt Konrad Kühn, stellvertretender Teamleiter des Arbeitgeberservice. Er erklärte, dass die Unternehmen besonders ausbildungsfreudig seien. „Sie wollen die Fachkräfte der Zukunft selber backen.“ Außerdem herrsche im Kreis Fulda sehr geringe Arbeitslosigkeit, dadurch entstehe ein Fachkräftemangel. „Dem wollen die Firmen durch mehr Ausbildungsplätze begegnen. Deswegen stellen die Firmen, obwohl die meisten Ausbildungen am 1. August begonnen haben, noch bis Oktober Auszubildende ein, “ schlussfolgert Kühn.

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Konrad Kühn und Ottokar Schwerd Foto: Julia Weber

Nach Alternativen suchen

Obwohl noch so viele Stellen unbesetzt sind, ist nicht mehr jeder Traumberuf dabei. So ist es bei Sina. Nach langem Überlegen stand ihre Traumausbildung fest. Sie würde gerne Bauzeichnerin werden. Als ihr das bewusst wurde, war sie leider schon zu spät dran. Sina will sich jetzt umorientieren und hofft darauf noch dieses Jahr mit einer Traumausbildung zu starten.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe sind nach Meinung von Ottokar Schwerd die Verkaufsberufe wie Einzelkaufmann und Verkäufer. Das lässt sich auch in der Börse beobachten. Die meisten Jugendlichen stehen um die Aufstelltafel mit den kaufmännischen Berufen und notieren die für sie passenden Ausbildungen. Allerdings sollten sie hier auch „über den Tellerrand blicken, es gibt viele Ausbildungsberufe, die man gar nicht kennt“, rät Kühn.

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