„Shakespeare in Love“ begeistert seit Beginn der Bad Hersfelder Festspiele das Publikum. Ausgezeichnet mit sieben Oscars ist der Film ein Welterfolg, und feiert in Bad Hersfeld die Premiere als Deutsche Erstausführung. Intendant Jörn Hinkel hat sich damit kein leichtes Stück ausgesucht. Hoch waren die Erwartungen an Regisseur Antoine Uitdehaag, der den Film als Theaterstück in der Ruine inszeniert hat. Die meist ausverkauften Vorstellungen sprechen für sich.

Ein Text von Constanze Gollbach

Der junge, noch unbekannte William Shakespeare (Dennis Herrmann) ist nicht nur knapp bei Kasse, er befindet sich auch in einer Schaffenskrise. Während eines Balls verliebt er sich in Viola Lessep (Natalja Joselewitsch), eine junge Frau, die den Traum verfolgt, Schauspielerin zu werden. Zu Shakespeares Zeiten ein Skandal. Schauspielerei war den Männern vorbehalten, und hatte ein ähnlich schlechtes Ansehen wie Prostitution. Für die Tochter eines Adeligen ein scheinbar unrealisierbarer Traum. Trotz aller Verbote schafft es Viola, verkleidet als Thomas Kent, die Hauptrolle des Romeos in Shakespeares neuem Stück „Romeo und Ethel, die Piratentochter“ zu ergattern. Die Bekanntschaft mit Viola löst nach und nach Williams Schreibblockade. Neu inspiriert vom Liebesrausch, entwickelt sich sein Stück zu dem bekannten „Romeo und Julia.“ Die Premiere vor der Königin ist in Gefahr, als Violas Schwindel auffliegt und das Theater geschlossen wird. Ein Techtelmechtel zwischen Will und seiner Angebeteten scheint das Chaos aus Misserfolg, Konkurrenzkampf und Liebe perfekt zu machen.

Glück im Spiel, Pech in der Liebe

Durch die Hilfe von Burbage (Uwe Dag Berlin), einem konkurrierenden Theaterbesitzer kann das Stück doch noch aufgeführt werden. Will muss kurzerhand als Romeo einspringen. Als die Besetzung der Julia nicht spielen kann, schafft es Viola endlich auf die Bühne. Gegen jede Befürchtung wird das Stück ein Erfolg und begeistert die Königin. Diese kennt sich schließlich wie keine andere aus, wenn es um Frauen in Männerberufen geht. Nach dem Motto: Glück im Spiel, Pech in der Liebe, muss Will seine Geliebte Viola ziehen lassen. Diese wurde, wie es für Frauen üblich war, an einen anderen Mann zwangsverheiratet. Wie in „Romeo und Julia“ bleibt auch hier ein Liebes-Happy-End aus. Shakespeare in Love, zeigt die Geschichte eines jungen Schriftstellers, der zwischen Liebe, Erfolg und Misserfolg sein wohl erfolgreichstes Stück „Romeo und Julia“ auf die Bühne bringt. Gleichzeit wird die Schwierigkeit der Emanzipation im 16. Jahrhundert behandelt. Frauen hatten schlichtweg kaum Möglichkeiten ihre Träume zu verfolgen. Die Rolle der Viola bricht die damaligen gesellschaftlichen Regeln. Regisseur Uitdehaag hält sich, abgesehen weniger Ausnahmen, strikt an das Drehbuch des Films. Selbstinszenierte Szenarien wie eine, zu elektronischer Musik tanzenden Gesellschaft im ersten Akt des Stücks wirkt lustig und gleichzeitig befremdlich. Da Kostüme und Maske dem 16. Jahrhundert angepasst sind, scheint das Sicherheitspersonal im Anzug und Sonnenbrille fehl am Platz.

“Manche Zeilen bringen mir selber Tränen in die Augen”

Die Schauspieler schaffen dennoch den Spagat zwischen Comedy und ernsthafter Romantik. An den richtigen Stellen wurde gelacht oder gespannt zugeschaut. Herrmann und Joselewitsch spielen ihre Rollen mit viel Spaß und Leidenschaft. Die beiden Schauspieler wechseln dabei ohne Probleme zwischen den verschiedenen Charakteren. Intime Szenen der Verliebten wirken vertraut und echt. Ein besonderes Highlight ist die Border-Collie-Hündin Ginger. Königin Elisabeth soll damals ein Fable für Hunde im Theater gehabt haben. Uitdehaag hat sich das zu Herzen genommen und die Hündin in sein Stück mit eingeplant. Besonders die Verbeugung am Ende des Stücks, die sie mit Bravour meisterte, lässt die Zuschauer schmunzeln. Immer an ihrer Seite, Frauchen Gabi Ruß. Für beide war es die erste Rolle im Theater. Intendant Jörn Hinkel zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf der Vorstellungen. Die Erwartungen an das Stück wurden durch gute, schauspielerischen Leistung und der Arbeit hinter den Kulissen erfüllt. Zu dem Schriftsteller Shakespeare hat Hinkel übrigens eine ganz besondere Meinung: „Das Genie Shakespeare ist nicht das was, sondern wie er etwas sagt. Manche Zeilen bringen mir selber Tränen in die Augen, weil sie so unglaublich großartig und wundervoll geschrieben sind“ Seit dem 20. Juli läuft „Shakespeare in Love“ bei den Bad Hersfelder Festspielen. Die Hauptrollen Viola Lessep und William Shakespeare werden von Natalja Joselewitsch und Dennis Herrmann gespielt. Beide wurden mit dem großen Hersfeldpreis 2018 ausgezeichnet. Wir hatten die Möglichkeit, den Schauspielern ein paar Fragen zu stellen.

Natalja, erkennst du dich in der Rolle der Viola wieder?

Natürlich verbindet mich mit der Rolle der Wunsch, Schauspielerin zu werden. Aber auch die Sehnsucht nach mehr. Und das ganze Flirten und Verliebtsein, das kennt ja jeder von sich. Die Rolle war an sich sehr interessant. Ich hatte das Gefühl, vier Rollen gleichzeitig zu spielen. Das findet man selten bei einer klassischen Frauenfigur.

Lastet ein bestimmter Druck auf euch, weil ihr in einer Erstaufführung mitspielt, die als Film ein Welterfolg war?

Dennis: Druck ist immer ein bisschen vorhanden. Aber während des Spielens, hat man keine Gedanken an Druck oder Angst, dass etwas schiefgehen könnte. Natalja: Außerdem haben wir großes Glück mit dem Ensemble. Da ist das ganze Gefühl gleich besser.

Dennis, wie kamst du zu der Rolle des Romeo?

Eigentlich durch einen Freund. Ich habe dann einfach vorgesprochen und während der Proben dann richtig erkannt, dass das ein Stück ist, was auf die Bühne gehört. Die ganze Handlung ist total Shakespeare. Man taucht in die Rolle von Will und gleichzeitig in die des Romeo ein. So entwickelt sich ein Stück im Stück. Das Leben von Romeo parallel zu dem von Shakespeare. Das ist eine Rolle, die jeder mal spielen will.

Natalja Joselewitsch und Dennis Herrmann während des Interviews.

Nehmt ihr das Publikum während der Vorstellungen wahr?

Natalja: Ich nehme das eigentlich kaum wahr. Meistens ist man so auf das Spielen konzentriert, dass alles andere ausgeblendet wird. Nur als es so heiß war und das Publikum sich immer Luft zugefächelt hat. Das sah aus wie ein aufgeschreckter Bienenschwarm. Dennis: Ich nehme das Publikum eigentlich immer wahr. Manchmal gucke ich auch absichtlich, wie die Reaktionen der Leute sind. Das ist ganz lustig.

Und wie ist euer Eindruck von der Region?

Der ist echt gut. Wir fühlen uns auf jeden Fall wohl.

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