Ein ungleiches Paar erlebten die Fuldaer gestern auf dem Domplatz: Weltstar Sting und Reggae-Rapper Shaggy begeisterten die mehr als 8500 Besucher. Pop und Reggae vereinten sich zu einem ganz besonderen Musikerlebnis.
Von Bernd Loskant

Sting und Shaggy. Roxanne trifft Carolina. Englishman meets Mr. Boombastic. Der eine 66, kaum gealterter Weltstar mit Dutzenden Hits, der andere fast 20 Jahre jünger, Reggae-Rapper mit ein paar Partykrachern im Repertoire und Nominierter für den schlechtesten Song 1998. Wie passt das auf einer Bühne zusammen? Meistens überraschend gut, wie auch viele der mehr als 8500 Besucher auf dem Fuldaer Domplatz finden. Die Songs der beiden verschmelzen zu einem leicht tanzbaren Pop-Reggae-Mix, ohne dass auch nur einer der Sting-Klassiker seine Seele verliert. 20.20 Uhr. Es ist taghell, als die beiden die riesige vor dem Dom aufgebaute Bühne betreten. Der Opener weist den Weg: „Englishman in New York“ atmet den Geist von Bob Marley, und Shaggy trällert, so als hätte der Songtitel nie anders gelautet: „Yeah, I’m a Jamaicaman in New York“. Auch die, die vorher zweifelten, ob der ehemalige Frontman von Police und Shaggy als Duo etwas taugen, sind positiv überrascht. Fulda jubelt, grölt, tanzt. Nur die mit den Sitzplätzen auf den Rängen brauchen etwas länger.

Ein Ohrwurm jagt den nächsten

Sting war in seiner Kindheit Messdiener und ging auf eine Jesuitenschule. Liegt es daran, dass er sich vor der besonderen Kulisse von Dom und Michaelskirche pudelwohl zu fühlen scheint? 90 Minuten gönnen er und Shaggy dem Publikum an diesem lauen Sommerabend kein einziges Päuschen. Während die (auch etwas älteren) Rolling Stones inzwischen nach jedem Song kurz durchatmen, jagt bei den beiden ein Ohrwurm den nächsten: „Message in a Bottle“, „Fields of Gold“, „Shape of my Heart”, „So lonely”. Shaggy ist mit seinen paar Hits, die sich an einer Hand abzählen lassen („Oh Carolina“, „Hey Sexy Lady“, Strength of a Woman“ und „Angel“), musikalisch unterrepräsentiert, dafür setzt er auf andere Qualitäten. Während Sting in die Musik versunken ist, gibt Shaggy den Showman, heizt das Publikum immer wieder an. So sind die Rollen klar verteilt: das etwas introvertierte Supertalent aus Großbritannien und der Gute-Laune-Maker aus Jamaika. Shaggy ruft „Fulda, clap your hands“ und plaudert immerhin aus, dass er an diesem Tag eigentlich Hochzeitstag feiert und nach dem Konzert mit seiner Frau noch etwas vorhat. Manchmal wuselt er ein bisschen zu heftig um Sting herum und mischt sich zu sehr in dessen Songs ein, doch das ist schnell verziehen. Als er „Roxanne“ mit „Boombastic“ unterbricht und Sting anschließend so, als wäre nichts gewesen, mit seinem Song weitermacht, gilt der frenetische Applaus beiden.

Mit Videoleinwänden wäre es noch besser

Die Songs, die Sting und Shaggy zusammen geschrieben und im April auf dem Album „44/876“ (nach den Vorwahlen ihrer Heimatstaaten) veröffentlicht haben, bleiben an diesem Abend in der Minderheit. Vermisst werden sie nicht. Theatralisch wird es, als Shaggy in dem gemeinsamen Song „Crooked Tree“ als Richter mit weißer Perücke auf der Bühne erscheint und Sting als Ganove in gestreifter Sträflingskleidung. Doch diese Szene verpufft, denn sie bleibt den meisten Besuchern, die keine teuren „Front of Stage“-Tickets haben, verborgen. Leider gibt es auf dem Domplatz keine Videoleinwände. Für die Zugabe dreht die ganze Band nochmal richtig auf: „Desert Rose“ und der Police-Klassiker „Every Breath you take“ scheinen der krönende Abschluss zu sein, doch es kommt noch besser: Als viele schon den Domplatz verlassen, kehren Sting und Shaggy nochmal auf die Bühne zurück und verabschieden sich um 22.11 Uhr – gerade erst ist es dunkel geworden – mit einer atemberaubend schönen Version von „Fragile“. Zwei Tage zuvor hatten die beiden in Cannes gespielt, von Fulda aus reisen sie weiter nach Füssen. Und Fulda rüstet sich für a-ha, die am heutigen Freitagabend den Domplatz rocken. Wer das Konzert erleben möchte und noch keine Tickets hat: Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.