Jetzt doch: Schokoladen-Laden kommt ins „Bermudadreieck“

Es gibt Neuigkeiten im „Bermudadreieck“: In die ehemalige Galerie „Zum Kleinen Mann“, die fast drei Jahre leer stand, zieht ein Schokoladen-Laden. Der Thüringer Süßwarenhersteller Viba Sweets eröffnet eine Filiale in der Barockstadt. Fulda-Kenner werden jetzt sagen: Da war doch was? Wollten die nicht schon mal in die Immobilie einziehen? Richtig, und genau deshalb wirft die Nachricht auch Fragen auf.

Der „Kleine Mann“ war eine Institution in Fulda – bis Ende 2015. Dann verschwanden die markanten  bunten Geschenkartikel aus den Regalen in dem prachtvollen Gebäude in der Kanalstraße 76, und irgendwann sah man durch die große Schaufensterfront nicht mal mehr leere Regale. Es folgten viele Gerüchte, Ankündigungen, und nichts passierte. Vor zwei Jahren dann sollte endlich wieder Leben in die Bude einziehen – Viba Sweets plante ein Geschäft, aber auch ein Café und ein Schokoladenmuseum. Doch Wochenendöffnung und ein gastronomisches Angebot lässt der Bebauungsplan der Stadt Fulda nicht zu. Eine weitere Ausnahme wollte die Stadt in dem Gebiet, in dem so mancher Einzelhändler seine Gäste auch bewirtet, nicht machen. Also gab Viba die Pläne wieder auf.

Viele Gerüchte waren im Umlauf

Im Sommer 2017 brodelte erneut die Gerüchteküche. Florjan Kamberi, Geschäftsführer der Seven Days GmbH, kündigte an, in der Immobilie einen Feinkostladen zu eröffnen. Doch daraus wurde nichts, denn auch er scheiterte an den strikten Regeln des Bebauungsplans, die ihm ein gastronomisches Angebot untersagten.

Wenn es jetzt eine Lösung gibt, dann also nur ohne Café. Doch die Pläne von Viba sehen genau das vor. „Wir wollen dort einen Süßwarenladen mit Café eröffnen, am besten schon im August“, erklärt Benjamin Venter, der bei der Thüringischen Firma für die Expansion zuständig ist. Bei der Stadt Fulda ist allerdings von einem Antrag auf Genehmigung eines Cafés nichts bekannt, wie Pressesprecher Johannes Heller erläutert.

Die Nachbarn freuen sich

Immerhin: Die Freude bei den Nachbarn ist – überwiegend – groß. „Als wir die Info bekommen haben, dass der Mietvertrag steht, ist uns allen ein Stein vom Herzen gefallen“, erzählt Mathias Gerhard, erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Das Herz der Altstadt“ und Betreiber des Outdoorladens „Auf und davon“. „Zwei Jahre haben wir dafür gekämpft, dass der Leerstand ein Ende hat.“ Er freue sich auf den zukünftigen Nachbarn Viba. Die Werbegemeinschaft sehe keinerlei Konkurrenz in dem Thüringer Nougatgeschäft, denn die zunehmende Frequenz im „Bermudadreieck“ täte allen gut. Zudem sei Viba eine „angenehme, wertige Sache und kein Ein-Euro-Shop oder die nächste Dönerbude. Deshalb sind sie uns sehr willkommen.“

Einer sieht das jedoch anders: Bernd Lembach, Inhaber von „Lembachs Café und Konditorei Marzipan & Trüffel“ direkt gegenüber, ist stinksauer, weil er starke Konkurrenz wittert. Aber er fühlt sich auch getäuscht. Der Eigentümer der Immobilie „Zum kleinen Mann“, Matthias Heurich, habe ihm in die Hand versprochen, dass er nicht an Viba vermiete. „Da sieht man, wie das läuft.“ Er führe ein kleines Familienunternehmen, Viba dagegen sei ein großer Player. Fulda habe jetzt schon ein Überangebot an kleinen Cafés. „Das war bisher okay, aber wir brauchen doch keine Kette aus dem Osten. Er hätte bestimmt auch einen anderen Mieter gefunden, und wenn er mir dann so in den Rücken fällt, tut das richtig weh.“

move36 hat Eigentümer Matthias Heurich mit den Vorwürfen konfrontiert. „Ja, es ist richtig, dass ich Herrn Lembach das zugesichert habe, allerdings hatte ich die Zusage auf ein Jahr begrenzt und mich daran gehalten“, kontert er. Außerdem könne auch Lembachs Geschäft mit zunehmender Besucherfrequenz profitieren, wenn man etwas aufgeschlossener der Neuansiedlung mittelständischer Betriebe entgegenblicken würde. Die Entscheidung für Viba habe er in enger Abstimmung mit der Stadt Fulda getroffen, sagt Heurich. Auch die Diskussion um den Bebauungsplan sei hinfällig, da er die Immobilie nicht an eine Kneipe, sondern an eine Schokoladenmanufaktur vermietet habe. „Natürlich wird man dort auch etwas trinken können, aber das steht nicht im Vordergrund. Dementsprechend beantragen wir aber auch eine Sondernutzungserlaubnis, und es wird angepasste Öffnungszeiten geben.“ Das heißt: Schokolade wird man in dem Geschäft kaufen können, ob man dort einen Kaffee trinken kann, muss noch die Stadt Fulda entscheiden.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

Fehlerbericht

Der folgende Text wird anonym an den Autor des Artikels gesendet: