Dieses Wochenende haben Tausende wieder bei Rock im Park in Nürnberg ordentlich abgerockt. Rund 70 Bands traten von Freitag bis Sonntag auf dem Festival auf. Die Stimmung vor allen drei Bühnen war Bombe – genauso wie das Wetter. Trotz angesagten Gewitters und Regen. Die besten Voraussetzungen also für ein gelungenes Festival.

Ein Text von Lorena Zapke

Die Anfahrt nach Nürnberg zu Rock im Park war anstrengender als gedacht. Da das Festival sich mitten in der Großstadt befindet, ist es zusätzlich schwierig, einen Parkplatz zu finden. Alles völlig überfüllt und viele abgesperrte Straßen rund um das Festivalgelände. Endlich angekommen, muss ich wie üblich bei einem Festival noch Kilometer weit laufen, bis ich den Campingplatz erreiche. Allein hätte ich das wohl nie geschafft. Zum Glück sind  Festivalgänger immer hilfsbereit. Schließlich steht mein Zelt, und neben mir auf dem Weg werden schon die ersten Runden Flunkyball gespielt. Ich sitze in meinem Campingstuhl und sauge begierig das Festivalfeeling ein: lockere Gespräche, man isst und trinkt zusammen, zockt Trinkspiele und keinem mangelt es an Einfallsreichtum gerade, wenn es um witzige Kostümierungen geht.

Witzige Kostüme sind ein Muss auf jedem Festival

Eine dieser verrückten Ideen hatten auch zwei Jungs aus Leipzig, beide 22. Sie überlegten sich jeweils ein Kostüm und ein dazu passendes Trinkspiel für den anderen, zum Teil mit Hilfe einer Spende aus dem Zentraltheater. Sie nannten sich „Der Gamemaster und die haarige Kurtisane“.

Der Gamemaster hat für sein Trinkspiel einen großen Schaumstoff-Würfel und fordert vorbeilaufende Festivalbesucher zum Würfeln auf. Sechs Augen, sechs Schlücke. Die haarige Kurtisane hingegen hat einen Hut auf, der im Grunde aus einem kleinen Basketballkorb besteht. Wenn jemand mit einem Tischtennisball hinein trifft, muss die haarige Kurtisane drei Schlücke trinken. Es gibt noch einige Spielabwandlungen, die sie sich im Laufe des Festivals überlegt haben.

Ich gehe weiter zum Hauptweg der Parkanlage Richtung Festivalgelände. Heiteres Treiben. Ich war bereits zweimal bei Rock am Ring, aber durch die weitläufigere Anlage kam es hier nie zu einem derartigen Aufeinandertreffen. Durch die Wege der Parkanlage kommen alle verrückten Festivalbesucher zusammen. Kurz darauf treffe ich auf „Arielle die Bierjungfrau“ mit ihrem Dreizack aus leeren Bierdosen und „den Sicherheitsbeauftragten von Rock im Park, der auf den Pegel schaut“, er hat einen selbstgebastelten Sicherheitshelm auf. Die beiden sind in Begleitung von „Trichter Alexander“, der eine nackte Schaufensterpuppe auf den Rücken geschnallt hat, die zu einem Trichter umgebaut ist.

Ebenfalls interessant anzuschauen sind zwei Männer, die sich aus schwarzem Klebeband eine Kamera und ein Mikrofon gebaut haben und nun die umherlaufenden Menschen interviewen. Eine wirklich witzige Idee!

Kurz vor dem Festivalgelände steht eine Frau in Polizeiuniform und einer Schärpe um mit der Aufschrift „Die Promille-Streife“. Sie gehört zu der Firma DPS (Die Promille-Streife) und kontrolliert den Festivalbesucher Lars auf seinen Alkoholpegel. Lars hat 1,82 Promille. Er bekommt einen ausgefüllten Schein mit seinem Promillewert und noch ganz viel Spaß gewünscht. Ach, wenn doch nur alle Promillestreifen so wären.

Auf dem Festivalgelände

Rock im Park war sogar ein besonders gutes Publikum, heißt es seitens der Bands Die Antilopen Gang und Thirty Seconds To Mars. Besser als bei Rock am Ring, lobten sie das Publikum. Tatsächlich war die Stimmung während der Konzerte gigantisch, und Künstler wie Casper und Thrity Seconds To Mars haben ganz allein und ohne jegliche Specialeffects die Menschenmenge noch mehr zum Toben gebracht.

Der Sänger von Thirty Seconds to Mars, Jared Leto, hat ordentlich Power gegeben.

Ich war schon auf einigen Festivals und Konzerten, aber so gute One-Man-Shows, die die Menge dermaßen mitreißen, habe ich noch nie zuvor gesehen. Die Leute tanzen, singen, schreien. Die Headliner am Freitag, die Foo Fighters, sind grandios. Gerade die Bandmitglieder Dave Grohl und Taylor Hawkins beweisen, dass sie absolute Allrounder sind, indem sie sich beim Schlagzeugspielen und Singen abwechseln. Dave Grohl spielte außerdem auf der Rhythmusgitarre. Aber auch Snow Petrol reißt mich mit, mehr als ich erwartet hätte. Die Gefühle der Fans schwanken zwischen Gänsehautfeeling und heiteren Lachanfällen. Und auch der Sänger Gary Lightbody kommt aus dem Grinsen nicht mehr heraus, nachdem die gesamte Security zu einem der Songs eine Karavane veranstaltet und ein Fan ein Schild mit der Aufschrift „I’ve fucked to your Songs“ hochhält. Der letzte Act, den ich sehe, ist Muse, die nochmal zeigen, was das Rock in Rock im Park bedeutet. Sie legen eine atemberaubende Show hin, zu der die ganze Menge ausrastet. Der Sänger und Gitarrist Matthew Bellamy spielt sogar mit seiner Zunge über ein Touchscreen auf der Gitarre und zerstört kurz später eine E-Gitarre auf der Bühne.

Trotz der ganzen Energie und des Rock’n’Roll ist es nach den Konzerten auf dem Campingplatz verhältnismäßig ruhig. Ein paar sitzen in Campingstühlen auf dem Parkweg und haben mit Leuchtstäbchen Figuren auf den Boden gelegt. Dazu spielt jemand auf der Gitarre. Es wird weiter getrunken und gefeiert. Tagsüber wieder Flunkyball auf den, eine Truppe hat gar einen extra Bierpong-Tisch mitgebracht. Und so wie es sich für ein Rock-Festival gehört, fliegen in den Moshpits nur so die Fetzen. Dabei wird ein Kreis in der Menge ausgebreitet und auf den Beat der Musik stürzen sich alle gleichzeitig hinein.

Die Fuldaer Truppe bei Rock im Park

Fuldaer trifft man überall. Mein Zelt steht einfach irgendwo auf dem großen Campingplatz. Wie sich nach kurzer Zeit herausstellte, ist mein Irgendwo in unmittelbarer Nachbarschaft von einer 20 köpfigen Truppe aus Fulda. Am letzten Tag des Festivals frage ich sie, wie ihre Eindrücke von Rock im Park 2018 sind.

Antonia Dörr, 21, aus Künzell war schon zwei Mal bei Rock im Park und empfand es dieses Jahr ein wenig unorganisierter als letztes Jahr. Sie kritisiert, dass die Gruppe am Donnerstag bei Ankunft drei Stunden vor dem Campingplatz anstehen musste, bis sie endlich an der Reihe waren und reindurften. Aber dennoch gefiel ihr das Line-up ganz gut, ihr persönliches Highlight waren die Foo Fighters. Dave Grohl, der ehemalige Drummer von Nirvana, ist für sie eine wahre Legende und darum hat sie sich wahnsinnig gefreut, ihn endlich mal live gesehen zu haben.

Dave Grohl, der ehemalige Schlagzeuger bei Nirvana, hat mit den Foo Fighters der Menge eingeheizt.

Antonia Schäfer (22) und Dirk Hillenbrand (25), ebenfalls aus der Fuldaer Gruppe, erzählten, dass sie schon drei bis vier Mal bei Rock im Park waren. Damals sind sie zu fünft hergefahren, mittlerweile sind daraus 20 geworden. Antonia S. meint, es sei zwar sehr schön mit einer so großen Gruppe zu einem Festival zu fahren, aber dadurch wird die Planung immer chaotischer. Leider geschah ihnen dieses Jahr direkt nach Ankunft ein kleines Unglück. Auf dem Campingplatz hatten sie nur kurz ihre Taschen unbeaufsichtigt zurückgelassen, um noch mehr Campingausrüstung zu holen. Danach war Dirks Tasche geklaut. Er musste tatsächlich noch mal bis nach Fulda zurückfahren, um neue Kleidung zu holen. Von so einem schlechten Erlebnis haben sich die beiden aber nicht unterkriegen lassen und weiterhin das Festival genossen. Ihr Highlight dieses Jahr bei Rock im Park war das Crowdsurfing, das sie dieses Jahr innerhalb eines Songs gleich zwei Mal geschafft haben. Das war ihr persönlicher Rekord.

Dass es dieses Jahr keinen zehn Euro Müllpfand gab, dafür aber die Karte teurer war und sowohl die Duschen, als auch die Toiletten teurer geworden sind, bemängelt die Gruppe zwar, aber auch davon lässt sie sich nicht beirren. Dieses Festival-Wochenende war für alle wieder eine tolle Zeit und wie auf dem ganzen Parkweg wird auch hier wieder fleißig Flunkyball gespielt. Na dann, viel Spaß!

Hast du übrigens keine Bluetooth-Box für die musikarmen Stunden beim Festival auf dem Campingplatz, haben wir hier eine kleine Idee für dich: einen Musikverstärker aus einer Klorolle.

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