„Man kann nicht hassen, wenn man lacht“

Johnny Armstrong ist „Gnadenlos“, gnadenlos lustig. Der Veteran der Londoner Comedy-Szene tourt aktuell mit seinem Programm „Gnadenlos“ durch ganz Deutschland und stoppt am Samstag, 28. April um 20:00 Uhr im Kulturkeller in Fulda. In seinem Programm beleuchtet der heutige Wahl-Berliner die Unterschiede zwischen Briten und Deutschen oder erzählt, mit welchen Schwierigkeiten er „nach seiner Flucht“ von der Insel zu kämpfen hatte. Wir haben im Vorfeld mit ihm über sich und seine Kunst gequatscht.

Eines deiner Markenzeichen ist dein Bart. Wie pflegst du ihn?

Mit dem Blut von Jungfrauen. Leider gibt es in Fulda keine, deshalb bringe ich meine eigene aus Sachsen mit. Ich öle ihn auch, damit er nicht quietscht.

Du hast Maschinenbau studiert, aber hast dich dann dazu entschieden, Comedian zu werden. Wie kam das?

Das war genau andersrum. Ich wollte Komiker werden und musste studieren, um was „Anständiges“ zu machen. Ich habe in der Grundschule schon die ersten Sketche gemacht, und mein Traum war es damals, Comic-Zeichner zu werden. Also schon immer lustig – aber vorher das Studium, damit meine Mutter beruhigt ist.

Wie viel echter Johnny Armstrong steckt in deiner Bühnenfigur?

Vielleicht ein Drittel. Ich bin tollpatschig, ein bisschen Versager und derb. Das ist alles mein Humor. Die Prämisse ist echt, aber ich übertreibe extrem.

Bevor du in Deutschland deinen Durchbruch hattest, warst du auf Bühnen unterwegs. Erzähl mal.

Das war ich und zudem äußerst unerfolgreich in England. Ich habe immer gedacht, du musst von einem Agenten entdeckt werden. Aber so läuft das nicht. Man bewirbt sich eigentlich mit einer Mail mit Lebenslauf und einem Video bei Agenturen, und dann kommt vielleicht jemand, um dich anzuschauen.

2008 habe ich grade meine Doktorarbeit geschrieben, weil ich dachte, als Dozent kann ich zumindest vor Studenten performen. Das habe ich dann aber abgebrochen und meinen Job für die Kunst geschmissen. Ich bin nach London gezogen und dort bei vielen Open Mics und kleineren Shows aufgetreten. Hartes Pflaster!

Und dann ging es nach Deutschland?

Ein Freund hat mir erzählt, dass ich in Deutschland deutlich bessere Chancen hätte. Die Sprache konnte ich zum Glück schon, weil ich von 2001 bis 2006 in Baden-Württemberg und Oberbayern gearbeitet habe. Die ersten 18 Monate habe ich hier mit Couchsurfing verbracht. Dann kam die erste Profigage und damit auch die eigene Wohnung. Seitdem lebe ich von der Comedy. 

Gibt es tatsächlich einen humoristischen Unterschied zwischen Engländern und Deutschen?

Nein, eigentlich nicht. Humor ist hier genau so schwarz und allgemein Geschmacks-Sache. Hier machen viele das „Mann-Frau-Ding“ das mögen die Engländer zum Beispiel gar nicht. Der Britische Humor ist eher kindisch, ziemlich unreif, peinlich und bescheuert. Vor einiger Zeit wurde ein Flugzeug entführt und die Leute an Board als Geiseln genommen. Ein Engländer hat ein Selfie mit dem Entführer gemacht und das gepostet. Das beschreibt den englischen Humor ganz gut.

Johnny Armstrong „Gnadenlos“

VVK:17,50 Euro
AK: 20,00 Euro
Einlass: 19:30 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Ort: Kulturkeller Fulda – Jesuitenpl. 2, 36037 Fulda
Tickets gibt es hier.

Hast du für Deutschland neue Gags geschrieben?

Jein. Ich mag am liebsten die Gags, die ich auf deutsch und englisch machen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hier Wurzeln schlagen möchte. Deshalb wäre ein englisches Programm, mit dem ich auch nach Amerika gehen kann, toll.

Du vertrittst den feinen schwarzen britischer Humor, eckst du damit im sensiblen Deutschland nicht auch manchmal an?

Nicht nur hier, auch in England. Ab und zu kommen Leute zu mir und sagen: „Mit diesem Humor wirst du niemals Erfolg haben“. Vielleicht ist mein derber Humor auch unreif. Aber ich möchte einfach unterhalten, und dass die Zuschauer die Show genießen.

Möchtest du bewusst provozieren?

Nein, nur wenn ich das Publikum damit zum Lachen bringen kann.

Was möchtest du als Künstler deinem Publikum sagen?

Ich habe nicht unbedingt eine Message und bin nicht am Predigen. Ich erwähne Themen, die mir wichtig sind, wie zum Beispiel Krebsvorsorge.

Kleine Bühne oder große Bühne. Was ist dir lieber und warum?

Definitiv die großen Bühnen. Weil, wenn die Leute lachen, ist es ansteckend, und es kommt in großen Wellen. So entsteht richtige Party-Atmosphäre.

Die Diskussion um Farid Bangs und Kollegahs geschmacklose Lied-Zeilen beim Echo hat große Wellen geschlagen und dafür gesorgt, dass der Preis abgeschafft wurde. Wo hat Humor für dich eine Grenze?

Humor hat keine Grenze. Ich muss vorsichtig sein was ich sage, damit man es nicht falsch versteht. Ich denke, was Farid Bang und Kollegah getan haben, ist Volksverhetzung. Das geht nicht, das ist hasspredigend und nicht lustig. Aber wenn es um Humor geht, ist alles erlaubt. Damals schon war der Hofnarr der Typ, der sich alles erlauben durfte, weil er zu nichts angestiftet hat. Humor beruhigt, man kann nicht hassen, wenn man lacht.

Dein Programm heißt „Gnadenlos“. Warum?

Es heißt „Gnadenlos“ wegen der hohen Gagdichte, und weil es auch unter die Gürtellinie geht. Aber keine Hassrede, einfach lustig.

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