How to Start-up: Drei Fuldaer gründen Misterraw

Drei BWL-Studenten, eine Idee. So fing alles an. Die Fuldaer Kelvin Everest, Tayabb Qasir und Matios Istefanos aus Frankfurt gründen ein Start-up. Ihr Ziel: ein eigenes Lifestyle-Portal mit Onlineshop für natürliche Nahrungsergänzungsmittel und regionale Superfoods, Motivationstipps und Trainingspläne. Wie man vorgeht, um das zu erreichen, haben sie uns erklärt.

Kennengelernt haben sich die drei während ihres Studiums. Matios, 29, der Gesundheitsfreak in der Gruppe, habe Tayabb erst auf Superfoods aufmerksam gemacht. „Ich hatte damals leichten Bluthochdruck. Matios hat mir Spirulina und OPC empfohlen. Nach ein paar Wochen habe ich mich fitter gefühlt, mein Blutdruck sank“, erinnert sich Tayabb.

Die beiden spannen die Idee, selbst natürliche Nahrungsergänzungsmittel zu vermarkten. Um den gesamten Healthy-Lifestyle-Bereich abzudecken, suchten sie nach jemandem, der die sportliche Seite vertritt. Über Instagram wurde Tayabb auf Kelvin aufmerksam, der zwei Jahre später sein Studium begann. Kurz darauf sprang der 22-Jährige auf den Zug auf.

Von der Theorie zur Praxis

Mittlerweile stehe das Start-up Misterraw der drei Jungs in den Startlöchern. Das Gewerbe sei angemeldet, die Händler ausgewählt und die Etiketten für ihre Produkte auf dem Prüfstand. „Sobald die Proben durch und die Label rechtlich abgesichert sind, können wir in die Produktion gehen.“ Die Aufgaben seien klar verteilt: Tayabb kümmere sich um steuerrechtliche Fragen, Matios sei fürs Marketing zuständig, Kelvin für Trainingspläne und Fitnesstipps.

Der Weg dahin sei nicht immer einfach gewesen. „Bevor du mit einer Idee an den Markt gehst, solltest du dir zuerst mal überlegen, ob sich das Ganze rentiert“, sagt Matios. „Werden meine Produkte auch in zwei Jahren noch gefragt sein?“ Wenn ja, folgt die Frage der Finanzierung: Nehme ich einen Kredit auf, oder starte ich mit meinen Ersparnissen? „Wir haben uns gegen Investoren entschieden, weil wir auf eigenen Beinen stehen wollen“, erklärt Tayabb. Das wiederum wirke sich auf die weiteren Fragen aus: Welche Händler passen zu mir und meinen Preisvorstellungen? Welche Mengen bestelle ich? Wie lasse ich die Produkte abfüllen?

Bevor es aber überhaupt an die Händlersuche geht, müsse man ein Gewerbe anmelden, berichten die angehenden Jungunternehmer. „Das ist der erste Schritt von der Theorie in die Praxis.“ Dass der Gewerbeschein bei der Suche nach passenden Verkäufern unverzichtbar ist, hätten die Jungs selbst erst lernen müssen. „Wir wussten nicht, dass wir bei Anfragen die Steuernummer mitschicken müssen und wurden dann von einigen Unternehmen darauf hingewiesen. Bis dahin kamen nur Absagen“, sagt Tayabb. Learning by Doing eben. Und er verrät: „Wenn das Gewerbe angemeldet ist, kommt erstmal richtig viel Post: Alle wollen wissen, was du machst.“

Kleinigkeiten, die dir das Genick brechen können

Über potenzielle Händler informiert hätten sich Tayabb, Kelvin und Matios auf Messen und über werliefertwas.de – „sozusagen das Google für Lieferanten“. Wichtig bei ihrer Suche: Produkte in Bioqualität und Lieferung aus Deutschland. Drei Händler seien in die nähere Auswahl gekommen. „Manche fielen auch raus, weil sie nur ab bestimmten Mengen liefern.“

Dann sei es an die Verpackungswahl gegangen – aus natürlichen Rohstoffen, kein Plastik, so die Idee. Es folgten Fragen über die Abfüllung und den Bestand: Wie viel und wie schnell können wir nachliefern, sobald erste Bestellungen eingegangen sind? Wie sind die Lieferzeiten? Welche Schwierigkeiten können auftreten?

Neben der Produktorganisation bauten die Jungs ihre Webseite auf. „Dazu haben wir uns jetzt knapp einen Monat mit rechtlichen Fragen beschäftigt“, sagt Tayabb. „Impressumspflicht, Cookies, Widerrufsbelehrung: Das alles sind Dinge, die dir das Genick brechen können.“ Die drei hätten viel mit Ämtern telefoniert, Hilfe von Freunden, Kommilitonen und Familie angenommen. „Und natürlich hatten wir auch aus dem Studium schon Background-Wissen“ – mitunter, dass eine eigene Homepage wie eine Visitenkarte sei, sagt Tayabb. „Es gibt etliche vorgefertigte Baukastenprinzipe“, weiß der Fuldaer. Will man sich davon abheben, sei es von Vorteil, wenn man sich ein wenig mit Programmieren auskennt.

Was dann noch aussteht? Werbung. Neben der Nutzung von Online-Plattformen kämen für die Jungs dazu Kooperationen mit Fitnessstudios in Frage, sagen sie. Aber so weit seien sie jetzt noch nicht.

Wem gehört der Quellcode?

„Das Wichtigste, wenn man ein Unternehmen gründen will, ist, voll hinter seinem Produkt zu stehen“, resümiert Matios. Nur das sei authentisch. Und natürliche gehöre Mut dazu. „Man darf sich nicht scheuen, zu fragen.“ Aus Fehlern müsse man lernen: Bei der Einrichtung ihres Firmenkontos zum Beispiel hätten die Jungs zuerst ein Konto mit ausländischer BIC gewählt. Das sei ihnen erst später aufgefallen. „Wichtig ist, dass man sowas nicht als Stress sieht.“

Gründet man im Team, müsse man sich genau überlegen, wen man sich ins Boot holt, findet Tayabb. „Vertrauen ist wichtig.“ Das sagt auch Christoph Burkard, Geschäftsführer der Region Fulda GmbH – „gerade im IT-Bereich“. Der rechtliche Rahmen müsse stimmen und die Eigentumsverhältnisse klar geregelt sein: Wem gehört zum Beispiel der Quellcode?

Auch wenn dabei erst mal mehr Fragen geklärt werden müssen, sei es laut Burkard von Vorteil, im Team zu gründen: „Viele Gründungen scheitern daran, dass sie Einzelgründungen sind.“

Burkard habe zudem die Erfahrung gemacht, dass es vielen Jungunternehmern an Demut fehle. „Man ist eben auf Mitarbeiter angewiesen. Viele brauchen länger, um das zu erkennen.“ So sei Personalführung oft unverzichtbar. „Und man muss sich bewusst machen, dass selbstständig zu sein, nicht automatisch heißt, ein dickes Auto zu fahren und ein großes Haus zu haben – im Gegenteil“, betont der Fuldaer. Gerade zu Beginn brauche es unbändiges Wollen und die Bereitschaft, auch mal nachts zu arbeiten.

Ansprechpartner in Fulda

In Fulda gebe es etliche Anlaufstellen, an die man sich mit einer Gründungsidee wenden kann. Dazu gehörten neben der Region Fulda GmbH die Industrie- und Handelskammer, heimische Banken, spezielle Gründerberater, Steuerberater und Rechtsanwälte, die Hochschule Fulda mit ihrem Hochschultransferzentrum, die Wirtschaftsjunioren, das Finanzamt und je nach Unternehmensform auch die Agentur für Arbeit oder die Hartz-IV-Behörde, möchte man sich aus Hartz IV heraus selbstständig machen, sagt Burkard. Zudem veranstalte die Handwerkskammer Kassel regelmäßig Sprechtage bei der Kreishandwerkerschaft Fulda und spezielle Förderprogramme, über die man sich mitunter auf der Webseite der Region Fulda informieren könne. Burkhard rät dazu, verschiedene Netzwerke auszuprobieren. „Man muss ja nicht gleich einen Vertrag machen“, sagt er.

Leider sei die Gründungsquote im Kreis sowie in ganz Hessen rückläufig. Wie aus dem Gründerreport 2017 hervorgeht, sank die Zahl der Gewerbeanmeldungen 2016 landesweit auf 61.890. 2015 waren es 63.583 Gewerbeanmeldungen. Grund dafür: Die gute Beschäftigungsquote. „Wir brauchen dringend mehr Selbstständige“, findet Burkhard. Die Bereitschaft, ein Start-up zu gründen, sei nicht zuletzt wegen Neid und Missgunst – einem typisch mitteleuropäischen Problem, wie er sagt – gering. „Dabei sind die Gründer doch eigentlich die Guten.“

Christoph Burkard. Foto: Region FD

„Eine Garantie dafür, dass alles klar geht, gibt es nie“, räumen Tayabb, Kelvin und Matios ein. Man müsse eben realistisch bleiben. Trotzdem habe man als Selbstständiger viele Vorteile: „Und man weiß, wofür man arbeitet“, finden sie.

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