Tiefe Augenblicke gab es am Wochenende auf dem Buttermarkt. Annika Lehmeier und Marzie Ghiasi, Studierende der Hochschule Fulda, wagten das Eye Contact Experiment. Sie boten Passanten an, sich einen Moment Zeit zu nehmen und einander in die Augen zu sehen. Das Experiment, eine Idee einer australischen Bewegung, ging am Samstag um die Welt.

Wann hast du das letzte Mal jemandem wildfremden tief in die Augen geschaut? Der Augenblick ist unser Werkzeug, eine Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen. Zu checken, ob derjenige mir gut oder böse gesinnt ist. Und doch nehmen wir uns in unserer hektischen Gesellschaft immer seltener Zeit, Menschen anzusehen.

Was passiert denn, wenn wir einander für eine Minute in die Augen schauen? Mit dieser Frage hat die Organisation The Liberators International zum Eye Contact Experiment aufgerufen. Der Anlass: die UN International Week of Peace. Und fast überall auf der Welt sind Gruppen dem Aufruf gefolgt.

In Fulda wurden Annika, Marzie und ihre Unterstützer am Samstagmorgen erstmal skeptisch beäugt. Was machen die Studis da? Warum sitzen sie lächelnd mitten auf dem Buttermarkt? “Welches Ziel verfolgt ihr damit?”, fragt ein älterer Herr. Dass es nur darum geht, sich die Zeit zu nehmen, den Gegenüber bewusst zu sehen, reichte ihm nicht. “Die Menschen brauchen immer einen Grund, warum sie etwas tun sollen, ein Ziel”, sagt Annika. “Aber das können wir ihnen nicht geben. Sie müssen den Moment selbst erfahren und herausfinden, was es ihnen gibt.”

Viele standen erstmal scheu um die kleine Gruppe herum, doch einige trauten sich dann doch, und es entstanden sehr intensive, interessante Augenblicke – auch für den stillen Beobachter. Eine Dame suchte den Fern-Augenblick, setzte sich nicht dazu, ließ sich aber trotzdem von den Augen der Studentinnen und Studenten gefangennehmen. Manche saßen sich weit mehr als eine Minute gegenüber, in völliger Ruhe, wie herausgenommen aus dem Hier und Jetzt. Manche Zweiergruppen brachen spontan in Gelächter aus, manche schauten sich tiefernst an, als ob sie sich in einem intensiven Gespräch befänden. Manchen huschte ein zögerliches Lächeln über die Lippen. “Mit einer habe ich mich spontan umarmt, das kam ganz überraschend”, sagt Annika. “Was mich selbst überrascht hat: Ich finde es super entspannend. Ich habe überhaupt nicht das Bedürfnis, ausfzustehen. Es ist toll.”

Am Nachmittag trauten sich dann ganze Gruppen, so dass jeder der kleinen Augenblicke-Plätze belegt war.

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