Ein neues Projekt an der Bardoschule befasst sich mit dem Thema Mediennutzung: 16 Schüler der achten Jahrgangsstufe lassen sich zu sogenannten Smartagents ausbilden. In Zukunft sollen sie Fünftklässlern aber auch deren Eltern bei Problemen mit dem Smartphone, in Sozialen  Netzwerken sowie im Internet als Ansprechpartner zur Seite stehen.

Ein Text von Marie Grenzer

Finn Diegelmann, Melissa Mumber, Jennifer Kafka und Maja Hochhalter sitzen um einen Tisch herum. In der Mitte liegen Arbeitsblätter verteilt. Es geht um Mediennutzung.  „Wenn man nicht weiß, wie man mit dem Internet umgehen soll, kann man schnell etwas falsch machen“, sagt die 13-jährige Melissa Mumber aus Fulda.

Tricks im Internet

Maja Hochhalter (13) stimmt ihr zu: „Ich bin zum Beispiel mal automatisch auf eine Werbeseite weitergeleitet worden. ‚Gewinnen Sie ein Iphone 7‘ stand dort in Großbuchstaben“, erzählt die Fuldaerin. Zuerst solle man aber seine Daten angeben: Name, Alter, Wohnort – das volle Programm. „Ich war schon dabei, auszufüllen. Da auf der Seite auch viele positive Kommentare standen, dachte ich, das muss doch klappen“, erzählt sie rückblickend und ergänzt: „Ich habe es dann aber doch schnell abgebrochen. Das war sicherlich nur ein Trick.“

#seiSmart

Finn, Melissa, Jennifer und Maja sind vier von insgesamt 16 Smartagents an der Bardoschule. Sie möchten dort jüngeren Kindern im Umgang mit Medien helfen. Am vergangenen Mittwoch startete dazu ein solches Projekt unter dem Namen #seiSmart.

Die Schule hatte sich zuvor nach Aufruf der Schwenninger Krankenkasse, die das Projekt unterstützt, und der Fuldaer Werbeagentur filmreflex für das voraussichtlich zweijährige Pilotprojekt beworben. In Zukunft werden zwei Medienpädagogen von filmreflex wöchentliche Treffen der neuen AG betreuen. Sofern die Integration des Projekts in den Schulalltag erfolgreich gelingt, könne das Konzept zudem von anderen Schulen übernommen werden.

Missbrauch des Internets

Der Grundgedanke betrifft dabei aber nicht einmal die Schule selbst, sondern vor allem die Freizeit der Jugendlichen. „Ich erlebe fast täglich den Missbrauch des Internets durch Schüler, die die möglichen Konsequenzen gar nicht einschätzen können“, berichtet Schulleiter Michael Strelka. Erst neulich sei ein Mädchen auf ihn zugekommen, das in einem Gruppenchat des Messengers WhatsApp von Schulkameraden beleidigt worden war. „Die Schule kann da in der Regel nicht viel machen“, so Strelka.

Smartagents als Ratgeber

Durch die Smartagents soll sich das ändern. Die hochmotivierten Mädchen und Jungen kennen die typischen Probleme des Smartphones und wollen anderen Rat geben. Denn: Die Stimme von Gleichaltrigen sei gerade in diesem Alter von höherer Bedeutung als die der Lehrer oder auch der Eltern, erklärt Medienpädagoge Felix Rudolph von Niebelschütz das Konzept.

Richtlinien für die Eltern

Zudem könnten die Eltern ihrer Aufgabe der Medienerziehung meist gar nicht richtig nachkommen, da die Technik auch für sie neu sei. Rudolph von Niebelschütz kennt das Problem selbst: „Meine eigenen Eltern wären mir bei Fragen bezüglich des Smartphones und dessen Möglichkeiten keine große Hilfe.“ Schließlich gab es vor 30 Jahren weder Smartphones noch Internet. Eine Aufgabe für die ausgebildeten Smartagents wird daher auch sein, Elternabende zu geben. So können Müttern und Vätern Richtlinien im Umgang mit den neuen Medien aufgezeigt und offene Fragen beantwortet werden.

Alltagsgegenstand Smartphone

Zur Vorbereitung befassen sich die Jugendlichen in den kommenden Wochen intensiv mit den Medien. „Sie tauschen sich aus über Gefahren und Potenziale des Internets, nützliche Apps für den Schulalltag und wichtige Tipps, die sie den Jüngeren vermitteln wollen“, macht Lehrer Marcus Tinla deutlich.

Einige der Jugendlichen erinnern sich dabei an ihre eigenen, ersten Erfahrungen mit dem Smartphone und was sie heute, etwa beim Thema Datenschutz, anders machen würden. Lehrer sowie die Sozial- und Medienpädagogen betreuen die Jugendlichen während des Projekts, geben Denkanstöße und steuern selbst Informationen bei.

„Das Smartphone gehört heute zum Alltag der Schüler dazu. Es lässt sich nicht einfach wegsperren“, meint Medienpädagogin Anne Heidel. Und der stellvertretende Schulleiter Matthias Hansche erklärt: „Das Handy ist ein tolles Werkzeug. Man muss nur richtig damit umgehen können. Ist die nötige Sensibilisierung erst erreicht, könnte es zum Beispiel auch im Unterricht eingesetzt werden.“ Davon würden dann alle profitieren.

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