blink-182 ist für viele die Band ihrer Adoleszenz: Anarcho-Punkrock aus Kalifornien, der nach American Pie riecht und nach Halfpipe klingt. Auf ihrem 2016 veröffentlichten Album „California” klingen die Jungs wieder wie früher im College. Drummer Travis Barker erklärt, warum man auch mit über 40 noch Punkrock machen kann, wieso er nur noch per Schiff verreist und warum er nicht für Donald Trump spielen wollte.

Ein Interview von Julian Gutberlet (zuerst veröffentlicht auf noizz.de)

Seit 2008 dein Privatjet gecrasht ist und du nur knapp überlebt hast, bist du nicht mehr geflogen. Wie kommst du dann zu deinen Konzerten in Übersee?

Meistens mit dem Schiff. Zum Start der Europatour bin ich mit der Queen Mary 2 gefahren – von New York nach London.

Du weißt, dass das ungefähr die Titanic-Route ist, nur andersrum?

Ja, das geht mir auch manchmal durch den Kopf. Aber durch die globale Erwärmung ist es echt unwahrscheinlich, einem Eisberg zu begegnen.

Ist es nicht unfassbar langweilig, acht Tage auf dem Atlantik zu schippern?

Absolut. Man wird auch ein bisschen verrückt. Ich mache viel Workout und übe an meinem Drumset. Dann ist schon mal der halbe Tag rum. Und dann hab ich ja auch meine beiden Kinder dabei. Die halten mich ganz schön auf Trab.

Ist das für die beiden nicht öde?

Nein, überhaupt nicht. Meine Tochter macht ja auch Musik. Sie singt viel und schreibt eigene Songs. Für meinen Sohn gibt’s das Board-Programm. Für die Kids ist das ne geile Zeit auf Tour.

Als ich so alt war wie deine Kinder, wart ihr richtig erfolgreich. Jetzt bringen viele College-Bands von damals wie Sum 41, Weezer, Green Day und auch blink-182 wieder Alben raus und gehen auf Tour. Wieso erlebt amerikanischer Punkrock gerade so ein Revival?

Ich glaube, das ist Teil eines generellen Retrotrends. Unsere Fans sind jetzt Mitte 30 und besinnen sich wieder zurück auf ihre Teenagerzeit. Und wir liefern, was sie hören wollen. Dabei war Punkrock ja nie weg, sondern wurde einfach nicht so kommerziell vermarktet.

Naja, ihr habt 50 Millionen Platten verkauft, nicht verschenkt.

Ja, da hast du recht. Aber das hat lange nicht die Ausmaße, die ein Justin Bieber hat. Oder Selena Gomez oder Katy Perry.

Was hältst du von aktueller Popmusik?

Ich höre das privat notgedrungen durch meine Kinder. Aber es ist schon okay. Viele Leute schreiben ja heute ihre Musik nicht mehr selbst. Daher kann auch ein kanadischer Teenager echt gute Songs machen.

Könnte blink-182 nicht auch Popmusik machen?

Auf keinen Fall. Schau uns doch an. Das würde uns keiner abkaufen. Außerdem wäre das gerade als Schlagzeuger ziemlich langweilig.

Auf eurem letzten Album California (2016) klingt ihr wie damals, 1999, als wir alle American Pie geschaut und laut „Every Time I Look For You” mitgegrölt haben, während Steve Stiffler uns erklärt hat, was eine MILF ist.

Wusstest du das vorher nicht?

Muss ich das beantworten?

Nein, nein. Schon okay.

Ihr klingt also immer noch wie früher. Warum habt ihr euch nicht weiterentwickelt?

Naja, zwischenzeitlich haben wir schon ein bisschen experimentiert. Auf unserem Album BLINK-182 waren einige gewagte Songs drauf. Doch wir wollten die Fans nicht verärgern – und ihnen mit California genau das geben, was sie hören wollten: einfach ein typisches Blink-Album.

Ist es schwierig, mit über 40 noch authentischen Punkrock zu machen?

Nicht wirklich. Ich hab mich, seit ich ein Teenager bin, nicht verändert: Ich trage dieselben Klamotten, skate immer noch, höre die gleiche Musik und denke gleich. Unser Leben ist immer noch Punk. Punkrock altert nicht, wenn er gut ist und wenn du das als Band wirklich willst. Ich gehe auch immer noch zu Konzerten von Descendents, die sind doppelt so alt wie wir – und werden immer besser. Es gibt keinen Punkt, an dem man das nicht mehr machen sollte. Green Day machen das super. Wir auch.

Wir sind da in Deutschland ein wenig vorbelastet. Unsere beiden großen Punkbands Die Ärzte und Die Toten Hosen waren früher echt gut und klingen jetzt so: Hör dir mal „Unter den Wolken” von den Hosen an.

Okay, Punk ist das nicht. Eher Oma-Rock. Aber die sind ja auch schon älter. Ich verstehe, dass man irgendwann keine Lust mehr hat, Punkrock zu machen. Der Haaransatz rutscht weiter hoch, man hat Kohle, ein Haus und Kinder. Da ist man nicht mehr so drauf, wie man es als Teenager war.

Könnte euch das auch passieren ­­– immerhin hast du auch ein Haus, Kinder und, naja, keine Haare.

Bist du immer so charmant? Nein, bei uns ist das anders, weil wir nie wirklich politisch waren – und immer noch nicht sind.

Warum nicht?

Unser Motto war schon immer: Musik sollte von dem ablenken, was gerade politisch passiert, so schlimm es auch ist. Bis heute halte ich das so. Bei der Amtseinführung von Donald Trump haben sie mir Hunderttausende von Dollars angeboten, um Drums zu spielen. Als ich ablehnte, haben sie das Angebot verdoppelt. Mir war das egal. Ich will mit Politik nichts zu tun haben. Das ist wie Religion, da reagieren Menschen immer gleich sehr heftig. Und es gibt immer nur Schwarz oder Weiß.

Religion kannst du aber weitgehend ignorieren. Den Travel-Ban des amtierenden US-Präsidenten nicht so leicht.

Ich versuche das trotzdem. Schau mal, wenn wir jetzt alle auch noch Songs über ihn schreiben würden, hätte er gewonnen.

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