Jung, blond, leidenschaftliche Golferin: Nina Höffkes spielt in der Zweiten Bundesliga beim GK Braunschweig. Dafür pendelt die 16-Jährige Schülerin jede Woche zwischen Niedersachsen, Fulda, den Golfanlagen in Hofbieber sowie der Praforst und Pilgerzell.

Ein Text von Josephin Chilinski

Sorgfältig wählt Nina einen Schläger aus ihrer Golfbag. Aus einer Seitentasche holt sie einen Ball und das Tee, eine Art Nagel, den sie in die Erde steckt. Auf den abgeflachten Kopf legt sie den Golfball. Konzentriert geht die 16-Jährige in Position. Ihr Blick wechselt zwischen dem Ball und dem Ziel, das mit der Fahnenstange im Loch markiert ist. Den Schläger hält sie fest in beiden Händen. Plötzlich holt sie aus – und schneller als man ihm nachschauen kann, ist der Golfball mit einem Pling verschwunden. Gespannt steht Nina, den Schläger in die Höhe gerichtet, da und verfolgt den Flug der weißen Kugel.

Die 16-Jährige spielt seit knapp sechs Jahren Golf. Darauf gebracht hat sie ihr Bruder (15), der bereits drei Monate spielte, bevor Nina beschloss, das Golfen einmal auszuprobieren. „Seitdem kann ich den Schläger nicht mehr aus der Hand legen“, sagt sie. Die Dipperzerin gilt als Nachwuchstalent der Region. Ihr Handicap liegt bei 2,8. Das ist gut. Gerade hat sie sich für die Deutsche Meisterschaft im Einzel im September qualifiziert. Die meisten Erfolge verbuchte sie bei ihrem Heimatverein, dem GC Fulda Rhön. Im Januar dieses Jahres meldete Nina in Hofbieber ihre Zweitmitgliedschaft an – seit sie beim GK Braunschweig in der Zweiten Bundesliga spielt.

Ohne Zögern ergreift sie ihre Chance

Dazu geführt haben ein glücklicher Zufall und ihr offensichtliches Talent: „Ich habe im vergangenen Jahr meine Oma in Braunschweig besucht und wollte nicht aus dem Training kommen“, berichtet sie. „Also nutzte ich die Anlage des Klubs.“ Am zweiten Tag kam einer der Trainer auf sie zu. „Er fragte mich, ob ich in der Mannschaft mitspielen möchte“ – eine Chance, die die Dipperzerin ohne Zögern ergriff.

Seitdem pendelt Nina, die momentan die zwölfte Klasse der Handelsschule Herrmann in Fulda besucht, zu Turnierrunden und Bundesligaspielen mit dem Zug nach Braunschweig, wo sie bei ihrer Oma schläft. Für die Turniere findet das Einspielen oft schon donnerstags statt, und auch montags kommt die 16-Jährige meistens später zum Unterricht. „In diesem Jahr hatte ich schon 28 Fehltage“, sagt sie. „Zum Glück stehen die Schule und meine Eltern voll hinter mir. Sonst wäre das nicht möglich.“ Für die Sommerferien bekommt die Schülerin einen Nachhilfelehrer gestellt. „Und meine Mutter, die selbst Golf spielt, fährt mich überall hin oder besorgt mir Fahrkarten nach Braunschweig.“

Ihr Ziel ist ein Stipendium in den USA

Ihr Heimtraining absolviert die Tochter des Fuldaer Onkologen Professor Dr. Heinz-Gert Höffkes in der Praforst. „Dort kann ich die Situation auf dem Platz besser nachspielen“, erklärt sie. Außerdem geht sie zwei-, dreimal die Woche ins Fitnessstudio und spielt Fußball beim TSV Pilgerzell. Viel Zeit für ihre Freunde hat Nina nicht. „Seit Saisonbeginn im Mai hatte ich zwei freie Wochenenden. Ich ziehe Golf vor. Das verstehen sie.“ Schließlich hat die Schülerin mit ihrem Sport Großes vor. Ihre nächsten Ziele sind eine vordere Platzierung mit den Braunschweigern bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften sowie der Klassenerhalt. Außerdem möchte die Dipperzerin Auslandsturniere mitspielen. Damit sammelt sie Weltranglistenpunkte – die wichtig sind für ein Stipendium in den USA, auf das Nina abzielt, um dort aufs College zu gehen.

Nur wenige junge Leute spielen Golf

Mit Golf ihre Brötchen verdienen? „Dafür müsste ich noch deutlich besser sein“, weiß die 16-Jährige. Viel lieber möchte sie in Hannover Bio und Chemie auf Lehramt studieren, sagt sie – sofern das mit dem Stipendium nichts wird. „Es ist schade, dass nur wenige junge Leute Golf spielen“, findet die Schülerin. „Meist wollen das die Eltern nicht, weil Golf als Bonzensport gilt. Dabei braucht man gar nicht viel Geld.“ Ein Schlägerset koste um die 400 Euro und hält sieben Jahre. Und selbst mit Leihschlägern komme man drei oder vier Jahre hin. Was die 16-Jährige übrigens nicht kann, ist Minigolf. „Das hat aber nur wenig mit Golf zu tun“, erklärt sie und lacht.

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