Das Mysterium um das Holi Festival in Fulda

Die Begeisterung war groß, als Holi Süddeutschland am 18. April via Facebook das „Holi Festival Fulda 2017“ für den 23. Juli ankündigte. Doch was genau am kommenden Sonntag von 12 bis 22 Uhr auf dem Parkplatz des Emaillierwerks passiert, ist uns nicht klar geworden. move36 hat in den vergangenen Monaten oft versucht, an Informationen zu kommen – und wurde immer wieder vertröstet oder abgewimmelt.

Ein Blick auf die Facebook-Seite verrät, dass sich immerhin über 4000 Leute für die Veranstaltung interessieren, knapp 1000 haben ihre Teilnahme angekündigt. Die Fuldaer scheinen das Farbenfest zu mögen. Doch die FB-Seite geizt mit weiteren Infos, bleibt – zum Beispiel, was das Line Up angeht – schwammig. Derselbe Veranstalter hatte für den 9. Juli ein Holi Festival in Ingolstadt angekündigt. Also fragen wir bei der dortigen Lokalzeitung, dem „Donaukurier“, nach. Doch die Kollegen wissen nichts davon. Weder eine Einladung an die Presse oder Kontakte zum Veranstalter, noch Berichterstattung soll es gegeben haben.

Wer was zum Fuldaer Holi wissen will, kann bis zum jetzigen Zeitpunkt nur über den Facebook-Messenger Kontakt zu den Organisatoren aufnehmen, da weder Website, Mailadresse noch ein vernünftiges Impressum, geschweige denn eine Telefonnummer zu finden sind. Wer steckt hinter dem Unternehmen? Holi Süddeutschland wird von der „Vitamin B Social Media Agentur UG (Haftungsbeschränkt)“ mit Sitz in Pommersfelden betrieben. Geschäftsführer ist Hanno Schuster. Wir rufen schon kurz nach Ankündigung des Festivals das Emaillierwerk Fulda an, da die Veranstaltung auf dessen Parkplatz stattfinden soll. Wenn also jemand mehr weiß, dann die Verwaltung des Emaillierwerks. Auf Nachfrage beim Centermanagement heißt es nur: „Wir gehen davon aus, dass der Veranstalter sich um alles kümmert.“ Irgendwie kommt uns das suspekt vor, da ein Veranstalter ja nicht zuletzt auf Medienpartner und Werbung angewiesen ist.

Keine Genehmigung und Karten verkauft

Da solche Großveranstaltungen bei der Stadt Fulda angemeldet werden müssen, haben wir bei eben dieser nachgefragt. Die Antwort am 18. Juni fällt ernüchternd aus. „Zu dem von Ihnen genannten Holi-Festival auf dem Parkplatz des Emaillierwerks liegt der Stadt nach wie vor keine Anmeldung vor. Üblicherweise sollte eine solche Anmeldung bei einer Großveranstaltung – auch wenn sie auf einem Privatgelände stattfindet – rund acht Wochen vor dem Termin eingehen. Bei der Anmeldung werden Details zu Rettungswegen, Sicherheitskonzept, Verkehrsführung und Besucherströmen, Brandschutz, mögl. Zeltaufbauten u.ä. abgefragt“ – so steht es in einer Mail, die wir von der Pressestelle der Stadt bekommen haben. Komisch: Tickets für die nicht angemeldete Veranstaltung wurden jedoch schon fleißig über die Plattform www.eventbrite.de verkauft.

Darf man das? Karten für ein Event verkaufen, bei dem noch nicht sichergestellt ist, ob es überhaupt stattfindet? Und was passiert mit gekauften Karten im Falle einer Absage? Am selben Tag klingelt bei uns das Telefon – und Geschäftsführer Hanno Schuster erklärt uns, dass alles seinen rechtmäßigen Weg gehe und die Stadt die Veranstaltung nicht ablehnen dürfe, da es sich nicht um öffentliche Fläche, sondern Privatgrund handle. Lediglich Auflagen, die es zu erfüllen gilt, könne die Stadt vorschreiben, Abgesehen davon sei der Antrag schon vor einiger Zeit beim Ordnungsamt der Stadt eingegangen. Der Sprecher der Stadt dementiert das erneut.

Das Mysterium geht weiter

Genau einen Monat später fragen wir erneut nach. Die Stadt bestätigt nun, dass die Genehmigung am 18. Juli, also fünf Tage vor der Veranstaltung, erteilt wurde. Jetzt kann das bunte Farbbeutelgewerfe losgehen, denken wir, doch wo steht eigentlich das Programm? Auf der Facebookseite finden sich nach wie vor die Infos, die schon seit Mitte April dastehen. “Ein Festival für die Sinne mit: gigantischer Bühnen Show, nationalen DJs, Food Truck Court und tollen Attraktionen. Line-up coming soon …“ Eine Woche vorher sollte eigentlich bekannt sein, welche DJs auflegen und was man für 15 Euro Eintritt (ohne Farbbeutel) erwarten kann.

Das denken auch offenbar einige Interessenten, die auf FB nach dem Line-up fragen. Mit mäßigem Erfolg. Statt eine Antwort zu bekommen, wurden einige einfach geblockt. Wir haken erneut nach und erreichen den Veranstalter: „Das ist eine zu hohe Erwartungshaltung“, sagt er uns aufgebracht am Telefon. „Zu unserer Veranstaltung kommt man wegen der Farben und nicht wegen des Programms. Die Leute bezahlen 15 Euro, um das Gelände betreten zu dürfen und Farben (die separat erworben werden müssen, Anmerkung der Redaktion) zu werfen. Alles Weitere ist ein Geschenk des Veranstalters.“ Dass man mehr erwarten kann, zeigt ein Blick auf andere Holis, bei denen man für nicht wesentlich mehr Geld gleich ein Konzert der Atzen dazubekommt.

Kurz nach unserem Telefonat wurde dann plötzlich das Programm aktualisiert und ist hier zu finden. Was lange währt wird endlich gut? Das werden wir am Sonntag sehen, wenn die Besucher hoffentlich ein farbenfrohes Fest erwartet. Uns jedoch wurde für unsere kritischen Nachfragen vom Veranstalter nahegelegt, auf den Besuch zu verzichten.

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