Kommt dir das bekannt vor: “Hi, warum hast du dich so ewig nicht gemeldet?” Dir wird etwas vorgeworfen, und du bist direkt unter Druck gesetzt, dich zu rechtfertigen. Toller Gesprächsbeginn. Es soll sie ja geben – die Freunde, die wirklich angepisst sind, wenn du dich nicht regelmäßig, in kurzen Abständen meldest. Doch wie oft man sich meldet, ist unwichtig – jedenfalls zwischen echten Freunden. 

Wahre Freunde – im Schnitt haben wir alle wohl zwischen fünf und zehn, denen wir alles anvertrauen. Mehr braucht es auch nicht. Einer meiner besten erzählte mir vor ein paar Wochen eine schöne Anekdote: An seinem 17. Geburtstag sagte sein Vater zu ihm: “Steffen, du kannst dich so glücklich schätzen, eine so geniale Clique mit wirklich engen Freunden zu haben, aber rechne damit, dass sich das bald zerlaufen wird.”

Zehn Jahre später: “Steffen, ich muss meine Aussage von damals zurücknehmen. Dass ihr alle immer noch so dicke seid, ist einfach bemerkenswert. Das gibt es nicht oft!” Klar, einige gingen, andere kamen. Aber der Kern ist ein Bund fürs Leben. Dem zugute kommt, dass fast alle noch in Gießen beziehungsweise Hessen wohnen. Doch selbst weitere Strecken würden diesem keinen Abbruch tun. Ich bin Ende 2015 nach Fulda gezogen. Zwei Stunden Zug fahren – so what?! So viel durchgemacht – Partys, Festivals, Trennungen, Stress mit den Eltern. Das schweißt zusammen.

Sowas ist Kinderkacke!

Logisch nimmt die Quantität ab und wird vermutlich auch weiter abnehmen. Darunter sind ein paar Kumpel und Freundinnen, mit denen ich nicht telefoniere, ab und an mal schreibe, wenn überhaupt. Vor zwei Wochen war ich in Gießen feiern – alles so wie immer mit ihnen. Einfach super. Keinem käme in den Sinn, in irgendeiner Form angefressen zu sein, weil man ein paar Wochen oder gar Monate nichts voneinander gehört hat. Ganz ehrlich: Sowas ist Kinderkacke!

Aber warum ist das bei vielen so? Verlustängste? Bestätigungssehnsucht? Zu hohe Erwartungen? Bei wahren Freunden sollten diese Punkte nichtig sein.

Klar kommt das mal vor: “Jo, länger nix von dir gehört! Was war so los, du treulose Tomate?” Wir lachen. Antwort: “Ja, ich weiß. Dies und das.” Blabla, ist erklärt. Reicht mir. Darauf zu pochen, dass der andere sich rechtfertigt, ist sinnlos. Wozu? Das sorgt allein für Spannungen, für mehr nicht. Meine Kumpel würden mich auch nicht ernst nehmen, käme ich plötzlich mit so einem Gezicke an. Sie würden mich auslachen, ich würde mitlachen.

Pflege die Freundschaft zu deinen Besten

In den vergangenen Jahren liefen mir natürlich viele neue Gesichter über den Weg, vor allem in Fulda habe ich viele Leute kennengelernt. Aber ich war nie darauf versteift, unbedingt 554.561.616 Leute kennenzulernen, nur um sie kennenzulernen – wie so viele auf der Uni zum Beispiel. In der Einführungswoche tippte mich ein Typ vor einer Vorlesung an und fragte, ob er richtig sei. Wir wurden sofort richtig gute Kumpel. Seine und meine Leute waren dann oft zusammen feiern. Und ich weiß: Das ist eine Freundschaft fürs Leben. Sie ist so viel mehr Wert als tausend flüchtige Uni-Bekanntschaften.

Daher: Pflege die Freundschaft zu deinen Besten, bleib cool, wenn mal länger Sendepause ist – denn sie sind es, die da sind, wenn’s drauf ankommt.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.