Keine Pferdeklopse, kein Yo-Kurt und keine Karaokebar mehr? Das Bratwurstglöckle schließt Anfang Juni, und damit geht ein echter Fuldaer Traditionsladen. Doch es gibt Hoffnung, dass die Osthessen nicht auf die Spezialität des Hauses verzichten müssen, verrät Chef Jens Kern.

Ein Text von Leoni Rehnert

Nach 79 Jahren ist Schluss, steht auf der Seite des Bratwurstglöckle, das auch Kern’s Jakob heißt und die erste (und in diesem Ausmaß einzige) Adresse für Pferdeklopse gewesen ist. Das Gebäude Am Stockhaus ist verkauft. „Das Haus wird entkernt. Nie hat das Wort besser gepasst“, sagt Jens Kern (45). „Manchmal muss eben Altes weichen, damit Neues entstehen kann. Kommt lieber vorbei und esst zum letzten Mal in den heiligen Hallen ein Klops und trinkt ein Bier“, lädt er auf seiner Homepage ein.

„Ich finde es schade, es ist ja mein Elternhaus. Aber es befreit mich auch“, sagt Jens Kern. Fünf Jahre hat er das Glöckle geführt. „Es hat Spaß gemacht, und seit zwei Jahren sind wir schuldenfrei“, sagt der 45-Jährige. Doch trotz – oder vielleicht auch wegen – der positiven Situation hat er sich zu einer Zäsur entschlossen. Der Tod seines Vaters Kurt im Februar dieses Jahres hat damit wohl auch zu tun. „75 Jahre ist er geworden, jahrzehntelang hat er nur gearbeitet, sich auch kaputt gemacht dabei“, sagt Jens Kern nachdenklich, der sich für sich eine andere Zukunft wünscht.

Karaokepartys ziehen ins Bulls&Balls um

Deswegen zog er pragmatisch Bilanz: „Nach dem Tod meines Vaters stehen anderthalb Stockwerke leer. Und in dem Haus muss dringend was gemacht werden. Die Küche, die Leitungen – das rechnet sich alles schnell auf 200.000 Euro“, hat er überschlagen und zusammengefasst: „Ich hab’ ein Riesenhaus und eine kleine Kneipe. Das muss sich ändern.“

Die ersten Schritte sind gemacht. Das Haus ist verkauft, der neue Eigentümer wolle dort Wohnungen einrichten, sagt Jens Kern. Er selbst wird wohl mit seiner Frau Tania in der Stadtregion bleiben. Weiter macht er auch mit den Karaoke-Abenden, die nun nicht mehr im ersten Stock, sondern im Bulls & Balls in den Straußwiesen stattfinden. Für die Produkte des Geschäftes „Yo-Kurt“ links vom Eingang sucht Kern nach Interessenten.

Aber vor allem die Pferdeklopse möchte Jens Kern weiterhin anbieten. Möglichkeiten gebe es viele: „Wenn ich einen geeigneten Ort zur Herstellung finde, könnte ich sie entweder an den Handel verkaufen, an einen Imbiss oder einen Verkaufswagen. Oder ich mache das selbst oder gründe vielleicht so eine Art Deli, wo man essen und einkaufen kann“, sagt er.

Einen Blick in die Geschichte des Bratwurstglöckles wirft die Fuldaer Zeitung auf ihrem Onlineportal.

Die ausführliche Geschichte gibt es in der Mittwochsausgabe der FZ.

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