In der elektronischen Szene Fuldas tut sich etwas: Unter dem Namen SeqSounds streamen Marc Reinke, Michael Baier, Peter Vogel und Sascha Böhm seit Kurzem regelmäßig ihre Beats. Wir haben uns mit den Jungs unterhalten.

Ihr streamt elektronische Musik live aus dem Wohnzimmer, habt auch schon im S-Club und dem Kreuz vor der eigentlichen Veranstaltung fürs Netz aufgelegt. Wie steht es denn um die elektronische Szene in Fulda?

Marc: Die elektronische Musikszene in Fulda stagniert. Derzeit gibt es hier kaum Veranstaltungen, bei denen neue elektronische Musik läuft. Das Image dieser Szene muss mal wieder entstaubt werden, damit mehr zu dieser Musik feiern gehen. Wir haben uns gefragt: Wie kann man das wieder aufbauen und mehr Schwung reinbringen?

Peter: Ich habe mich auf die House-Richtung spezialisiert. In Fulda schafft man es kaum, mal eine Stunde konstant coolen House zu spielen ohne, dass es das Publikum komisch findet. Das wollen wir ändern. Streams sind ohnehin gerade am boomen. Damit kann man die Leute an die Hand nehmen und ihnen das zeigen, was nicht im Radio läuft – eben die Vielfalt elektronischer Musik. Das einzige, das es hier an Veranstaltungen gibt ist das Electronica, Irrenhouse und ansonsten gibt es an elektronischer Musik nur Techno. Dazwischen fehlt etwas. Hier in Fulda ist es allerdings immer sehr schwierig mit neuen Sachen. Ganz am Anfang ist es cool, dann lässt die Aufmerksamkeit abrupt nach – wie vergangenen Sommer mit Pokémon Go.

Woher kommt die Idee hinter SeqSounds?

Marc: Die Idee hatte ich schon lange. Vergangenes Jahr bei Electronica habe ich mit dem Veranstalter den Versuch eines Streams gewagt. Es hat funktioniert, die Viewer haben aber gefehlt. Nachts um drei schaut sich keiner so etwas an. Mit Sascha hatte ich dann die Idee, von uns privat einen Stream zu machen und zu schauen, ob wir damit irgendwen erreichen können. Diese ursprünglich kleine Idee haben wir dann doch größer aufgezogen als ursprünglich geplant. Eigentlich wollten wir das nur in kleiner Runde spontan mit dem Handy filmen. Jetzt haben wir feste Termine, streamen in guter Qualität und holen uns andere DJs ins Boot.

Wie werden eure Sessions bisher angenommen?

Marc: Die erste Wohnzimmer-Session bei mir zu Hause war bisher die erfolgreichste. Da hatten wir im Schnitt 50 Viewer gleichzeitig, insgesamt haben 3000 Leute zugeschaut. Das war für uns ein Anstoß, weiter zu machen. Mit so einem guten Feedback hatten wir nicht gerechnet.

Peter: Da haben wir gemerkt, dass das Interesse da ist. Eine gewisse Kontinuität ist dabei halt wichtig. Wenn man einfach wahllos an irgendeinem Tag online geht, dann können sich die Leute gar nicht drauf vorbereiten. Es macht auch keinen Sinn, nachts um drei zu streamen, da sind alle feiern, und keiner schaut aufs Handy. Deshalb fangen wir am früheren Abend an, wenn alle zu Hause sitzen und sowieso Musik hören.

Marc: Es gibt zwei verschiedene Formate: einmal die chilligere Living-Room-Session und die Weekend Warm-up-Sounds, um beim Vorglühen für Clubstimmung zu sorgen.

Was kommt als nächstes?

Peter: Tomorrowland, das wäre natürlich geil. Das erste realistische Ziel ist es aber, unsere Sessions live im Club zu machen. Da hatte ich einen lustigen Einfall, aber ich weiß nicht, ob sich das umsetzen lässt: Die Leute gehen immer später feiern. Mich stört das eigentlich. Ich würde gern früher weggehen und dafür auch früher wieder zu Hause sein. Es wäre cool, wenn man die Streams in den Partylocations machen könnte, und der Club auch schon auf hat. Sodass jeder, der Lust hat, mit uns zu trinken anstatt auf dem Sofa zu sitzen, vorbeikommen kann. Damit verlagert man vielleicht den ganzen Weggeh-Vorgang wieder nach vorne.

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