“Da lachen ja die Hühner – oder vom kurzen Leben eines Masthuhns”, ist eines der Themen, das Zehntklässler der Jahnschule in Hünfeld in den vergangenen Wochen beackert haben, um sich im Sommer mit einem Kurzfilm für den Hessischen Schulpreis zum Tierschutz zu bewerben. Am Donnerstag stellten sie erste Ergebnisse vor. Bereits 2015 gewann die Schule den mit 3.000 Euro dotierten Preis.

Nun wollen 25 Zehntklässler es wieder versuchen. Seit Februar beschäftigen sie sich im Rahmen des Wahlpflichtkurses Politik mit den Lebensbedingungen von Kühen, Schweinen und Hühnern in der Mast- sowie Biozucht. “Sie sind richtig motiviert, engagiert und kreativ”, lobt Lehrer Bernhard Sitzmann die Schüler, der das Projekt anleitet. Außerdem recherchierten sie die Auswirkungen von Gülle und Pestiziden auf Böden und Umwelt und welche Folgen unsere Art der Ernährung hat – dass sie enorme Probleme für Mensch, Klima und Umwelt verursacht, steht außer Frage.

„Wie oft isst du Fleisch in der Woche?“, war eine von 20 Fragen, die die Schüler 136 Neuntklässlern stellten, um den Wissensstand und die Ernährungsweise auszuwerten: Knapp jeder zweite von ihnen verzehrt täglich Fleisch. 600 Gramm pro Woche empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, mit 165 Gramm pro Tag isst der Deutsche nahezu doppelt so viel. Zahlreiche Krankheiten, wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Probleme, sind auf die Ernährung – insbesondere auf zu viel Fleisch – zurückzuführen.

28 Hühner auf einem Quadratmeter

Aber natürlich leiden auch die Tiere unter der Massenproduktion, wie die Schüler zeigten: In der Biozucht lebt eine Kuh beispielsweise 15 bis 20 Jahre, hat 10 Kilometer Auslauf und kann auf der Weide grasen. In der Mastzucht lebt sie dagegen vier bis fünf Jahre, hat lediglich bis zu 700 Meter Freiraum und bekommt Silofutter und Antibiotika. Wie eingezwängt ein Huhn in der Mastzucht leben muss, veranschaulichten sie mit einem Quadratmeter, auf dem circa 28 Hühner leben müssen:

Soweit die Theorie. „Nun geht es an den Praxisteil“, sagt Sitzmann. Mit Kamera und Mikro ziehen die Schüler los, interviewen Experten und suchen in Landwirtschaftsbetrieben nach Gesprächspartnern für ihren Projektfilm, mit dem sie sich um den Preis bewerben – bei dem aber nicht allein der Inhalt beachtet wird. Es gehe auch um Kreativität und darum, den Film kinder- und jugendfreundlich zu gestalten, so der Lehrer. Daher wird in dem 15- bis 17-minütigen Film ein rotes, plüschiges Maskottchen namens Roger Rotfuchs in einem eigens eingerichteten Studio den Beitrag moderieren.

„Ich bin sehr berührt, ein riesiges Lob an euch“, betonte nach den Kurzvorträgen der Schüler die Ernährungsberaterin Annette Heimroth aus Hünfeld, die sich den vielen, interessierten Nachfragen stellte. So fragte eine Schülerin, ob es denn stimme, dass Fische keinen Schmerz spüren, wenn sie getötet werden. Das sei natürlich totaler Quatsch, so die Ernährungsberaterin. Die meisten Fische auf unseren Tellern kämen aus Aquakulturen, die im Prinzip nichts anderes als Massentierhaltung im Wasser seien, wo die Fische beispielsweise auch Antibiotika bekämen. In Sachen gesunder Ernährung betonte Heimroth, wie wichtig vor allem vollwertige Nahrung ist, also zum Beispiel möglichst viel frisches Obst und Gemüse und Vollkorn- statt Weißmehlprodukte. Gerade Rohkost sei besonders gesund, weil beim Kochen von Gemüse schon ab 42 Grad viele Nährstoffe verloren gehen.

Zum Abschluss referierte die extra aus Kiel angereiste Diplom-Agraringenieurin Stefanie Pöpken von der Tierschutzorganisation „Provieh“ zum Thema artgerechte Haltung. Ein Kritikpunkt: Der Mensch greife immens in den Körper der Tiere ein, um sie der Massentierhaltung anzupassen, anstatt umgekehrt die Haltung den Tieren anzupassen.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.