Virtual Reality hält Einzug in die Gaming-Industrie. Diese Computertechnik ist aber kostspielig. Deswegen haben zwei junge Männer in Bad Hersfeld Hessens ersten virtuellen Spielplatz eröffnet. Branchenkenner sehen Potenziale für die Geschäftsidee.

Ein Text von dpa

Kai Schiek setzt die Computer-Hightech-Brille auf und nimmt den Controller in die Hand. Dann taucht er ein in eine verblüffend echt wirkende digitale Welt. Er kann die düstere, gruselige Szenerie eines Horror-Hauses betreten. Oder in einem anderen Spiel auf Raumschiffe schießen. Oder er kann einen bunten Jahrmarkt mit allerhand Vergnügungen erkunden. „Immer wieder beeindruckend, wie man in diese virtuelle Welt hineingezogen wird“, beschreibt Schiek das Spielerlebnis.

In einem Ladenlokal in der Bad Hersfelder Innenstadt hat vor wenigen Wochen nach Betreiberangaben Hessens erste Virtual Reality-Lounge eröffnet. Virtual Reality (VR) ist eine real wirkende, interaktive Szenerie, die mit Computertechnik virtuell erzeugt wird. Um darin eintauchen zu können, wird eine VR-Brille benötigt. In die Linsen darin werden die digitalen Bildwelten projiziert. Mit einem ebenfalls verbundenen Controller kann man darin agieren, ähnlich wie mit einem Joystick früher am Computerbildschirm.

Dritter Laden in ganz Deutschland

Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom interessieren sich 41 Prozent der potenziellen User, vor allem Computer- und Videospiele in der virtuellen Realität zu erleben. Konzerne wie Sony, Samsung, HTC und die Facebook-Firma Oculus haben VR-Brillen oder Headsets auf den Markt gebracht. Doch die Technik hat noch ihren Preis. Und um ein möglichst perfektes Spielerlebnis zu haben, muss man einiges zahlen.

Das erkannten auch die beiden Freunde Dariusz Kaleta (32) und Kai Schiek (34). Sie hatten Bock aufs Zocken mit VR-Technik. „Wir hatten aber keine Lust, dafür Tausende von Euro auszugeben“, erklärt Kaleta. Und so ist aus dem privaten Wunsch eine Geschäftsidee gereift. Dafür haben sie ein Start-up-Unternehmen gegründet. Eröffnet haben sie ihre „Arcade Virtual Reality Lounge“ ausgerechnet in Bad Hersfeld – sie wohnen halt in der Gegend. Nach Angaben der beiden Geschäftsführer ist die VR-Lounge in Bad Hersfeld die dritte ihrer Art in Deutschland. Zuvor seien nur Angebote in Düsseldorf und Nürnberg eröffnet worden.

Dominique Prescher vom Branchenverband Bitkom bestätigt in Berlin: „Es gibt erst ganz wenige solcher Spiele-Lounges. Das Marktpotenzial ist noch schwer einzuschätzen. Aber weil derzeit wenige Menschen VR-Brillen besitzen, wird es für viele reizvoll sein, die Technik auszuprobieren. Wer es testet, ist schnell begeistert. Ich könnte mir vorstellen, dass in Zukunft weitere Läden dieser Art eine gute Entwicklungschance in Deutschland haben.“

Zocken in der Mittagspause

Die Idee ist in Bad Hersfeld so gut angenommen worden und offenbar wirtschaftlich erfolgreich, dass die beiden Geschäftsführer bereits planen, in Gießen und Frankfurt weitere virtuelle Spielplätze zu eröffnen. „Wir haben in unserem Businessplan in einem Monat die Ziele erreicht, die uns zunächst im ersten Halbjahr realistisch erschienen“, erklärt Kaleta. „Es läuft sehr gut.“

In der VR-Lounge in Bad Hersfeld stehen vier Spielräume mit je 20 bis 25 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Sie sind ausgestattet mit der VR-Technik, einem Gaming-Computer, einem Flachbildfernseher und Sitzgelegenheiten, damit auch Gruppen bequem verfolgen können, was der Spieler mit der VR-Brille gerade erlebt.

Die Kundschaft sei unterschiedlich, sagen die Macher. Nicht nur Computer-Freaks werden angezogen. Vom Kindergeburtstag bis zur Firmenveranstaltung sei alles dabei. „Es kommen auch Kunden in ihrer Mittagspause, um eine Runde zu zocken“, berichtet Kaleta.

4 Räume, 20 Spiele

Geboten wird eine Auswahl von etwa 20 Spielen, gespielt wird mit Full-HD-Brillen. Um sie nutzen zu können, wird ein Computer mit entsprechender Rechenpower und Grafikleistung benötigt. Das ermöglicht ein flüssig laufendes Spiel mit großer Bildgenauigkeit. Ein privater Nutzer müsste für dieses Technikpaket tief in die Tasche greifen: Allein der Gaming-Rechner koste rund 2000 Euro und die Brille noch mal 900 Euro, sagt Kaleta.

Je besser die Technik, desto authentischer das Spielerlebnis und desto besser die Verträglichkeit. Denn Nutzer von VR klagen zuweilen über Schwindelgefühle und Übelkeit. „Das ist eine Frage, wie anfällig man dafür ist. So etwas kommt bei unserer ausgefeilten Technik bei den Kunden in der Regel nicht vor“, erklärt Kaleta.

Die Spieler kommen zuweilen ganz schön in Bewegung. „Da werden Couch-Potatoes aktiv und kommen ins Schwitzen.“ Denn man bewegt sich im Raum und muss etwa bei Schießspielen auch mit dem eigenen Körper ausweichen. Damit man in den Räumen der Lounge nicht vor eine Wand läuft, tauchen in der virtuellen Spielansicht optische Warnhinweise auf.

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