Aus einer Idee wurde Wirklichkeit – das Welcome In Wohnzimmer nimmt immer mehr Gestalt an, bald soll es eröffnet werden. Für das Projekt hat die Truppe nun den Integrationspreis der Stadt Fulda gewonnen. Wir haben uns mit Jochen Schiersch über künftige Pläne, den Integrationspreis und das neue Videoprojekt von Welcome In unterhalten. 

Für alle, die euch bisher nicht kennen, was genau ist das Wohnzimmer?

Im November 2015 hatten wir bei der Initiative Welcome In die Idee, dass wir etwas Neues machen möchten. Vorher hatten wir bereits ganz viele Projekte für Flüchtlinge und Asylbewerber und wollten nun etwas gemeinsam auf die Beine stellen. Dass wir als bunte Truppe einen Raum in Fulda eröffnen, und zwar für alle. Am Anfang war es eine völlig verrückte Idee. Wir hatten weder Geld, kein Konzept, kein Netzwerk, keine Partner. Ab da haben wir lange dran gearbeitet, um unsere Idee tatsächlich umzusetzen. Das haben wir im letzten Jahr geschafft, wofür wir letztendlich auch den Integrationspreis der Stadt Fulda bekommen haben.

Was bedeutet es für euch, dass ihr den Integrationspreis gewonnen habt?

Es ist natürlich eine riesige Auszeichnung, über die wir uns alle sehr gefreut haben. Vor allem die Asylbewerber fanden es toll, mal ins Stadtschloss eingeladen zu werden. Das war wirklich eine große Ehre. Das Preisgeld von 2000 Euro wird natürlich enorm helfen, sowohl dem Wohnzimmer als auch Welcome In. Wir basieren schließlich nur auf Spenden und machen alles ehrenamtlich.

Was habt ihr konkret mit dem Preisgeld vor?

Die Hälfte geht an Welcome In und fließt dort direkt in Projekte, die laufende Kosten haben. Zum Beispiel werden Deutschbücher für den Unterricht benötigt, wir unterstützen Familienzusammenführungen, die Frauengruppe macht viele Ausflüge. All das kostet Geld, und je mehr wir davon haben, desto besser. Die andere Hälfte fließt vermutlich in die Einrichtung des Wohnzimmers, sodass wir bald aufmachen können.

Wie geht es mit dem Wohnzimmer weiter?

Im Laufe des Frühlings wollen wir das Wohnzimmer eröffnen. Wann genau wissen wir noch nicht. Das hängt von Faktoren ab, die wir nicht beeinflussen können wie zum Beispiel die Lieferzeit der Küche. Die meiste Elektronik ist bereits verlegt, der Fußboden auch. Wir möchten eine schöne Außengestaltung mit Beleuchtung machen, es wird einen Kickertisch geben, alles muss eingeräumt werden, die Bühne wird demnächst gebaut. Wir machen alles selbst, das ist natürlich viel Arbeit. Wenn alles fertig ist, werden alle Projekte, die Welcome In hat, im Wohnzimmer zusammenkommen. Das ist dann unsere Zentrale. Durch die Lage erhoffen wir uns natürlich, dass noch mehr Menschen auf uns aufmerksam werden und Bock haben mitzumachen. Was dann wieder bedeutet, dass wir mehr Projekte auf die Beine stellen können. Erst kürzlich hatte eine Gruppe Syrer zum Beispiel die Idee, dass sie gern in Kindergärten für Kinder, die kein Deutsch sprechen, übersetzen möchten. Die Idee kommt nicht von uns Deutschen, sondern die Flüchtlinge und Asylbewerber wollen sich selbst einbringen. Im Wohnzimmer haben sie außerhalb der beengten Unterkünfte die Möglichkeit sich zu treffen, zu tüfteln, zu planen. Wir hoffen natürlich, dass uns nach der Eröffnung möglichst viele Menschen besuchen, und wir einige Vorurteile beseitigen können. Es ist großartig, dass wir hier im Wohnzimmer so ein großer, bunter Freundeskreis sind. Das ist genau die Entwicklung, die wir uns erhofft hatten. Teilweise hängen wir hier den ganzen Tag zusammen. Die Nachricht, die wir mit dem Wohnzimmer vermitteln wollen ist eben, dass sich die Menschen einfach mal auf andere einlassen sollten.

Welcome In hat ein neues Videoprojekt. Was hat es damit auf sich?

Die Idee dazu stammt von zwei Syrern, die sich am Blog German Lifestyle, der mehrfach ausgezeichnet wurde, orientiert haben. Die erste Folge, die wir gedreht haben hieß “Fulda against the Muslim Ban”, eine Donald Trump-Parodie. Zuerst haben wir den Muslim-Ban erklärt, dann sind wir in die Innenstadt und haben dazu Menschen befragt. Zum Teil kamen sehr tolle, offene, tolerante Antworten. In unserem zweiten Video geht es um Abschiebungen nach Afghanistan, ein sehr trauriges Thema. Viele in unserer Initiative haben gerade eine Ablehnung des Asylantrags bekommen, in vielen Fällen unberechtigt. Wir hatten das Gefühl, dass die Asylbewerber fließbandartig abgearbeitet wurden, anstatt ihnen richtig zuzuhören. Darunter leiden die Menschen enorm, und es herrscht viel Angst. Das finden wir nicht in Ordnung. Ein drittes Video kommt bald.