„Kleine dreckige Clubs habe ich schon lieber“

Er gehört zu den Technogrößen, die die hessische und deutsche Szene mitgeprägt haben. Marky alias Mark Pecnik war viele Jahre Resident-DJ im legendären Club Stammheim in Kassel und  bei vielen anderen Veranstaltungsreihen und Clubs. Auch heute bringt er noch deutschlandweit die Floors zum Beben. So zum Beispiel im Oktober bei der ARTgerechten Haltung im Kreuz, wo wir mit ihm gesprochen haben.

Ein Interview von Alexander Strube

Marky, du bist ein hessisches Techno-Urgestein, hast die Szene im Kasseler Stammheim und den berühmten Kasseler Sound mitgeprägt. Hattest du auch Vorbilder?

Vorbilder würde ich das nicht nennen, eher DJs, von denen ich viel gelernt habe, vor deren Arbeit ich einfach großen Respekt habe. Bei unseren ersten Partys im Stammheim hatten wir wirklich große DJs am Start, wie Richie Hawtin, Carl Cox oder Laurent Ganier – heute unbezahlbar, aber wir hatten sie mal im Club. Während sie aufgelegt haben, haben Pierre und ich stundenlang zugeguckt und gesehen: Aha, das geht mit dem Equalizer, das geht mit dem Track. Das hat uns alle im Stammheim sehr beeinflusst. Richtige Vorbilder und Musiker die ich vergöttere, sind eher Künstler wie David Bowie, Kate Bush, Peter Gabriel, Pink Floyd, um einige zu nennen. Denn nur Techno ist auch langweilig. Es gibt so viel wunderbare Musik.

Das stimmt wohl. Aber was bewegt dich am Techno?

Musik hat mich schon immer bewegt, egal welche. Beim Techno sind es die Geschichten, die  man in einem Set erzählen kann und aus Dj-Sicht natürlich die unglaublich gute Mixbarkeit der einzelnen Tracks. Du kannst ständig etwas Neues erschaffen.

Wie bist du zu dieser Musik gekommen?

In der 80ern habe ich mir mit 6, 7 Jahren im Karstadt schon Platten gekauft. Und wenn ich so zurückdenke, war damals schon eine Menge tanzbare Musik dabei. Die 80er Breakdance-Welle und die dazugehörige Musik habe ich in mich aufgesogen und voll mitgenommen. Dann habe ich sehr lange Zeit Hip-Hop gehört und mir in dem Zuge Anfang der 90er meine ersten Technics 1210er und ein Mischpult zugelegt. Später habe ich durch diverese HR3 CLubnights und Clubbesuche immer mehr zur elektronischen Musik gefunden und mir dementsprechend Vinyl zugelegt. Anfang 1994 wurde ich dann Resident DJ im Aufschwung Ost, das spätere Stammheim, und der Rest ist Geschichte …

Wie kam es denn dazu, dass du Resident wurdest?

Anfang der 90er gab es noch nicht so viele DJs wie heute. Meine Zuhause aufgenommen Tapes kursierten in Kassel bei diversen Leuten und waren damals schon sehr beliebt. Und als jemand aus meinem engeren Freundeskreis meinte, er möchte jetzt einen Technoclub eröffnen war ich mit zwei, drei anderen Kumpels, die erste Wahl. Man kann sagen ich war zur richtigen Zeit am Richtigen Ort und kannte die richtige Leute.

Wie legst du heute auf? Vinyl oder digital – was ist dein Favorit?

Am liebsten mit Computer, Traktor und den dazugehörigen Timecode-Vinyls , mit denen ich die Tracks im Rechner starten kann. Aber ich lege auch gerne nur mit Vinyl auf. Ich mag einfach die Haptik der Schallplatte auf Plattentellern. Leider sind heute in vielen Clubs die Plattenspieler nicht mehr gut gewartet, so dass ich dann oft nur noch mit einem Controller spiele, obwohl ich das eigentlich gar nicht möchte.. Also an alle Veranstalter: Kümmert euch um eure Technics-Plattenspieler, weil viele gerne mit Vinyl spielen.

Und welche Location ist dir lieber: kleiner, dreckiger Club oder großes Festival?

Das ist egal. Ein Club kann genauso gut sein wie ein großes Festival, obwohl ich kleine, dreckige Clubs schon lieber habe. Manchmal hat man auf einer Party mit 200 Leuten so viel Spaß wie auf keinem 18 000-Mann-Festival.

Hast du denn eine Traum-Location, wo du gerne noch mal auflegen würdest?

Ich würde gerne noch mal auf einer Party im Stammheim auflegen, weil wir unsere Abschlussparty nicht da machen konnten – das war das Schlimmste für uns alle.

Verständlich. Nun hast du ja schon öfter in Fulda gespielt, früher im Klangkeller, jetzt mal auf einer größeren Party im Kreuz. Wie gefällt’s dir eigentlich hier?

Also ich habe schon sehr oft in Fulda gespielt, auch schon früher, bevor es den Klangkeller gab – ja, Fulda ist immer wieder gut. Der Klangkeller war zwar klein, aber wenn’s passt, hat’s da richtig Spaß gemacht. Heute die Party im Kreuz ist super, sehr viele Leute da. Mal wieder etwas anderes für Fulda, das habe ich so lange Zeit hier nicht gesehen. und bin sehr positiv überrascht. Ich denke mal das war nicht die letzte Veranstaltung hier im Kreuz.

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