Tolle Musik und Konfettikanonen: Die Monsters of Liedermaching kommen nach Fulda

Sie haben sich vor 13 Jahren spontan auf einem Festival zusammengeschlossen und füllen seitdem als einzige deutsche Liedermacherband die Konzertsäle: Am 23. November kommen die Monsters of Liedermaching nach Fulda. Wir haben mit Totte Kühn (43) stellvertretend für die sechs Monster über musikalische Langzeitbeziehungen, nachreisende Fans und Fulda gesprochen.

Ihr habt gerade euer neues Album herausgebracht – “Wiedersehen macht Freude”. Wiederhören macht auch Freude. Liedermacher kennt man sonst ja eher als Solotiere, ihr seid seit 13 Jahren als Rudel unterwegs und damit richtig erfolgreich. Was ist euer Rezept?

Ich glaube, dass wir uns organisch gefunden und ergänzt haben. Dass kein Plan dahinter war. Eine schöne Sache bei uns ist, dass wir sechs Songautoren sind, die alle autark Lieder schreiben. So sind wir recht vielschichtig. Ansonsten liegt es vielleicht auch daran, dass wir keine große Show feiern, sondern eher einen musikalischen Stammtisch.

Zusammengeschlossen habt ihr euch ja auf einem Festival …

Genau. Das war alles total spontan. Wir waren gebucht als Solisten, wie man das ja von Liedermachern kennt, und sollten einen Slot von zwei Stunden ausfüllen. Aber keiner von uns wollte anfangen, der eine wollte nicht vor dem anderen spielen, weil er Fan von ihm ist und sowas. Also sagten wir: dann stellen wir halt drei Bierbänke auf die Bühne und spielen zusammen. Und das war sehr schön. Auch, weil wir nicht nur Künstler, sondern Fans voneinander sind und das auf der Bühne wunderbar feiern können. Das ist anders, als bei anderen Bands, die zusammen arrangiert funktionieren müssen. Ich glaube, dadurch ist das auch sehr lebendig geblieben.

Gab es in all den Jahren auch mal Beziehungskrisen?

Jaaa, selbstverständlich. Deshalb sind wir vor eineinhalb Jahren auch in eine Pause gegangen …

2014 war das. Ihr wart dann aber ’15 schon wieder auf Tour …

Richtig. Ein gutes Jahr haben wir nicht zusammen gespielt, das reichte dann aber auch. So erfolgreich sind wir jetzt auch nicht, dass wir uns eine längere Pause leisten könnten. (lacht) Aber da ging es auch darum, Beziehungskrisen vorzubeugen. Wir haben uns irgendwann in dem Rad Platte – Tour – Platte – Tour wiedergefunden. Wir wollten nicht langweilig oder genervt voneinander werden. Beim Open-Flair 2015 haben wir zum ersten Mal wieder zusammen gespielt. Von dem Auftritt haben wir es auch ein wenig abhängig gemacht, ob und wie wir weitermachen wollen. Aber der Abend war erfreulich, erfreulich, erfreulich.

Ihr habt aber alle nebenher noch andere Projekte …

… genau, auch Projekte, die gar nichts mit Musik zu tun haben. Burger fotografiert sehr viel, ich schreibe meine Bücher … sowas macht Spaß. Den Raum geben die Monsters auch immer. Manchmal muss man sich das nur bewusst machen.

Die Monsters of Liedermaching

Die Monsters of Liedermaching. Foto: Mario Andreya

Eure Konzerte sind sowas wie Überraschungseier, mit Sitzpogos, Kanon und was ihr euch nicht alles überlegt. Man weiß nie, was einen erwartet. Schafft es euer Publikum auch manchmal noch, euch zu überraschen?

Eigentlich schafft es das immer wieder. Die Sitzpogo zum Beispiel: Wir haben dem Kind nur einen Namen gegeben. Aber es kam vom Publikum. Auf einmal rempelten die sich an, weil wir irgendwas von Punkrock gerufen haben. In Dresden gab es sogar mal einen Liegepogo, das sah allerdings nicht so schön aus, aber überraschend war das. So lange ein Publikum aufmerksam ist, kann immer wieder etwas Überraschendes passieren. Und manche Überraschungen werden zu Traditionen, wie zum Beispiel, dass bei bestimmten Songs Eukalyptusbonbons geworfen werden. Das überrascht nicht mehr, aber es kann überraschen, wohin ein solches Bonbon fliegen kann.

Wohin denn?

Och so, in Augen, in die Gitarre direkt rein … Es geht doch immer darum, sich gegenseitig zu überraschen. Und wir haben auch ein wirklich aufmerksames und heterogenes Publikum. Unsere Konzerte sind ein gutes Beispiel für funktionierende Demokratie.

Ihr hattet früher immer Fans, die euch nachreisen. Ist das heute noch so?

Ja, das wechselt natürlich auch ein wenig, Leute werden ja auch älter, aber andere kommen nach, und man sieht sie plötzlich bei fünf, sechs Konzerten auf der Tour. Das freut einen natürlich. Es führt auch dazu, dass man sich jeden Abend was Neues überlegt, um die drei Leute, die nachreisen, zu überraschen.

Gibt es etwas, worauf ihr euch bei dieser Tour besonders freut?

Wir sind gerade alle besonders angezündet, es kann also alles passieren. Das Schöne ist, dass es eine Tour ist, auf der wir nicht aufnehmen. Man spielt also befreiter. Ich freue mich persönlich, jetzt wieder mit allen an Board zu sein, unserer Crew und den Technikern. Das wird alles ganz traumhaft. Jetzt gerade sitze ich am Laptop und schreibe neue Texte. Wir werden uns wieder neue Songs vorspielen, die wir vom anderen noch gar nicht kennen. Wir stellen uns oft gegenseitig neues Material live vor. Wir sind gerade sehr abenteuerlich drauf. Vielleicht ist das auch schon beginnende Demenz.

Das trauen sich aber auch nicht viele Künstler, ihre Sachen auch den Kollegen zum ersten Mal live auf der Bühne zu präsentieren.

Und das kann wirklich nach hinten losgehen. Ist es auch schon ein paar Mal. Aber das sind dann wieder super Momente, da hat man was zu erzählen. Das ist peinlich, in dem Augenblick, aber man kann das auch in einen Elfmeter verwandeln.

Welche Musik läuft nach der Show im Tourbus?

Das ist ganz unterschiedlich. Auf der letzten Tour lief ganz oft Weezer mit “Everything will be alright in the End”. Es gibt auch Abende, an denen einer von uns spontan den DJ macht. Manchmal gibt es aber auch gemeinschaftliche Wünsche, die dann meist sehr kitschig sind. Das endet dann beim letzten Bier und Münchner Freiheit.

Oh oh …

Wir haben sogar schon Parallelen zwischen Münchner Freiheit und Deichkind festgestellt.

Welche?

Das war zu sehr später Stunde. Aber auf dem ersten oder zweiten Album der Münchner Freiheit gibt es ein Lied namens “Rumpelstilzchen”. Da möchten wir auch jeden Deichkind-Fan mal bitten, sich das Lied anzuhören und auszuklammern, dass das ein Lied aus den 80ern ist. Die Melodie und Textfolge, die klingt ganz schön nach Deichkind.

Das prüfen wir.

Ich bitte darum und um Feedback!

Worauf dürfen sich die Fuldaer freuen?

Auf uns. Und wir freuen uns auch auf Fulda. Natürlich werden wir auch viele geliebte und geschätzte Klassiker spielen – ich finde, das klingt immer so nach Howard Carpendale. Also tolle Musik und ein paar Konfettikanonen. Wir waren auch schon im Kreuz, auch wenn das sehr lange her ist. Ich weiß, dass die Köchin dort immer sehr sehr gut kocht. Darauf freuen wir uns besonders. Das steht sogar in unserem internen Forum. Da musst du dabei sein? Dann deck dich ein mit Eukalyptusbonbos, übe für die Sitzpogo, und hol dir dein Ticket beim Kreuz, dem Ticketschop der Fuldaer Zeitung oder bei uns im Gewinnspiel.

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