Línt: „Then They Came For Us“

Manchmal ist es nur ein Wort, manchmal ein Satz oder ein Solo, manchmal etwas ganz anderes; die Kleinigkeiten sind es, die uns Musik in den Gehörgängen festmeißeln und den ganzen Tag lang nicht mehr loslassen. In unserer Musikkolumne „Augen zu, Ohren auf“ hören wir in das Neueste, das der Plattenmarkt zu bieten hat, hinein und machen dich neugierig auf den einen oder anderen Ohrenschmaus.


11.11. Línt „Then they came for us“

Nicht nur bei Filmen und Serien dauert es manchmal etwas länger, bis Neues auch uns erreicht. Das Album „Then they came for us“ des norwegischen Sextetts Línt ist nämlich ebenfalls eigentlich keine Neuerscheinung mehr. 2015 kam es raus, in Deutschland erscheint es mehr als eineinhalb Jahre später an diesem Freitag. Ein Re-Release, sozusagen.

Und das ist schön, denn diese Platte ist genau der richtige Ohrenschmaus für kalte Tage, in denen man sich auf das Sofa zurückziehen möchte. Melodische Schwerelosigkeit Post-Rock-Style, der gleich mit dem ersten Track „Variesque“ voll in seinen Bann zieht. Langsam und leise wie eine winterliche Nacht hauchen die sechs Schweden die ersten Klänge ihres Debütalbums in die Gehörgänge und erinnern dabei ein wenig an a-Ha und Sigur Ròs.

Das Album ist durchdrungen von kraftvollen Rhythmen, wunderschön arrangierten Melodien und sparsam eingesetzen Stimmen. Skandinavischer Pop auf hohem Niveau.

Anhören.


04.11. Lions Head „LNZHD“

Uns ist da ein Album ins Haus geflattert, das am Freitag offiziell erscheint und in unserer Redaktion gerade hoch- und runterläuft. Wer ist Lions Head? Ein Singer/Songwriter mit supersanfter Wohlfühlstimme. Iggy nennt sich der gebürtige New Yorker Igncaio Uriarte, der diesen Sommer mit Joris und Bosse auf Tour war, die Festivalbühnen eroberte und von dem wir in der nächsten Zeit bestimmt mehr hören werden.

Sein Debüt „LNZHD“ kommt eigentlich zur falschen Jahreszeit raus. Denn es leuchtet schon mit dem ersten Track „When I wake up“ nur so vor warmer Sonnestrahlen und Kaffeeduft am Morgen. Ein wenig Gitarre, ein Beat, ganz viel Mitwippen, Augen schließen und genießen.

Bei „Begging“ sieht man Jack Johnson vor sich: Strand, Lagerfeuer und Romantik. Dabei ist die Handschrift von Iggy trotzdem eine individuelle, jeder Song klingt sauber auskomponiert, ohne Ecken und Kanten, melodisch und leichtfüßig.

Ein wenig schneller wird es bei der Pop-Nummer „Firecracker“, in der das Leben pulsiert und von den Ohren direkt in die Füße gepumpt wird. Auch „Senorita“, der er mit flotten Akkorden einen Hauch spanischer Fiesta verleiht, ist absolut tanzbar.

LNZHD: Wohlfühlmusik für Jederzeit. Wer sich zurücklehnen und davontragen lassen möchte, der wird mit diesem Album glücklich.


30.09. Bon Yver: „22,a Million“

Ein Text von Katerina Tzirtzilaki

Seit 2011 verschollen und jetzt wieder da: Bon Iver ist zurück! Dass die Gruppe als Folk-Songwriter-Projekt gilt, mag man vielleicht bei den früheren Alben herausgehört haben. Das neue Baby von der Gruppe um Sänger, Gitarrist und Organist Justin Vernon klingt aber ganz anders. Mit ganzen zehn neuen Titeln beglückt uns das Projekt auf „22, a Million“. Mit dem für die Gruppe typischen leicht-melancholischen Hauch sind alle Lieder auf diesem Werk angehaucht.

Das Album beginnt ruhig und steigert sich von Song zu Son. Die dramatische Struktur der Platte wird durch deutliche Übergänge unterstrichen. Zum Ende hin darf sich der Hörer wieder zurücklehnen und das hörbare Happy End der akustischen Geschichte genießen.

Wer Bon Iver seit Anfang ihrer Musikkarriere kennt, weiß, dass die Melodien oft sehr klassisch gehalten sind, sehr akustisch, etwas rustikaler. In diesem Album verbergen sich ab und zu modernere Klänge, teilweise etwas „spacig“. Das gibt einen schönen Kontrast.

Passend dazu wurde auch das CD-Cover entwickelt. Ein „Salat“ aus vielen verschiedenen Mustern, Karikaturen diverser Gegenstände und Tiere. Der Titel findet sich gar nicht, aber auch das ist Methode und bringt die Collage von Eric Timothy Carlson umso deutlicher zur Geltung. Das Design zieht sich durch bis zur Trackslist, die wie ein bunter Haufen Buchstaben anmutet und mit Zeichen, Groß- und Kleinschreibung, Bildern, griechischen Buchstaben und vielen Leerstellen arbeitet. Ein Hingucker für sich.

Bon Iver hat mit dem richtigen Album zur richtigen Jahreszeit eingeschlagen, denn dieses „22, a Million“ bringt jeden, der von einer leichten Herbstmelancholie oder Winterblues betroffen ist, mit hoher Garantie zum Träumen.


12.10. Clueso: „Neuanfang“

Neuanfang? Eigentlich war Clueso nie weg. Und doch ist sein siebtes ein ganz neues Album für den Erfurter Sänger. Clueso, das sind sensibel komponierte Texte mit viel Gitarre und Gefühl. Das ist geblieben. Aber hier präsentiert sich schon mit dem titelgebenden Song ein nicht mehr glattgeleckter Clueso, sondern ein Sänger, der sich mit den eigenen Zweifeln und Ängsten beschäftigt und seine Hörer mit auf die Reise zu sich selbst nimmt. Das geht unter die Haut. Ungekannt rauh, ehrlich, dreckig verläuft die Achterbahn-Fahrt zwischen von außen aufgedrückten Erwartungen und dem planlosen In-den-Taghinein-leben, zwischen Liebe und Enttäuschung. „Jeder lebt für sich allein“ ist dabei nicht nur eine Gänsehaut-Ballade, sondern ein Spiegelbild der vergangenen Jahre, unserer Gesellschaft. „Ich erzähl‘ Geschichten, die erfunden, aber kein Lügen sind.“ Ein starkes, wenn nicht das stärkste Clueso-Album bisher.


7.10. Klischée: „Bend the Rules“

Ein Text von Carolin Holl

Schon 2010 hat sich die Berner Formation zusammengefunden, zunächst bestehend aus den beiden Musikproduzenten Dominique Dreier und Kilian Spinnler. Ein Jahr später stieß Visual Jockey Benjamin Kniel dazu, und seitdem verbindet die Gruppe elektronische Sounds mit akustischen Jazz- und Swingelementen. Jetzt kommt ihr zweites Album „Bend the Rules“ raus, und der Name ist Programm. Genre-Grenzen gibt es keine, denn die elf Songs sind eine bunte Mischung aus Blues, Funk, Disco, House, Afro-Pop, Chanson sowie etwas Swing, Rap und Trap.

Untermalt von Trompeten, Saxofonen, Drumbeats und Synthesizern überzeugt Sänger William Bejedi mit seiner klaren, coolen Stimme. Meistens singt er auf Englisch, manchmal hört man ihn aber auch auf Französisch oder im Duett – oder man gibt sich einfach die Kombi aus allem mit „I don’t know“. Dort singt Veronica Fusaro auf Englisch; Bejedi alias 45 degré rappt auf Französisch.

Durch die Swingelemente, die meistens sehr dezent gehalten sind, kann man sich viele Titel auch im Radio oder im Club vorstellen. „Crazy“, das weitaus mehr Swing als Electro ist, ist da schon eine Ausnahme und weniger Mainstream. Gute Laune machen aber fast alle Songs. Dazu passen auch die oft humorvollen Texte. In „Come with me“ klärt Klischée zum Beispiel einen Fan darüber auf, dass das Star-Dasein mehr ist als Groupies und Partys. Auch wenn die Musik gewohnt fröhlich und ausgelassen ist, holt uns die letzte Zeile („And I thought I’m superman, but I’m just a lonely boy.“) in die Realität zurück. Der Schluchzer danach betont die eigentlich traurige Aussage, wirkt aber im Gesamtpaket wieder eher lustig. Die Schweizer sprechen also durchaus ernste Themen an, bereiten sie aber so auf, dass man nicht gleich in Depressionen verfällt. Die obligatorischen Wie-kriege-ich-diese-heiße-Frau-rum-Songs ohne wirklichen Tiefgang (so wie die Single-Auskopplung „Damn Hot“) sind aber natürlich auch dabei. Insgesamt eine echt coole Platte, die Stimmung macht.

Überzeug dich selbst:


23.09. Andreas Kümmert: „Recovery Case“

Ein Text von Carolin Holl

Andreas Kümmert ist ein Mann, der die Öffentlichkeit braucht und dennoch Angst vor ihr hat, sagt er über sich selbst. Das neue Album des ESC-Aussteigers ist zwar nicht direkt paradox, aber Eindimensionalität kann man ihm auf keinen Fall unterstellen.

Mit „Falling“ bietet er dem Zuhörer zum Beispiel einen akustisch anmutenden Song; seine Single „Notorious Alien“ ist dann eher was für die Rocker, und in „Beside you“ kommt – durch die eingesetzten Bläser – Kümmerts Vorliebe für Soul  und emotionale Balladen zum Tragen. Dann wäre da noch „Desperate Moves“, die letzte Nummer auf dem Album, und die tanzt irgendwie aus der Reihe. Das liegt zum einen daran, dass sie stimmungstechnisch viel düsterer und schwerer ist als jede Ballade auf dem Album, und zum anderen am dissonanten Klavier und der kreischenden Gitarre, die das letzte Drittel des Songs dominiert. Hier traut sich der Bayer auf jeden Fall was.

Kümmerts raue, kräftige Stimme, die mich manchmal an Nickelback erinnert, trägt seine Lieder. Die Instrumente – meistens Gitarre und Schlagzeug, manchmal Klavier – sind dann oft nur noch hintergründig zu hören. Das fällt vor allem in „I love you“ auf, wo die Klavierbegleitung zu großen Teilen ziemlich minimalistisch ist und trotzdem nichts fehlt. Generell hat man den Eindruck, dass dieses Album sehr unverschnörkelt und direkt ist, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass er darin das Erkennen und den Umgang mit seiner Angststörung verarbeitet, die der plötzliche Medienrummel um ihn auslöste. Und sich mit sowas auseinanderzusetzen, erfordert nun mal vor allem Ehrlichkeit – mit den Menschen um sich herum, aber in erster Linie mit sich selbst.

Einen kleinen Einblick in die Seele des Sängers gibt’s hier:


16.09. Lordi: „Monstereophonic – Theaterror vs. Demonarchy“

Ein Text von Mariana Friedrich

Die spinnen, die Finnen. Wer noch die passende Musik für die diesjährige Halloweenparty sucht: Hier kommt sie. Die finnischen Monsterrocker von Lordi haben zwei Jahre nach „Scare Force One“ die Demonarchy ausgerufen und treten an, die Welt zu erobern.

In zwei Teile ist das neue Album untergliedert: Theaterror und Demonarchy, was auch in der Albengestaltung und dem Aufbau perfektionistisch, wie Lordi sind, umgesetzt wird. Jeder der sieben Songs der beiden Komplexe wird mit einem Intro eingeleitet.

Dabei wird es, nicht anders zu erwarten, herrlich skurril und abgedreht. So fordern die fünf Hard-Rock-Monster gleich zum Einstieg in ihr neuestes Machwerk „Let’s go slaughter He-Man (I wanne be the Beast-Man in The Masters of the Universe“. Ob He-Man Mr. Lordi mit seinen wahnsinnigen Kostümen und Special Effects nicht freiwillig seine Position geräumt hätte?

Nette Randinformation: Der Urvater der Verkleidungskünstler Tomi Putaansuu, dessen Spitzname der Band ihren Namen verschaffte, baut alle Kostüme der Band selbst und braucht selbst mehr als vier Stunden, um sich in den zwei Meter hohen Koloss zu verwandeln.

Gruseliger Terror, davon ist die Platte natürlich gespickt. Aber auch Monster haben Herz, und wenn man nicht aufpasst, knuddeln sie einen zu Brei („Hug you Hardcore“). Richtig ins Ohr geht die für Lordi-Verhältnisse Rocknummer „Down with the Devil“, die sich fest in den Gehörgang krallt und so schnell nicht loslässt. Solider erster Teil, der keinen Lordi-Fan enttäuschen wird.

Und dann öffnet sich der Vorhang erneut mit düsteren Glöckchenklängen und es wird klar: Der Teufel persönlich betritt die Bühne. Die superschnellen Gitarrenriffs des Openers „Demonachy“ hauen den Hörer schon mit den ersten Takten um, jetzt scheppert es so richtig. Ein Sturm geht über uns nieder. Mein absoluter Favorit ist die Hymne „Heaven sent hell on earth“, bei dem Lordi harte Riffs und Drumbeats gekonnt mit der sanften Stimme ihres Frontmans und ruhigen Töne abwechseln. Das geht auch denjenigen unter die Haut, die nicht auf Hard-Rock stehen.

Anhören!


16.09. Wolfman: „Modern Age“

Ein Text von Carolin Holl

Ihr erfolgreiches Erstlingswerk „Unified“ von 2013 war laut eigenen Aussagen ein „unscharfes Bild, eine Momentaufnahme“. Inwiefern das neue Album des Züricher Electro-Pop-Duos Wolfman jetzt konkreter und universeller sein soll, wird beim Reinhören in die zehn Tracks von „Modern Age“ nicht ganz klar. Warum das aber kein Kritikpunkt sein muss, dazu später mehr.

wolfman_press_1Katerina Stoykova und Angelo Repetto schlagen meist ruhige, geheimnisvolle und melancholische Töne an. Prominente Gitarrensoli mit Blues-Einflüssen, teils repetitive und abstrakte Lyrics, die Raum für Interpretation lassen, Gesang mit viel Hall und ein dezenter Bass – im Zusammenspiel zeigen all diese Elemente deutlich, dass Musik bei Wolfman Gefühlssache ist. Denn ihnen geht es darum, Atmosphären zu schaffen, und das tun sie. Leicht bedrohliche, fast psychedelische Atmosphären, die auf der einen Seite irgendwie experimentell und „anders“ sind, aber bestimmt einige Zuhörer in ihren Bann ziehen werden.  Und genau wie Gefühle und Atmosphären schwer zu greifen und in Worte zu fassen sind, ist es auch mit der neuen Platte von Wolfman.

Was die Schweizer Musiker zusätzlich zu etwas Besonderem macht, ist, dass sie nicht nur auf herkömmlichen Instrumenten spielen, sondern sich teils auch in der Natur bedienen. Es fällt zunächst gar nicht auf, aber bei „Dolphins“ zum Beispiel kann man im Hintergrund passenderweise leise Delphinrufe hören.

Charakteristisch für das Album ist auch der sehr langsame, fast schleppende Gesang – scheinbar schwimmt das Duo auch hier gegen den Strom und lässt sich nicht hetzen. Von der Schnelllebigkeit und der Hektik, die unsere heutige Zeit – das „Modern Age“ – ausmachen sollen, ist bei Wolfman jedenfalls nichts zu spüren.

Wenn du wissen willst, was ihre Musik bei dir auslöst, solltest du auf jeden Fall mal reinhören!


02.09. Stilbruch: „Nimm mich mit“

Ein Cello, eine Violine und Drums – keine wirklich häufige Kombination für eine Singer-Songwriter-Combo. Schon mit ihrer Besetzung brechen Stilbruch auf, woran wir uns musikalisch gewöhnt haben. Da ist halt mal keine Gitarre dabei, kein Keyboard, und doch erschaffen Sebastian Maul, Eli Fabrikant und Gunnar Nilsson mitreißende Rock-Pop-Songs.

Ihre neue Platte „Nimm mich mit“ ist getragen von herzschmerzigen, sanften Pop-Balladen, die Sonnenschein schenken wollen. So startet das Album gleich mit zwei Liebeserklärungen, die den Hauch von Schlager gar nicht erst zu verstecken versuchen. Doch in die Sunnyboy-Herren-Band-Schublade lassen sich Stilbruch auch nicht so einfach schieben. Mit „Du lebst in mir“ bringen sie eine schnelle Abschiedsnummer, die Schmerz und Trauer mit guten Erinnerungen ersetzen möchte und das musikalisch durch die Kombination folkiger Klänge mit getragenen Violinenparts untermalt.

Das Trio möchte nicht einfach unterhalten, es möchte eine Botschaft transportieren, parodiert in „Auf Deutschland“ die ewig gestrigen Nörgler und zeigt unsere Suche nach einem Glück, das wir uns vor lauter Angst nicht zu finden trauen. Dabei erinnern gerade die emotionalen Titel wie das namensgebende „Nimm mich mit“ an eine Mischung aus den Hits von Pur und Grönemeyer. Die Texte sind sehr einfach, ohne Ecken und Kanten und bleiben oft an der Oberfläche. Motivations-Songs wie „Steh auf“ fehlt die Power, wirklich mitzureißen, Trotzdem lassen raffinierte Spielereien beispielsweise in „Kein Morgen“ aufhorchen, ein Titel mit Radiopotenzial.

Wer auf poppigen Deutschrock steht, sollte sich diese drei Jungs mal zu Gemüte führen. Wer folkige Rocknummern mit Streichelementen liebt, dem werden Stilbruch allerdings viel zu sanft sein.


19.08. AJJ: „The Bible 2“

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, aus meinen Kopfhörern schreit mir Biff persönlich in die Ohren. Der Bestseller „Die Bibel nach Biff“ von Christopher Moore, der den fiktiven ehemals besten Freund von Jesus in den Fokus nimmt und seine Sicht auf die Geschehnisse vor 2000 Jahren erzählen lässt, zeigt uns den jungen wilden Gottessohn. Genauso wild und verrückt knallen uns AJJ aus Phoenix/Arizona ihre Neuauflage des heiligen Textes um die Ohren.

Sean Bonnette und seine Combo, die einmal Andrew Jackson Jihad hießen, haben sich in die Kurzform ihres Namens umbenannt, weil sie heute nicht mehr mit dem Begriff für den Glaubenskrieg und einem fragwürdigen US-Präsidenten assoziiert werden wollen. Mit musikalischer Provokation, gnadenlos direkten Texten und ins Blut gehenden progressiv-punkigen Beats, die an Maximo Park erinnern, aber schon. Und das treiben AJJ in „Bible 2“ in Perfektion auf die Spitze, wenn sie in „Junkie Church“ oder „American Garbage“ die Abgründe unserer Existenz aus dem Dreck zerren und schon fast liebevoll ehrlich karikieren oder in „Small Red Boy“ den Teufel in uns ins Scheinwerferlicht rücken. AJJ können aber auch ruhigere Töne anschlagen, packen bei „No More Shame, No More Fear, No More Dread“ allen Fokus auf die Lyrics, die sowieso bei ihren Songs kein bloßes Beiwerk sind. Sean Bonnette übernimmt die Rolle des Narren, der uns mit einer geballter Ladung Metaphern und abgedrehter Bilder einen Spiegel vorhält, unserer Gehirnwindungen verknotet und tief unter die Haut seiner Zuhörer kriecht.

Foto: AJJ

Foto: Nancy Walters

In den Staaten sind die Bonnette, Ben Gallaty, Preston Bryant und Mark Glick schon lange keine No-Names mehr, hier erarbeiteten sich die durchgeknallten Folkpunks unter anderem auf Tour mit Frank Turner Anhänger. Mit ihrer sechsten Platte geben sie nun einen weiteren Grund, dieser Band unbedingt mehr Beachtung zu schenken.

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