Bratapfeltee, Liebe, Zimt und Zucker

Langjährige move36-Leser kennen sie noch aus unseren Berichten: Julia Hanel hat move36 als Volontärin und Redakteurin mit geprägt und mitgestaltet. Inzwischen hat es Julia nach Würzburg verschlagen. Im September hat die junge Autorin ihr zweites Buch herausgebracht. Wir haben mit ihr über „Liebe, Zimt und Zucker“, den Buchmarkt und Lieblingsschreiborte gesprochen.

Bevor du deinen ersten Roman herausgebracht hast, hast du für move Literatur rezensiert. Gerade wurde die Shortlist für den deutschen Buchpreis veröffentlicht. Welche Titel dafür hast du schon gelesen?

Dieses Mal noch gar nichts. Das sind ja auch nur sechs Titel. Das ist etwas schade, auf der Longlist war ein Buch von Joachim Meyerhoff. Ich weiß nicht, ob du schon etwas von ihm gelesen hast, den finde ich wirklich toll. Aber er wurde leider rausgekickt. Der Roman „Hool” von Philipp Winkler wird gerade richtig gehypt. Und die anderen sagen mir außer Bodo Kirchhoff ehrlich gesagt überhaupt nichts.

Welches Cover würde dich ansprechen oder zum Lesen animieren?

Die sehen leider alle nicht so ansprechend aus. Das Cover von Bodo Kirchhoffs Roman finde ich wirkt wie aus den 80ern. Echt schrecklich. Eva Schmidt würde mich leider auch nicht ansprechen, wenn ich nach dem Cover gehen würde. „Hool” sieht gut aus. „Die Welt im Rücken” finde ich sieht interessant aus. Ich würde mir davon wahrscheinlich aber nur „Die Skizze eines Sommers” kaufen.

Und wer wird es?

Der Hype spräche für den Hooligan-Roman.

… aber genau deshalb kann er es nicht werden …

Stimmt. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht Melle.

Welche Autoren würdest du dir auf der Liste wünschen?

Mir geht es beim Deutschen Buchpreis leider oft so, dass ich mir denke „Noch nie gehört”. Und das finde ich schade. Wenn jemand ein wenig mainstreamiger verkauft oder Erfolg hat, würde er niemals auf so einer Liste auftauchen. Das halte ich für falsch. Ich finde, das eine schließt das andere nicht aus. Klar muss da nicht der rosafarbene Liebesroman auftauchen, aber es gibt ja auch gute Krimis oder Unterhaltungsromane, die wirklich gut geschrieben sind, dort aber nie berücksichtigt werden.

Wenn du jemanden nachnominieren könntest, irgendwen, wer wäre das?

Da nehmen wir Benedict Wells. Ich habe kürzlich sein „Das Ende der Einsamkeit” gelesen, ein toller junger Autor. Ich fände es schön, wenn so jemand mal berücksichtigt würde.

Gab es im vergangenen Jahr ein Buch, das dich enttäuscht hat?

Auch wenn ich jetzt Hassmails von allen Potterianern dieser Welt bekomme: Der neue Harry Potter hat mich leider nicht ganz überzeugt. Was nicht heißt, dass ich das Buch schlecht fand. Eigentlich war es sogar ganz schön. Aber meine Erwartungen waren eben gigantisch hoch und nur schwer zu erfüllen.

Kommen wir mal zu deinem eigenen Roman „Liebe, Zimt und Zucker”. Beschreibe unseren Lesern dein Buch in drei Bildern.

Foto: Julia Hanel

Wie kamst du auf die Idee? Du hast selbst mal in einem Coffee-Shop gearbeitet, richtig?

Genau, sechs Jahre lang. Und ich fand das immer sehr spannend, wie wichtig die Kultur dieser Coffee-Shops geworden ist. Dass es zum Ritual der Menschen gehört, sich morgens einen Kaffee zu holen. Auch die Tatsache, dass man als derjenige, der dort Kaffee macht, nicht wirklich wahrgenommen wird, man aber unglaublich viel über die Menschen mitbekommt. Das war bei uns im Coffee-Shop auch so. Man kennt die Menschen, ohne dass man sie kennt. Die Idee mit dem USB-Stick beruht ein wenig auf eigenen Erfahrungen. Ich habe selbst einen kleinen grünen USB-Stick, der hier immer irgendwo rumfliegt, nie dort, wo ich ihn haben will. An einem Abend habe ich ihn mal nicht gefunden. Da wurde mir erstmal bewusst, was da alles drauf ist, von den Manuskripten für meinen ersten Roman über die Bewerbungsmappe, die Powerpoint für Omas 70. bis hin zu Urlaubsfotos. Und ich dachte mir: Wenn den jemand findet, der kann das alles für sich verwenden. Die Vorstellung fand ich gruselig, aber auch interessant.

Foto: Julia Hanel

Was war das skurrilste, was Menschen bei euch vergessen haben?

Leider nur Alltagsgegenstände, da war nicht viel Interessantes dabei. Handschuhe, Brillen oder so.

Schreibst du bereits an einem neuen Roman?

Ja, ich habe gerade wieder angefangen. Ich habe allerdings noch keine Ahnung, in welche Richtung es dann gehen wird. Im Sommer schreibe ich recht wenig, aber jetzt im Herbst wird sich da was tun.

Hast du Themen auf der To-write-Liste?

Ich bin nicht der Mensch, der Ideen vor sich herschiebt. Wenn etwas kommt, schreibe ich das auch direkt runter.

Foto: Julia Hanel

Wo schreibst du am liebsten?

Ich kann eigentlich überall schreiben, aber am liebsten bei uns in der Wohnung auf der Couch mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse Tee neben mir.

Dein Tee für diesen Herbst?

Kräutertee und Chai trinke ich total gern, vor allem im Herbst und Winter. Aber ich habe mir gerade einen neuen Bratapfeltee gekauft, der ist toll.

Zu welchem passt dein Buch am besten?

Der Bratapfeltee.

„Liebe, Zimt und Zucker“ ist im September im ullstein-Verlag erschienen und der zweite Roman von Julia Hanel. Eine ausführliche Rezension liest du in der Oktoberausgabe des move36-Magazins.

ullstein // 416 Seiten // 9,99 Euro.
In Parzellers-Buchservice erhältlich.

move36 verlost eine Ausgabe des neuen Romans. Zum Gewinnspiel geht es hier.

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