Es ist noch nicht lange her, da hoffte eine ganze Szene in Fulda sehnlichst auf den Bau einer Skatehalle. Im Januar 2013 sprühte Marvin Rausch mit seiner Petition den nötigen Funken, um Feuer und Flamme der Jugendlichen für eine Skatehalle unlöschbar zu machen. Es folgten fast zwei Jahre Finanzierung, Organisation und natürlich der Bau. Gestern hat Fuldas Skaterszene nun das Einjährige ihrer Rollfabrik gefeiert – mit Grillen, Konzerten und Skaten.

Sie ist nicht sonderlich groß, um genau zu sein: 15 auf 15 Meter. Eine Miniramp, eine Funbox, ein paar Quarters, Rails und Curbs – viel mehr nicht. Doch das reicht dicke. Die Skatehalle der Jugendkulturfabrik (JFK) hat voll eingeschlagen bei Skatern, BMX- und Scooter-Künstlern. Irgendjemand rollt immer, wenn die Halle offen ist.

“Echt ‘n cooles Ding”

Und inzwischen kommen sie auch von weiter weg. Die Halle ist bekannt geworden. Rollfreaks aus Kassel, Gießen, Marburg, Frankfurt, Hanau und Offenbach begutachteten bereits die Halle, erzählt dessen Mitanstifter Christoph Eisermann, der gestern zudem nach sieben Jahren seinen Abschied als Mitarbeiter von der JFK gefeiert hat. Sogar eine Crew aus Hamburg habe es auf einer Skaterreise mal nach Fulda verschlagen. Innerhalb der Szene sprechen sich neue Spots schnell weit rum. “Die Halle ist auf jeden Fall eine Bereicherung für Fulda”, findet Simon. “Es ist super, dass es endlich indoor und sogar umsonst was für Skater gibt, so müssen wir wenigstens nicht mehr ins Parkhaus, wenn’s regnet”, so der 25-Jährige, der schon seit rund zwölf Jahren auf dem Deck steht. Sein Kumpel Constantin ergänzt: “Das ist echt ‘en cooles Ding.”

Skaten bedeutet Freiheit

Das Ding füllte sich gegen Nachmittag immer mehr, es wurde gequatscht, gerollt, gegrillt. Zwischendurch ein lockerer Contest, bei dem es ein Deck, ein Hoodie und ein paar Cappies und Beanies zu gewinnen gab, die der Fuldaer Skateshop Curious bereitgestellt hat. “Ich will die Kids nicht mit zu viel Planung nerven, sie sollen einfach einen coolen Tag haben”, so Christoph.

Den hatten sie – kein großes Programm, und jeder hat bei super Wetter gemacht, was ihm grade lieb war. Hier kennt eigentlich jeder jeden – typisch für Skaterszenen. Man grüßt sich, auch, wenn man sich noch nicht kennt, man schaut sich zu, misst sich, jubelt sich zu oder fühlt mit, wenn einer heftig aufs Steißbein knallt. Hemmungen? Kaum welche, alle fühlen sich frei.

Was bedeutet die Rollfabrik für dich?

Gerade das Gefühl von Freiheit verbinden viele Extremsportler, wie Snowborder, Base Jumper oder eben Skater, nämlich mit ihrem Hobby – wie auch der 35-jährige Allisson aus Brasilien. Schon seit 22 Jahren skatet er. “Skaten ist nicht nur ein Sport, man lernt zum Beispiel einfach viele Leute dabei kennen”, erzählt er. move36 hat sich gedacht: Wieso halten nicht alle auf einer Mindmap fest, was die Rollfabrik, der Sport, das Zusammensein für sie bedeutet. Gesagt, getan.

Abends gab’s in der Halle schließlich noch derb was auf die Ohren. “Die Anlage haut dir alles aus den Poren”, so Christoph über ihr Soundaufgebot, mit dem drei Fuldaer Bands ordentlich Gas gaben. Zakataka startete mit fetzig-rockigem Rap, SKID machte weiter mit Rock ‘n’ Roll und Grimsen Oak sorgte mit Stoner Rock für die härtere Note. Allerdings gab es vor der Mucke noch einen feierlichen Abschied. Christoph verlässt nach sieben Jahren die JFK, zwei Jahre hat er ehrenamtlich geholfen, danach war er hauptamtlicher Mitarbeiter. Sein nächster Job: Er übernimmt beim Kolping Diözesanverband Fulda eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

“Ihr macht das Ding aus!”

Nach einem Jahr Rollfabrik sagt der Skater: “Das Geilste war eigentlich, dass wir komplett unfallfrei geblieben sind – bis auf ein paar blaue Flecke und Schürfwunden. Das spricht für das Team und die Jugendlichen”, bei denen er sich für die geile Zeit mehr als einmal bedankt. “Vielen Dank an euch alle für die unheimlich schönen Momente und die Möglichkeit, hier zu lernen. Die Zeit mit euch hat mein ganzes Wesen, meine Arbeit und meine Familie geprägt.” Aber er hat auch einen Appell an die Jugendlichen: “Nutzt die Chance, die JKF so toll weiterzuführen wie bisher, in respektvollem Umgang miteinander. Ihr macht das Ding aus!” Es wurde nicht nur einmal lautstark für ihn und das ganze Team geklatscht, und natürlich gab’s auch ein persönliches Abschiedsgeschenk: mehrere Fotocollagen und ein witziges Gedicht von zwei Kolleginnen: “Ey man Alter, ohne Scheiß, die Zeit mit dir war mega nice!”, war nur eine Zeile.

Der neue Mann im Boot

Christophs Platz nimmt Alexander Balthasar ein, der 35-jährige hat in Fulda Sozialpädagogik studiert und anschießend in Heidelberg gearbeitet. Dass er wieder in Fulda lebt, ist purer Zufall. Wenn er einen Job bei der JKF bekommen würde, nur dann würde er zurück nach Fulda kommen, hat er sich immer gesagt. Und siehe da: Vor einem halben Jahr stößt er zufällig auf die Stellenausschreibung und bewirbt sich sofort. Auch bei ihm ist alles andere als Stillstand angesagt. Er möchte nun die Rollfabrik insgesamt ausbessern, einige Rampen und die Lichtanlage, nichts erneuern, aber eben hier und da auf Vordermann bringen. Außerdem würde er aus einem noch freien Raum gerne eine Muckibude machen. Wir bleiben auf jeden Fall gespannt und am Ball.