Dein Studium ist einzigartig: Sozialrecht in Fulda

Die Hochschule Fulda ragt nicht nur durch ihr breites Sportangebot aus der Masse heraus. Nur hier können Studierende den Studiengang Sozialrecht belegen. Und was man später damit machen kann, erzählen die künftigen Absolventen am Besten selbst.

Ein Text der move36-Redaktion mit Material der Hochschule Fulda

Stephan Trabert beschäftigt sich im Namen der Krankenkassen mit der Vergütung von ambulanten Ärzten. Zu seinen täglichen Aufgaben gehört es, Verträge auszuhandeln, zu formulieren und auf Rechtssicherheit zu prüfen. Seit 2007 ist der gebürtige Rhöner Referent für ambulante Versorgung beim Verband der Ersatzkassen (vdek) in Stuttgart. Und das wurde er über Umwege. Denn als sein damaliger Arbeitgeber 2003 mit einer großangelegten Umstrukturierung begann, schaute sich Stephan nach neuen Aufgaben um.

Eine gute Alternative zum Jura-Studium

„Ich stieß auf einen Artikel in der Zeitung, in dem die Hochschule Fulda den neuen Studiengang Sozialrecht vorstellte. Ich war begeistert von dem bundesweit einzigartigen Angebot und habe mich direkt beworben“, erinnert er sich. So kam es, dass Stephan sich wenige Wochen später als einer der ersten Studierenden in den Studiengang Sozialrecht einschrieb. Ein Jurastudium hätte er damals interessant gefunden, doch mit der Fachhochschulreife besteht kein direkter Zugang zum Staatsexamen. Der Abschluss mit dem Bachelor of Laws (LL.B.) ist daher für viele FOS-Absolventen eine gute Alternative.

 

Foto_SK_Lisa AllhoffFür Lisa Allhoff (22), die sich bereits im vierten Semester befindet, war durch ihr Wirtschaftsabitur der Weg für Jura an der Universität geebnet, doch sie entschied sich bewusst dagegen. Sie sah keine Notwendigkeit darin, fünf bis sechs Jahre Zeit in ein Studium zu investieren, bei dem sie einige Bereiche, wie Verkehrs- oder Insolvenzrecht, schlichtweg nicht interessieren. Wenn sie von den Inhalten ihres jetzigen Studiums erzählt, merkt man, dass sie nach wie vor begeistert ist: „Bei Sozialrecht finde ich einfach alle Themen spannend, denn sie begegnen uns im Alltag. Ich habe zwei Nebenjobs, und seit wir im Studium Arbeitsrecht hatten, schaue ich bewusster auf meine Rechte und Pflichten als Arbeitnehmerin. Außerdem haben wir viele junge Mütter und Väter im Studiengang, für die das Thema Familienrecht spannend war. Wobei die Frage, wann es Kindern gut geht und worauf das Jugendamt achtet, oder auch die Klärung, was eigentlich eine Verlobung oder eine Hochzeit rechtlich gesehen sind, doch irgendwann fast allen von uns begegnet.“

Das erwartet die Studierenden

Im Jura-Studium lernt man die gesamte Bandbreite des Rechts, um dann an bestimmten Stellen Schwerpunkte zu setzen. Wer sich für einen Bachelor of Laws entscheidet, wählt diese Vertiefung sozusagen von Anfang an. Fulda ist die einzige staatliche Hochschule, die ein reines Studium in Sozialrecht anbietet. Bei Jura kann es zwar als Schwerpunkt gewählt werden, doch immer weniger Universitäten haben hierfür ausreichend Lehrstühle vorgesehen. „Wer Sozialrecht studiert, kann mit dem nötigen Interesse für das Rechtsgebiet, guten Leistungen und ausreichend Ehrgeiz, den Juristen zumindest in diesem Bereich auf Augenhöhe begegnen“, meint Allhoff. Ein freiwilliges Praktikum in einer Kanzlei habe sie in dieser Meinung bestätigt.

Schwerpunkt

Schwerpunkt des Studiums ist die Vermittlung der rechtswissenschaftlichen Grundlagen des Sozialrechts: Arbeits-, Verwaltungs-, Verfassungs-, Gesundheits- und Familienrecht gehören beispielsweise dazu. In dem so genannten studium generale wählen die Studierenden aus verschiedenen Optionen zur Vertiefung, wie Personalmanagement, Schwerbehindertenrecht, Gebieten des Gesundheitsrechts oder dem Strafrecht. Zudem werden das Recht der sozialen Dienste, das Zivilprozessrecht und Sonderprobleme von Recht und Gesellschaft (wie Migrationsrecht) angeboten.

Über den Tellerrand hinaus

Klingt trocken? „Ich bin eigentlich eher kreativ veranlagt“, lacht Lisa und räumt mit dem Vorurteil, dass man als Jurist in einem verstaubten Büro voller Papierberge versauere, auf. „Ich hatte Leistungskurs Deutsch, ich schreibe, lese und kommuniziere gerne. Das ist unheimlich wichtig für mein Studium“, erklärt sie. Außerdem ändern sich Gesetze fortlaufend, und man müsse immer auf dem neuesten Stand bleiben. Die Grundlagen, die man sich einmal angeeignet habe, müssten dann immer wieder neu angewandt werden. „Es ist ein rechtswissenschaftliches Studium und kein Ersatz für Soziale Arbeit“, sagt sie. Nur wenn man Spaß daran habe, komme man auch jeden Tag mit Motivation an die Hochschule. Ein Rat, der letzten Endes bei jeder Entscheidung für einen Studiengang befolgt werden sollte. Interdisziplinarität wird im Fachbereich groß geschrieben und bietet die nötige Abwechslung. Sozialinformatik gehört für das Verständnis, das die globale Digitalisierung mit sich bringt, ebenso zum Lehrplan wie Europarecht und ökonomische Grundlagen, etwa zum Management sozialer Einrichtungen. Darüber hinaus gibt es ein Fremdsprachen-Pflichtmodul, in dem man unter anderem Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch oder Russisch belegen kann.

Foto_SK_Dunja El MawlaDunja El Mawla (20) und Elena Stampelou (19) studieren ebenfalls Sozialrecht und befinden sich aktuell im zweiten Semester. „Bei meiner Studienfachwahl war ich mir von Anfang an recht sicher“, sagt Dunja. „Ich wollte etwas mit Jura machen. Es sollte aber unbedingt praxisbezogen und nicht so trocken sein. Daher habe ich mich für Sozialrecht entschieden und bin sehr zufrieden.“

Praxisbezug und interaktives Lernen

Fester Bestandteil des Studiums ist das sechsmonatige Praktikum im fünften Semester, das im In- und Ausland absolviert werden darf. Mit über 400 Praxispartnern stellt der Studiengang nicht nur sicher, dass für jeden die passende Stelle dabei ist, durch die enge Kooperation mit den Praktikumsstellen trägt die Hochschule gleichzeitig dafür Sorge, dass die Studierenden echte Fälle bearbeiten statt Kaffee zu kochen. So sammeln sie schon früh berufliche Erfahrungen und stellen ihr Können unter Beweis. Nicht wenige überzeugen ihren Arbeitgeber im Praktikum und erhalten direkt ein Jobangebot. Dass das Praktikum grundsätzlich vergütet wird, stellt einen zusätzlichen Pluspunkt dar.

Fallbeispiele

Darüber hinaus ist der Studiengang Sozialrecht für seine modernen und interaktiven Lehrmethoden bekannt. Fallbeispiele stehen von Beginn an auf der Tagesordnung und dem Thema Gesundheitsrecht nähern sich die Studierenden innerhalb eines fiktiven Gerichts (sog. moot court). In diesem Semester wird eine Beschlusssitzung des Gemeinsamen Bundesausschusses, eine der wichtigsten Institutionen im deutschen Gesundheitswesen, simuliert. Die Studierenden schlüpfen dafür in die verschiedenen Rollen der Kassenärztlichen Bundesvereinigungen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der anderen beteiligten Parteien, um die unterschiedlichen Interessenlagen realitätsnah zu diskutieren. Auf diese Weise setzt man sich viel intensiver mit der Thematik auseinander als wenn man die verschiedenen Argumente nur von Dozenten hört oder selbst nachliest.

Abgerundet wird die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis durch regelmäßige Exkursionen. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt oder das Bundessozialgericht in Kassel sind beliebte Ziele. Es fanden aber auch schon mehrtägige Ausflüge nach Berlin oder Köln statt. Aktuell ist für das Wintersemester eine Fahrt an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in Planung.

Was kommt danach?  

Wer möchte, kann direkt nach dem Bachelor ins Berufsleben einsteigen. Arbeitgeber können Unternehmen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Krankenkassen, kassenärztliche Vereinigungen oder Kommunalverwaltungen sein.

Einige Bachelor-Absolventen studieren aber auch weiter, um ihr Wissen zu vertiefen und ihr Profil zu schärfen. An der Hochschule Fulda etwa besteht die Möglichkeit, in Kooperation mit der Universität Kassel weiterführend Sozialrecht und Sozialwirtschaft zu studieren. Wer einen Tapetenwechsel möchte, kann sich zum Beispiel auf Medizin- oder Wirtschaftsrecht spezialisieren.

Zwar bietet der Bachelor of Laws vorerst nicht die Möglichkeit, gerichtlich auftreten zu dürfen, denn dafür benötigt man die beiden juristischen Staatsexamen. Wer Anwalt oder Richter werden möchte und das von vorneherein weiß, sollte den Weg an die Universität wählen. Wer möchte, kann schon nach sieben Semestern ins Berufsleben einsteigen und verschiedene Positionen übernehmen. Lisa z.B. kann sich gut vorstellen als Beraterin in einem Verband oder bei einer Versicherung tätig zu werden.

Foto_SK_Eleni StampelouElena Stampelou wollte ursprünglich direkt Jura studieren, hat sich dann aber doch für den Bachelor in Sozialrecht entschieden. Mittlerweile ist sie sich nicht mehr sicher, ob sie das Staatsexamen noch anstrebt: „Das Studium in Sozialrecht und die Möglichkeiten, die sich damit ergeben, gefallen mir nun so gut, dass ich nicht weiß, ob ich nach dem Abschluss wirklich noch ein paar Semester an der Universität dranhängen möchte.“

Wann ist Sozialrecht für mich das richtige Studium?

Wer glaubt, dass man in erster Linie Gesetze und Paragrafen auswendig lernen müsse, der irrt, sagt auch Stephan Trabert. Entscheidender sei, dass man sich gewisse Arbeitstechniken aneigne. „Man muss vor allem wissen, wo etwas steht und das zur Anwendung bringen“, erklärt der Sozialrecht-Absolvent. Obwohl es einen NC gibt, sollen sich Interessierte nicht abschrecken lassen. Dass die Vermittlung an der Hochschule Fulda besonders erfolgreich ist, beweist auch die Statistik. Nahezu alle Studierenden schließen ihr Sozialrechtsstudium innerhalb der Regelstudienzeit ab.message color=“info“]Wer Sozialrecht in Fulda studieren möchte, kann dies jeweils zum Wintersemester tun. Bewerbungen werden online bis zum 15. Juli entgegen genommen. Die Zentrale Studienberatung sowie der Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften unterstützen gern bei allen aufkommenden Fragen.message]

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