Provinzpossen à la Fulda: Wir erinnern uns noch alle an die Schirmgeschichte im Jahr 2013. Damals legte die Stadt die erlaubten Farben für alle Sonnenschirme der Innenstadt fest. Oder das „Sonnenschirmgate“ im Fall Café Bar 22 im vergangenen Jahr: Weil dort noch nach 23 Uhr ein Schirm aufgeklappt war, musste der Inhaber ein Bußgeld zahlen. Jetzt der nächste Aufreger: Die Außenmöbel der jungen Kneipe Heimat mussten weg. Grund: Es seien Festzeltgarnituren – das entspricht nicht der Satzung. War die Bestuhlung aber wirklich so minderwertig – oder wird hier arg übertrieben? move36 hat sich in der Innenstadt umgeschaut und lässt dich entscheiden: Wer hat die hässlichsten und wer die schönsten Außenmöbel Fuldas? Anfang Juni macht ein Aufreger seine Runde durch die Fuldaer Innenstadt und das Netz. Streitpunkt sind die Außenmöbel der noch recht jungen Kneipe Heimat am Buttermarkt. Bereits im März wies die Stadt darauf hin, dass die Bänke und Tische nicht der Sondernutzungssatzung, also der gewünschten Außenwirkung, entsprechen. Die Möbel hätten eindeutig den Charakter einer Festzeltgarnitur, so Magistratssprecher Johannes Heller. Und „Festzeltgarnituren, einfachste Plastikmöbel und sonstige geringwertige Möblierungselemente dürfen nicht aufgestellt werden“, heißt es in der Satzung. Dabei war die Möblierung der Heimat allgemein als hochwertig und originell empfunden worden.

“Übergangsweise” durften die Möbel genutzt werden

Alle blieben zunächst cool. Die Betreiber der Heimat, Felix Wessling und Paul Pawlowski-Rothenbücher, einigten sich mit der Stadt: „Übergangsweise“ durften sie die Möbel nutzen. Wäre da nicht ein anderer Gastronom gewesen, dem die Bestuhlung anscheinend nicht gefiel und der kurzum die Heimat bei den Ordnungshütern anschwärzte. Wenn er seinem Konkurrenten schaden wollte, ging der Schuss allerdings nach hinten los. Viel Publicity für die Kneipe war die Folge. Trotzdem: Die Holzgarnituren mit Lehnen mussten umgehend aus dem Stadtbild verschwinden und sind inzwischen durch Plastik-Sitzgelegenheiten ersetzt worden.

An Vorgaben muss man sich halten

Hohn, Kritik und Unverständnis füllten anschließend die Kommentarspalten auf Facebook. Doch Stadt und Kneipe nahmen es entspannt und einigten sich; der Ball wurde flach gehalten gegenüber den Medien. Ob die jetzige Lösung stilvoller ist, sei mal dahingestellt. Man mag über die Geschichte denken, was man will. Richtlinien, Vorgaben, Satzungen, Gesetze oder wie auch immer man sie nennt, sind nun mal einzuhalten, von allen. Aber welche davon sinnvoll sind, darüber darf und sollte sehr wohl diskutiert werden. Wie viel Reglementierung und Bevormundung brauchen die Bürger einer Stadt beziehungsweise sollten sie sich gefallen lassen? Sollten Geschmäcker und Stile mit einer Satzung vorgeschrieben werden?

Welche ist die hässlichste Außenbestuhlung?

Die Stadt Fulda gewährt „im Einzelfall bei einer hochwertigen und kreativen Gestaltung der Möblierungselemente“ Ausnahmen, so die Satzung. Der Paragraph hätte eigentlich wie die Faust aufs Auge im Fall der Heimat-Möbel gepasst. Oder nicht? Diese Entscheidung überlassen wir dir und allen anderen Lesern. Wir sind in der Innenstadt auf die Pirsch gegangen und haben die Möbel der Kneipen und Cafés abgelichtet, damit du nun deine Stimme für die hässlichste und schönste Bestuhlung abgeben kannst. Scroll dich durch die Bilder. Ganz unten findest du das Abstimmungstool.