Verspätungen, Ausflüchte und Warten – Dass es auf Bahnhöfen immer wieder Grund für Frust gibt, davon können Bahnreisende ein Lied singen. Doch was macht es mit Menschen, wenn sich Verspätungen ins schier Unendliche steigern? Mit dieser Frage beschäftigt sich “Letzter Aufruf Gleis 3”, die neueste Produktion der Fischgretchen, die am Sonntag im Kreuz zu sehen sein wird. Wir haben in einer Probe Mäuschen gespielt.

Ein Text von Annika List

„Achtung, Achtung auf Gleis 3: Aufgrund eines Mayonnaise-Engpasses im Boardrestaurant verspätet sich der Zug um zirka 15 Minuten.“ Wenn es wenigstens bei diesen 15 Minuten bleiben würde. Doch nein, das Personal des Zuges, auf den eine Gruppe wild zusammengewürfelter Leute wartet, findet immer wieder weitere Gründe, um dessen Verzögerung zu entschuldigen. Wie verkraftet man eine derartige Verspätung?

Die Wartenden nehmen es locker. Vorläufig. „Denn wer Reisen will, der braucht vor allem eines: Gelassenheit.“ Mit diesen Worten kündigt Daniel Frevel, der im Stück „Letzter Aufruf Gleis 3“ einen gitarrespielenden Philosophen verkörpert, das Lied „Probier’s mal mit Gelassenheit“ an, welches die wartenden Menschen am Bahnhof zusammen singen.

Doch nicht jeder von ihnen kann sich wirklich entspannen: Da gibt es Meetings, auf die man muss, oder Brillen, die verkauft werden sollen. Und während eine Bettlerin versucht, mit kreativen Argumenten den anderen Wartenden das Geld aus der Tasche zu ziehen, verkündet die Durchsage, dass der Zug wegen sanitären Problemen und einem dadurch herbeigeführten Streit des zuständigen Personals eine weitere halbe Stunde später kommen wird.

Das gibt den Passagieren die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, um ihre Wartezeit zu überbrücken. „Sind wir nicht immer auf der Durchreise? Ich meine unser ganzes Leben lang reisen wir von A nach B“, fragt der Philosoph auch das Publikum.

Die Idee für das Stück haben die Fischgretchen aus dem Alltag herausgegriffen. Und am Anfang stand auch nur diese Idee, kein fertig geschriebener Text. Der entwickelte sich mit der Probenarbeit. Bei ihrer Inszenierung haben sich die Darsteller Vorbilder aus dem wirklichen Leben gesucht. Feldrecherche, sozusagen. „Am Anfang waren wir am Bahnhof“, erzählt Daniel, Mitglied der Theatergruppe „Fischgretchen“. „Dort sollten wir uns jemanden aussuchen, der gerade auf den Zug gewartet hat. Wir haben uns in die Menschen reinversetzt und sie dann auf unserer Bühne aufeinander treffen lassen.“ Die Unterschiedlichkeit, mit der wir mit dem Warten umgehen, mache das Stück so interessant.

Susanne Nildau (23) aus Fulda zum Beispiel spielt eine jugendliche Rebellin und findet gut, dass die Charaktere sehr verschieden sind. Dabei hatten sie sich nur Rollen ausgesucht, die sie selbst interessant fanden. „Wir haben lang gebraucht, um zu wissen, was wir aus der Idee machen wollen. Aber am Ende ist etwas Gutes dabei rausgekommen.“

Genau das Gegenteil von Susannes Rolle stellt der Part des 19-jährigen Steuerfachangestellter Adrian Krick dar, der ebenfalls aus Fulda kommt. Er spielt einen durch und durch optimistischen Mann in Hawaihemd und Sandalen, der nach dem Motto lebt: „Das Leben ist eine Pralinenschachtel.“ Er ist stolz darauf, wie gut die Gruppe mit der Zeit zusammengerückt ist. Wo es anfangs noch Probleme und Meinungsverschiedenheiten gab, hat sich ein starker Zusammenhalt unter den Schauspielern entwickelt. „Es war schwierig, das Ziel zu finden“, sagt Adrian. „Wir wussten, es soll etwas mit Koffern und Reisen sein, wussten nur nicht was.“

Die Arbeit hat sich allerdings gelohnt. Das Theaterstück verspricht einen unterhaltsamen Abend und überrascht mit einem unerwarteten Ende. Was das ist, verraten wir natürlich noch nicht.message message_box_style=”solid-icon” message_box_color=”vista_blue”]

Aufführungstermine:

So, 26. Juni 2016, KUZ Kreuz in Horas
Do, 30. Juni 2016, Gemeindezentrum in Künzell
Mi, 06. Juli 2016, Halle 8 an der Hochschule Fulda

Los geht es jeweils um 20 Uhr (Einlass: 19.30Uhr). Tickets gibt es für 8 Euro (ermäßigt 5 Euro) an der Abendkasse.message]