Wer an Start-ups denkt, kommt nicht daran vorbei, im gleichen Satz Berlin zu erwähnen. Hier floriert die Startup-Szene wie in keiner anderen deutschen Stadt. Aber nicht nur die Leute in Berlin haben tolle Ideen, und nicht alle mit tollen Ideen müssen automatisch nach Berlin ziehen. Mittelhessen hat eine der größten Hochschul-Dichten in Deutschland. Dieses Sartup- und Ideenpotenzial soll nun gepusht werden. Zum ersten Mal findet vom 20. bis 22. Mai 2016 ein Startup-Weekend in Gießen statt, um die kreativen Köpfe aus der Region an einen Ort zu holen. Wir erklären euch als offizieller Medienpartner, was an diesem Wochendende passieren wird und wer dafür verantwortlich ist.

Das Startup-Weekend feiert seit mehreren Jahren Erfolge in ganz Deutschland – bisher allerdings ausschließlich in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt. “Wir wollen Menschen aus der Region, die Ideen haben, zusammenbringen und damit das große Potenzial von Mittelhessen nutzen.” Martin Lacriox ist freiberuflicher Berater im Bereich Organisationsdiagnostik und Initiator des Startup-Weekends Mittelhessen. Beruflich sorgt er bei Unternehmen für eine bessere Organisation der internen Abläufe, jetzt zieht er zusammen mit seinem Team ein in Mittelhessen bislang einzigartiges Event auf, das vorrangig nicht viel mit bestehenden Unternehmen zu tun hat. “Ich habe lange Zeit an der Justus-Liebig-Universität in Gießen gearbeitet und habe einfach Bock, etwas für die Region zu tun”, erklärt er. Das Startup-Weekend sei einmalig, weil es komplett vom Markt befreit ist. “Uns geht es ausschließlich um Menschen mit Ideen und Kompetenzen. Hier können sich Teams zusammenfinden, die sich sonst wahrscheinlich nie gefunden hätten, obwohl sie vielleicht nur 20 Minuten voneinander entfernt leben”, beschreibt Lacroix seine Intention.

Was passiert beim Startup-Weekend?

Die Teilnehmer “pitchen” ihre Ideen am ersten Tag vor allen anderen, das heißt, sie stellen ihr Projekt in einer vorgegebenen Zeit vor. Wem die Idee gefällt und wer denkt, dass er fachlich und menschlich gut zu dem Projekt passt, kann sich mit der jeweiligen Person zusammentun und die Idee in den folgenden zwei Tagen zu einem tragfähigen Geschäftsmodell entwickeln. Dabei stehen Lacroix und sein Team den Teilnehmern das ganze Wochenende mit Rat und Tat zur Seite. Am dritten Tag werden die Startup-Projekte vor einer Jury “gepitched”, die die Gewinner krönt.

“Auf alle wartet viel Arbeit, wenig Schlaf und noch weniger Zeit”, sagt Lacroix. Genau das ist auch gewollt, denn bei der Gründung eines Startups geht es um schnelles Wachstum, funktionierende Teams und kreative Ideen. Das Team um Martin Lacroix ähnelt ebenfalls dem eines Startups. Hier hat jeder seine Aufgabe und Kompetenz.

“Als ich von Martins Vorhaben hörte, wollte ich unbedingt dabei sein”

Nicole Tamka kommt beispielsweise aus den Sozialwissenschaften, gibt heute Workshops für Studenten und Doktoranden und kennt Martin Lacroix noch aus ihrer gemeinsamen Zeit beim Debattierklub in Gießen. “Ich lebe seit acht Jahren in dieser Region und fühle mich mit ihr sehr verbunden. Als ich von Martins Vorhaben hörte, wollte ich unbedingt dabei sein, denn hier schlummert ein großes Potenzial, dass nur erweckt werden muss”, erklärt sie.

Timo Hoffmann ist Rechtsanwalt in Wetzlar und teilt den gleichen Freundeskreis in Berlin wie Martin Lacroix. “Ich interessiere mich sehr für das Thema Gründung. Außerdem ist der rechtliche Aspekt für jeden, der vorhat, ein Unternehmen zu gründen, immens wichtig. Ich bin dafür da, Fragen zu beantworten und die Teilnehmer auf Dinge hinzuweisen, die sie beachten müssen, wie sie zum Beispiel ihre Idee schützen, damit es keiner genauso nachmacht”, sagt er.

Ein Hauch Berlin

Jan Lampe hat in den vergangenen Jahren in Berlin studiert und die Startup-Szene hautnah miterlebt. Jetzt promoviert er in Gießen und will einen Hauch Berlin nach Mittelhessen bringen. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet das Team nun an der Verwirklichung des Startup-Weekends. Dabei wird auch auf die Besonderheiten der Hochschul-Landschaft in der Region Rücksicht genommen. “Neben den Kategorien Technik/Software, Grafik und Unternehmer/Marketing, die es bei jedem Startup-Weekend gibt, verleiht unsere Jury auch einen Preis im Bereich Life-Sciences, weil diese Branche in Mittelhessen besonders stark vertreten ist”, erklärt Lacroix.

Wie genau läuft das Wochenende ab?

Der erste Tag beginnt um 16:30 Uhr mit der Registrierung. Danach wird das Startup-Weekend offiziell eröffnet. Zum Start gibt es eine Keynote mit dem Thema: “Gründung außerhalb der Metropolen”. Danach seit ihr gefragt, denn es geht an die Pitches. Anschließend werden Teams gebildet. “Da passiert genau das, was wir erreichen wollen. Teilnehmer aus verschiedenen Fachbereichen treffen aufeinander und arbeiten zusammen an einer Idee”, beschreibt Lacroix das Ziel. Ab 21 Uhr wird konkret an den Projekten gearbeitet. Wie lange? Das entscheidet allein ihr. Zwischendurch gibt es immer wieder Input von den Organisatoren zu Themen wie “Business-Model-Generation” oder “Accelerators – how they work“.

An Tag zwei werden die Mentoren vorgestellt, die den Teilnehmern helfen, ihre Geschäftsmodelle zu erarbeiten und die Präsentation vorzubereiten. Hier wurden mit Maria Pennanen, Ram Shobam, Noel Zeh, Oliver Kruse, Arno Dirlam und Mario Hachemer erfahrene Business- und Startup-Experten verpflichtet.

Der letzte Tag steht im Zeichen der Preisverleihung. Während tagsüber noch an den letzten Vorbereitungen gebastelt wird, geht es am Abend an die Final-Pitches, die von der Jury ausgezeichnet werden. In der Jury sitzen Maria Pennanen (Investor), Prof. Dr. Martin Przewloka (Manager), Noel Zeh (Gründer der Littlerock GmbH in Düsseldorf) und Peter Stark. Letzterer pitchte seine Idee einst in der Vox-Sendung “Die Höhle der Löwen” und konnte besagte Löwen mit seinem Startup “Dr. Severin” für eine Investition begeistern.

Wer kann mitmachen?

“Alle, die Herausforderungen suchen, Spaß daran haben, konzeptionell zu arbeiten und in einer sehr dynamischen Umgebung mit coolen Leuten und wenig Zeit ein funktionsfähiges Geschäftsmodell entwickeln wollen”, sagt Lacroix. Für alle, die es jetzt kaum noch erwarten können, ihre Idee zu pitchen, und die beim Startup-Weekend sehen wollen, wie ihr Geschäftsmodell Gestalt annimmt: Bis zum 15. April gibt es noch Early-Bird-Tickets. Dieses Ticket gilt für das ganze Wochenende inklusive Vollverpfegung. Wer bei der ganzen Arbeit doch mal einen Powernap benötigt, muss sich selbst um eine Übernachtungsmöglichkeit kümmern. Das Early-Bird-Ticket kostet 39 Euro.

Auch wir werden vor Ort sein und euch das ganze Wochenende über mit Videos, Fotos und Infos zu den Teilnehmern, der Jury und dem Wettbewerb versorgen.