Was ist Kunstpelz, und was ist echt? Werden für meine Seidenbluse auch Tiere getötet, und wie sieht es bei meiner Daunenjacke aus? Das und vieles mehr beantwortete Ellen Streichfuss im Rahmen der „Klarheit im Kleiderschrank“-Veranstaltung des BUND am vergangenen Freitagabend im Posthotel Johannesberg, Lauterbach, und regte zum Umdenken an.

Leder, Wolle, Daunen, Pelz und Seide – all das befindet sich in unseren Kleiderschränken. Und zwar meistens, ohne vor dem Kauf jemals darüber nachgedacht zu haben, ob dafür ein Tier gelitten hat. Ellen hingegen hat sich viele Gedanken gemacht, denn sie beschäftigt sich nicht nur privat mit Mode, sondern ist im dritten Ausbildungslehrjahr zur Damen-Maßschneiderin. “Unsere Lehrbücher lassen, was tierische Stoffe angeht, zu wünschen übrig”, berichtet die Referentin zu Beginn der Veranstaltung.

Für einen Nerzmantel sterben 35 bis 40 Tiere

Und die hat es in sich: Zuerst zeigt sie ein hübsch animiertes Video von Peta, in dem Papa-Nerz bei einer Pelzfabrik arbeitet und alle paar Wochen voller Freude sein Fell hergibt. Dass das nicht der Realität entspricht, zeigt spätestens der Slogan am Ende des Videos: “Hör auf zu träumen und schau, wie es wirklich ist.” Denn für einen Nerzmantel sterben circa 35 bis 40 Nerze, die unter schrecklichen Bedingungen gehalten und getötet werden. 80 Prozent des Pelzes werden in China produziert. Da können auch unter Umständen ein paar Katzen oder Hunde mit dabei sein. Aber auch in Deutschland gibt es sechs bis acht Pelzfarmen.

Kunstpelz ist oft echt

Zwar ist der Pelzmantel inzwischen verpönt; Fellbesätze an Kapuzen kommen allerdings immer mehr in Mode. Und da ist nicht alles Kunstpelz, wo Kunstpelz draufsteht. Denn es ist viel billiger, ein Lebewesen zu töten, als künstlichen Pelz zu produzieren. Ellen klärt auf: “Oft ist Echtpelz als Kunstpelz gekennzeichnet.” Im gleichen Zug zeigt sie einige Methoden, wie man Echtpelz entlarven kann: Zum Beispiel ein paar Haare verbrennen; stinken sie nach Plastik ist es kein echtes Tier.


Für 150 Gramm Seide sterben 3000 Raupen

Aber nicht nur die Pelzindustrie ist ein sehr umstrittenes Thema. Ellen klärt außerdem über Wolle vom Angorakaninchen und dem Merinoschaf, die Daunen- und Seidenproduktion auf. Denn auch für einen kuscheligen Angorapulli werden Tiere gequält. Alle drei Monate wird dem Angorakaninchen ohne Betäubung das Fell ausgerissen. Bei Gänsen sieht es genauso aus. Und das alles für einen warmen Daunenmantel. Für 150 Gramm Seide werden um die 3000 Raupen in ihrem Kokon um die Ecke gebracht, und dem Merinoschaf wird in Australien, Neuseeland und den USA beim sogenannten Mulesing der Schwanz und die Haut rund um das Hinterteil abgeschnitten, damit sich dort keine Maden einnisten.

“Keinem Etikett oder Verkäufer trauen”

Jeder muss natürlich für sich selbst entscheiden, was er mit seinem Gewissen vereinbaren kann, und so gibt es im Anschluss an den Vortrag eine angeregte Diskussion. Zum Schluss rät Ellen außerdem vor allem bei Pelz, “keinem Etikett oder Verkäufer zu vertrauen.” Außerdem weist sie darauf hin, dass sich Tierheime oft über alte Pelzmäntel für Katzenkörbchen freuen.

(Foto: Martin Krauss)