Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten – In der Fastenzeit versuchen viele, sich von ihren Lastern zu befreien. Zumindest für ein paar Wochen … Dann ist Ostern, und es gibt Süßigkeiten. Die sind für viele das Tor zurück in die Laster-Hölle. Auch wir haben gefastet. Wir wären aber nicht move36, wenn wir uns nicht etwas besonders Ausgefallenes ausgedacht hätten. Zigaretten und Süßigkeiten fasten kann ja jeder. In dieser Woche erwarten euch unsere Fastenkuren von Konsonanten bis Smartphone. Heute: Lydia mach Fashion-Fasten und zieht eine Woche lang dasselbe Outfit an.

Ein Text von Lydia Kaiser


In der März/April-Ausgabe unseres move36-Magazins haben wir uns außerdem sechs ganz ungewöhnliche Fastenwege gesucht und ausprobiert. Darunter Musikfasten, Konsonantenfasten (Was das wohl ist?), Handyfasten und “Nein”-Fasten. Das Heft gibt es in zahlreichen Kiosken der Region und auch im Abo: move36.de/abo.

Sieben Tage, ein Outfit. Heute beginnt mein Selbstexperiment – ich faste Fashion. Tag 1: Freitag. Mein Outfit der Woche kommt frisch aus der Wäsche. Nach langem Hin- und Her habe ich mich für eine bequeme Jeans und eine schlichte schwarze Bluse entschieden, dazu eine ebenfalls unauffällige Strickjacke und weiße Turnschuhe, mit denen man überall hingehen kann. Diese Teile werden mich jetzt also eine ganze Woche lang nicht mehr loslassen … Ich hoffe, das Wetter bleibt einigermaßen beständig. Nicht, dass plötzlich eine Hitzewelle ausbricht, und ich häng dann da mit meinem verschwitzten Outfit. Aber das sollte ja zu dieser Jahreszeit eigentlich nicht passieren.


Kein Was-zieh-ich-an-Drama mehr

Es hat zwar seine Zeit gedauert, bis ich mich entschieden hatte, mit welchen Kleidungsstücken ich mir vorstellen kann eine gesamte Woche zu verbringen. Dafür spar ich mir aber in den nächsten sieben Tagen das morgendliche „Was-zieh-ich-an“. Außerdem habe ich vor, übers Wochenende zu verreisen, da ist es ganz praktisch, wenn ich nicht so viel Gepäck mitschleppen muss.

Tag 2: Samstag. Nachtflohmarkt München. Neue Schuhe muss man sofort tragen, und deshalb habe ich mich dazu entschieden, die Regeln etwas aufzulockern: Schuhe zählen bei diesem Fastenprojekt doch nicht!


Fällt es denn niemandem auf?

Tag 3: Sonntag. Ich komme wieder nach Hause, mit leichtem Gepäck. Bevor ich schlafen gehe, wasche ich schnell noch meine Bluse per Hand. Ist eh materialschonender. Und sonst trocknet sie ja nicht mehr bis morgen früh … Am Wochenende ist jedenfalls niemandem aufgefallen, dass ich nur ein Outfit dabei hatte!

Tag 5: Dienstag. So langsam habe ich mich schon daran gewöhnt, zur üblichen Bluse zu greifen und immer in dieselbe Jeans zu schlüpfen. Eine Entscheidung weniger treffen im Multioptions-Alltag! Und ich wurde immer noch von niemandem auf meinen einseitigen Kleidungsstil angesprochen …


Loslassen und verzichten lernen

Tag 6: Mittwoch. Heute musste ich an Mustafa denken. Der hatte nämlich eine ganze Zeit lang auch immer dasselbe Outfit an. Er ist letzten Sommer von Afghanistan nach Deutschland geflüchtet, und er hat mir erzählt, dass er zwar ganz viel Kleidung von zu Hause eingepackt hatte, aber unterwegs unnötigen Ballast auf der Strecke gelassen hat. Da lernt man loszulassen und zu verzichten. Was würde ich wohl anziehen, wenn ich in ein fernes Land fliehen müsste?

Tag 8: Freitag. Endlich darf ich wieder anziehen, was ich will! Was mich heute Morgen ehrlich gesagt etwas überfordert hat. Vielleicht wird es mal wieder Zeit, meinen Kleiderschrank auszumisten! Mein Fastenoutfit ist jedenfalls erst mal komplett in der Wäsche gelandet, und ich werde diese Teile wohl in den nächsten Tagen vorläufig nicht mehr tragen.

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Patricia isst nur Gemüse