Zigaretten, Alkohol, Süßigkeiten – In der Fastenzeit versuchen viele, sich von ihren Lastern zu befreien. Zumindest für ein paar Wochen … Dann ist Ostern, und es gibt Süßigkeiten. Die sind für viele das Tor zurück in die Laster-Hölle. Auch wir haben gefastet. Wir wären aber nicht move36, wenn wir uns nicht etwas besonders Ausgefallenes ausgedacht hätten. Zigaretten und Süßigkeiten fasten kann ja jeder. In dieser Woche erwarten euch unsere Fastenkuren von Konsonanten bis Smartphone. Heute: Patricia versucht es mit Gemüsefasten, dem Ursprung des Fastens.

Ein Text von Patricia Grähling

Noch mehr kuriose Fastengeschichten gibt’s im Heft

In der März/April-Ausgabe unseres move36-Magazins haben wir uns außerdem sechs ganz ungewöhnliche Fastenwege gesucht und ausprobiert. Darunter Musikfasten, Konsonantenfasten (Was das wohl ist?), Handyfasten und “Nein”-Fasten. Das Heft gibt es in zahlreichen Kiosken der Region und auch im Abo: move36.de/abo.

Vorbei ist es mit Helau, Alaaf und den Kamellen: Mit dem Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen – in diesem Jahr auch für mich. Und für mich geht es in den Ursprung des Fastens hinein. Ich habe mich für die empfohlene Light-Version des Heilfastens entschieden: das Gemüsefasten. Heißt im Klartext: Etwa 10 Tage werde ich nur Obst, Gemüse und ungesüßte Tees zu mir nehmen. Für eine leidenschaftliche Esserin wie mich eine harte Herausforderung.


Mit der Light-Version angefangen

Deswegen habe ich die Light-Version noch etwas “lighter” begonnen – sie dafür aber auch auf 14 Tage verlängert. Zum Frühstück, Mittagessen und immer wieder zwischendurch gibt es nur das erlaubte Obst und Gemüse, abends aber in den ersten vier Tagen noch ein leichtes Essen. Ein bisschen Sushi, Risotto, Nudeln in der warmen Brühe. Schließlich muss ich meinen fastenunerfahrenen Magen ja auch ein bisschen vorbereiten (und ganz ehrlich: Ich hatte Angst, vor Hunger nicht schlafen zu können).


Sushi an Tag eins

Am ersten Tag konnte ich es kaum abwarten, das erste Sushi zu essen – natürlich auch, weil ich es liebe. Aber vor allem, weil mein Magen (fast) leer war und schon vor Vorfreude jauchzte. Aber: Erstaunlicherweise war ich gar nicht so hungrig – und viel schneller satt als sonst. Frisches Gemüse und ein leckerer Mango-Bananen-Smoothie zum Frühstück und den Tag über Banane, Apfel und ein Grünkohl-Smoothie (nebst jeder Menge Wasser und Tee) haben den aufkommenden Hunger immer wieder direkt im Keim erstickt. Tag Nummer 1 war also ganz einfach und unhungrig (wenn auch nicht richtig satt) vorbei.


Tag 2 war der schlimmste

Der schlimmste Tag war tatsächlich Tag 2: Kollegen hatten Kuchen und Schokolade, ich hatte meinen Smoothie und eine Banane. Und zwar keinen Hunger – aber sooo einen Appetit. Aber: Ich bin stark geblieben, habe nur abends eine Suppe mit ein paar kleinen Nüdelchen gegessen.

Und ab dem dritten Tag war es tatsächlich ganz leicht: Richtigen Hunger habe ich gar nicht mehr bekommen. Ein bisschen Obst, Tee – und mein neues Lieblingsgetränk, der Smoothie – haben mich völlig gesättigt und die Schokolade auf dem Nachbarschreibtisch hat mich nicht mehr so laut angelacht. Abends hatte ich dann doch noch etwas Hunger, der aber nach einer Mini-Portion Risotto sofort weg war. Und das bei mir Vielesserin … Da hat mein Körper mich ehrlich gesagt selbst ziemlich überrascht.


Smoothies, Smoothies, Smoothies

Ab Tag 5 ging es dann richtig los mit dem Gemüsefasten. Abends die Kohlenhydrat-Mahlzeit habe ich anfangs gar nicht vermisst. Wozu gibt es Smoothies (ihr könnt das Wort sicher schon nicht mehr lesen) mit Gurke und Zitrone oder mit Pfirsich, Ananas, Rucola und Spirulina (kleiner Geheimtipp: grünes Pulver aus der getrockneten Spirulina-Alge. Enthält viel Calcium, Eisen und Magnesium, außerdem Chlorophyll und andere gesunde Sachen).


Ich fühle mich fitter und motivierter

Vielleicht ist es Kopfsache: Aber seit dem dritten Tag meiner kleinen Fastenkur fühle ich mich viel fitter und motivierter. Ich habe mir ja schon lange vorgenommen, wieder Schwimmen zu gehen, oder zu Laufen – oder zumindest wieder zum Zumba zu gehen. Und immer wieder hat Klaus-Bärbel (mein innerer Schweinehund) gute Gründe gefunden, das nicht zu tun. Klaus-Bärbel mag eher Sofa, spannende Serien und Chips – und ausschlafen, lesen, Computerspiele zocken und, und, und. Plötzlich hatte der Schweinehund keine gute Ausrede mehr – und ich habe tatsächlich seither jeden Tag mit mindestens einer halben Stunde Sport vor dem Frühstück begonnen. Und was soll ich sagen: Einmal angefangen, macht es sogar Spaß und der Körper verlangt regelrecht danach, Kalorien zu verbrennen, obwohl ich doch die Zufuhr gesenkt habe.


Es geht auch um den Stolz und den Willen

Ganz so toll, wie es jetzt klingt, ist es mir aber nicht die ganzen 14 Tage ergangen. So ab Tag zwölf habe ich wirklich dem Ende entgegengesehen und so manches Mal mit Blick auf die Schoki überlegt, ob ich nicht ein kleines Bisschen schummeln sollte. Hab ich aber nicht. Denn irgendwie ging es da dann auch um meinen Stolz und darum, meinen Willen durchzusetzen.

Und das habe ich geschafft – und mich an Tag 15 dann sofort mit einem tollen Frühstück belohnt. Naja, ich hatte es vor. Aber nach einem halben Brötchen und einem Glas – ja – Smoothie war ich pappsatt. Dafür habe ich mir aber abends ein Steak und ganz tolle Ofenkartoffeln gegönnt. Und: Ganz nebenbei habe ich ein paar Kilo Fett verloren und einige völlig neue Muskeln entdeckt.