Ego-Shooter zum Anschauen: Der Actionfilm „Hardcore“ leistet Pionierarbeit in der Filmgeschichte, er wurde nämlich komplett in der First-Person-Perspektive gedreht. Außerdem bemerkenswert: Das Projekt ist per Crowdfunding finanziert worden.

Ein Text von Markus Weißmüller

Normalerweise ist es in Hollywood Praxis, dass man nur für das Drehen gefährlicher Szenen einen Stuntman nimmt. Bei “Hardcore” (im englischen Original “Hardcore Henry”) jedoch ist der ganze Film mit ihm gedreht worden. Der Stuntman trägt ein Gestell mit zwei Gopro-Cams um den Kopf, so dass sich für den Zuschauer eine ganz besondere Perspektive ergibt: eine First-Person-Experience während des gesamten Films. Bei den spektakulären Stunts hat der Zuschauer die Illusion, selbst hinter den atemberaubenden Moves zu stecken, wobei einem das Herz öfter mal in die Hose zu rutschen scheint.


„Mach mehr davon“

Der Kopf hinter dem Film ist Ilya Naishuller, der mit seiner Punkband Biting Elbows 2015 ein Musikvideo namens „Bad Motherfucker“ drehte. Unter den 40 Millionen Viewern, von denen einige nicht genug bekommen konnten, war auch Regisseur Timur Bekmambetov („Wanted“). Er war begeistert, setzte sich mit Naishuller zusammen und bot ihm an, einen ganzen Film in dieser Ego-Perspektive zu drehen, doch dieser war nicht sofort überzeugt: „Ich glaubte, die Perspektive würde möglicherweise nicht funktionieren auf der Kinoleinwand.“ Aber nach einer kurzen Diskussion war er schließlich doch an Bord.


Ohne die Unterstützer würde es Hardcore nicht geben

Einen weiteren Haken hatte die Sache aber noch – das Budget. Um die Postproduktion des Sci-fi-Actionfilms stemmen zu können, fehlten mindestens 250.000 Dollar. „Von Beginn an wussten wir, dass wir eine Vielzahl von Personen brauchen würden, um den Film zu vollenden“, ahnte Naishuller. Da das Projekt im Internet geboren wurde, erstellte er eine Crowdfunding-Kamagne und sammelt in zwei Monaten von 2078 Hardcorefans insgesamt 254.954 Dollar. Davon ging der größte Teil, nämlich 40 Prozent, für die Computeranimation drauf, um die Szenen so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Der Film ist dabei längst nicht der erste, der über Crowdfunding finanziert worden ist (siehe grüner Kasten).

Die Guten – angetrieben von der Liebe – gegen die Bösen

Der Inhalt ist im Gegensatz zur Kameraführung weniger revolutionär. Henry wird von seiner Frau Estelle zum Cyborg verwandelt, um sein Leben zu retten. Diese spektakuläre Technik ist jedoch so begehrt, dass Henry gejagt und seine Frau entführt wird. Nun muss er sich allerhand Schurken stellen, um sein neu erworbenes Leben und seine Frau zu retten. Dabei tritt er jede Menge Leuten in den Arsch, und das aus der Egoperspektive – könnte interessant werden, wobei “Hardcore” sehr wahrscheinlich erst ab 18 Jahren sein wird – eine Alterseinstufung liegt derzeit aber noch nicht vor.

Kinostart: 14. April

Crowdfunding gewinnt an Bedeutung

“Hardcore” ist nicht der erste Film, der über Crowdfunding finanziert worden ist. “Crowdfuntastisch”, sagte damals Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst in seiner Grußbotschaft als Reaktion auf die 3300 Unterstützer für “Stromberg – Der Film” (2014). Den bisher größten Erfolg mit dieser Art der Finanzierung hatte aber Warner Bros. mit der Serie “Veronica Mars” (2014) in Höhe von 5,7 Millionen Dollar.