Nix los in der Innenstadt – das ist ein Urteil, das man immer wieder über Fulda hört. In diesem Jahr steigt zumindest ein Fest weniger als sonst: Das Altstadtfest am Bermudadreieck wird in diesem Jahr nicht stattfinden. 

„Das Altstadtfest findet in diesem Jahr nicht statt, weil sich keiner fand, der es machen wollte. Dazu zähle ich auch mich“, sagt Jochen Köhler, 38, der neben den Bettenhäusern „Living Night“ auch die Altstadt leitet. Keiner? Das klingt nach einem Trauerspiel. Sind sich die Wirte im Bermudadreieck nicht mehr grün? Bestätigen sie das Urteil über Fulda?

„Nein, das ist nicht das Problem“, sagt Andreas Muhl, der Knips der Friseur, die Cafébar 22 und das Schöppchen leitet. „Wir haben hier ein Topverhältnis, helfen uns gegenseitig aus und sind eine gute Gemeinschaft.“ Der 44-Jährige hatte in den vergangenen Jahren das Altstadtfest organisiert, vor ihm lag die Federführung bei Jochen Köhler. „Ich habe es schon vier- oder fünfmal übernommen“, sagt Andreas. „Aber der Aufwand ist nicht ohne, die Bürokratie wurde von Jahr zu Jahr mehr. Deshalb habe ich vergangenes Jahr gesagt, dass ich es nicht mehr schaffe.“

Ein Highlight im Bermudadreieck

Das Altstadtfest habe sich in den vergangenen Jahren schon zu einem echten Anlaufpunkt entwickelt. „Wenn ich fünf Jahre zurückdenke, da war das noch ein reines Bierwagenfest“, erinnert sich Jochen Köhler. Im vergangenen Jahr feierte die ganze Straße mit den Mambo Kingx eine ausgelassene Party.

Nachdem er im vergangenen Jahr angekündigt habe, das Fest nicht mehr veranstalten zu können, habe er abgewartet, ob ein anderer Gastronom die Initiative ergreift. Normalerweise besprechen die Nachbarn das im Frühjahr in der Wirterunde, die aber in diesem Jahr ebenfalls ausfiel. Und so kam man gar nicht dazu, über das Thema in Ruhe zu sprechen. „Das Interesse der anderen kam dann zu spät, um es für August auf die Beine zu stellen. Das ist durchaus schade für alle Beteiligten, für uns Wirte und die Gäste. Aber es ist auch nachvollziehbar, weil es schon ein Batzen Arbeit ist“, sagt Muhl.

„Das Fest ist ja von den Wirten selbst organisiert und sollte immer ohne Eintritt sein. Das wird aber mit den steigenden Anforderungen schwieriger“, erklärt Andreas Muhl eines der größten Probleme. Bereits im vergangenen Jahr sei vom Ordnungsamt angemerkt worden, dass ein Sicherheitsdienst engagiert werden müsse. Auch Rucksackkontrollen seien inzwischen ein Thema. „Dazu müssten wir aber alles absperren, und es würden zusätzliche Kosten entstehen. Das ist dann ohne Eintritt nicht mehr leistbar.“ Die Zeiten, in denen ähnliche Feste einfach organisiert werden könnten, sei vorbei, ist sich der Unternehmer sicher.

Großer zeitlicher Aufwand

Hier die Intitiative zu ergreifen, das überlegen sich die Gastronomen da schon zweimal. 70 Stunden und mehr reiner Organisationsaufwand müsse einkalkuliert werden. Und das auf mehrere Schultern aufzuteilen, sei kaum möglich. „Man kann halt auch nicht sagen, wir veranstalten es alle gemeinsam. Die Unterschrift muss nun mal einer leisten, die Rechnungen müssen auch über einen gehen, weil es sonst Chaos gibt.“ Und jeder der ansässigen Wirte habe immerhin ein Geschäft zu führen.

Trotzdem soll das Altstadtfest nur ausgesetzt, nicht ganz gestorben sein: „Ich finde, das Fest hat einen besonderen Charme“, sagt Jochen Köhler. Kaum war klar, dass es mit dem Fest in diesem Jahr nichts wird, habe er mit Florjan Kamberi, Geschäftsführer von Seven Days und Besitzer der Goldnen Krone, beschlossen, die Planung für 2018 anzugehen.

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QuelleFoto: Mike Kedmenec
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Buchstabendompteurin im Dienste der move36-Redaktion mit einem besonderen Blick auf gesellschaftliche Brennpunkte der Region.