Schwere Enttäuschung auf Seiten der Kulturschaffenden – die Bürgerinitiative L14 hat gestern Abend einen offenen Brief an OB Wingenfeld veröffentlicht. Der Vorwurf: Stadt und Investoren seien bis heute ihrer Zusage zu Gesprächen über die Zukunft des soziokulturellen Zentrums nicht nachgekommen. Sie fordern, „den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen“, um verlorengegangenes Vertrauen wieder aufzubauen. 

Ein Text von Miriam Rommel

Hier der offene Brief der L14; sobald die Stadt reagiert und wir mehr wissen, liest du es hier.

Durch die schriftliche Beantwortung einer Anfrage durch Stadtbaurat Daniel Schreiber habe die Stadt bewusst die Hoffnung geschürt, man überlege, ein Teilstück des Areals zurückzukaufen, um einen Teil der Einrichtung als Ausweich- oder Dauerquartier zu erhalten.

„Nach den neuesten Erkenntnissen hat das Schiff in dieser Fahrtrichtung allerdings erhebliche Schlagseite erlitten. Obwohl wir Sie mehrfach seit Jahresbeginn an den von Ihnen angekündigten Gesprächskreis erinnerten, haben wir bis heute keinerlei Reaktion erhalten. Die Auslassung jeglicher Information und Ansprechbarkeit in dieser Thematik ist nicht durch die zwischenzeitliche Mietvertragsverlängerung bis Ende Juni 2017 zu entschuldigen. Nach wie vor sehen wir eine Existenzbedrohung der über 20 Initiativen am Standort“, sagt nun die BI.

Sachstand widerspreche den Aussagen des OB

Über die aktuellen Eigentumsverhältnisse des Grundstücks sei die Initiative irritiert. „In der Lenkungsgruppe durch den Besuch von Herrn Martin Geisendörfers in der vergangenen Woche wurde uns persönlich mitgeteilt, dass noch in diesem Jahr der Lückenschluss durch Bauvorhaben an der Langebrückenstraße im Bereich der Garagen erfolgen und weitere Bauvorhaben im Frühjahr 2018 umgesetzt werden sollen.“ Der gegenwärtige Sachstand widerspreche den Aussagen des Oberbürgermeisters gegenüber der Bürgerinitiative und der Öffentlichkeit, so der Vorwurf.

Mit dem offenen Brief fordert die BI den Oberbürgermeister dazu auf, den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen und die Karten über die Zukunftsperspektiven in der Langebrückenstraße 14 auf den Tisch zu legen. „Wir stehen für die weiteren Planungen, auch nach über 20-jähriger Tradition, ein nachhaltiges und für die städtischen Finanzen äußerst kostengünstiges Angebot an diesem Standort vorhalten zu können, gerne bereit. Bauen Sie, Herr Dr. Wingenfeld, verloren gegangenes Vertrauen wieder auf.“

Von Seiten der Stadt heißt es, der Oberbürgermeister habe den an ihn gerichteten Offenen Brief der Initiative L14 „aufmerksam zur Kenntnis genommen“. Die Stadt gehe davon aus, noch in diesem Sommer einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen unterbreiten zu können. Das hätte Wingenfeld auch schon auf eine entsprechende Anfrage in der jüngsten Stadtverordnetensitzung geantwortet.

Mietvertrag wird eventuell verlängert

Die Investoren Burg/Geisendörfer hätten die Stadt und die AWO zudem darüber informiert, dass der Eigentümerwechsel zwar noch nicht formell vollzogen ist. Es bestehe aber weiterhin seitens der Investoren die Absicht, das Gelände vom derzeitigen Eigentümer zu erwerben. Für den Fall des tatsächlichen Wechsels würden die Investoren den Mietvertrag mit der AWO bis zum 31. Dezember verlängern wollen.
„Auf dieser Basis und unabhängig von dem Offenen Brief der Initiative L14 werden Oberbürgermeister und Stadtbaurat die Gespräche fortführen und sind im Moment dabei, einen Gesprächstermin zu koordinieren, zu dem auch Vertreter der AWO sowie der Initiative L14 eingeladen werden“, versicherte Pressesprecher Johannes Heller.

Für mehr Infos rund um die L14 gibt’s inzwischen eine eigens eingerichtete Homepage.

Falls du den ganzen Hintergrund der Geschichte noch nicht kennst, liest du hier unsere umfassende Magazingeschichte vom November (wenn du die Bilder in einem neuen Tab öffnest und ranzoomst, ist es leserlicher):

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QuelleFoto: Daniel Beise
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