Schon in den kommenden Monaten könnten die Bagger in der Langebrückenstraße 14 rollen: Zwischen den Jahren haben die Unternehmerfamilien Burg und Geisendörfer einen Antrag gestellt, um die Gebäude auf einem Teil des Geländes abzureißen. Das Jugendwerk der AWO hat wohl bereits eine Alternative. Was aber mit den vielen Initiativen und Vereinen passiert, ist noch unklar.  

Ein Text von Sebastian Kircher

Im Sommer 2016 hatten die beiden Unternehmerfamilien bekannt gegeben, das 7300 Quadratmeter große Areal an der Langebrückenstraße 14 kaufen und dort Wohnbauprojekte verwirklichen zu wollen. Getan hat sich seither nicht viel – zumindest äußerlich. Hinter den Kulissen wurden Förderprogramme ausgelotet, Konzepte erstellt und Verhandlungen geführt. Jetzt könnte es bald losgehen. Wie Christopher Burg erklärt, hat er zwischen den Jahren einen Abrissantrag bei der Stadt gestellt. Die maroden Sheddachhallen aus dem späten 19. Jahrhundert sollen verschwinden. Auch die Räumlichkeiten im Hof müssen weichen.

Das Haupthaus hingegen, zur Langebrückenstraße hin, bleibt erhalten – es steht unter Ensembleschutz. Christopher Burg und Martin Geisendörfer wollen das leerstehende Gebäude veräußern. „Wir befinden uns auf der Zielgeraden, was die Gespräche angeht. Noch im Januar oder im Februar wird der Verkauf abgeschlossen sein“, sagt Burg. Wer der potenzielle neue Eigentümer ist, will er noch nicht verraten. Klar ist aber: Die Stadt Fulda wird es nicht sein – das hatte Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) mit Blick auf den Preis abgelehnt.

Das Jugendwerk muss weichen

Auf dem restlichen Gelände sollen dann Wohnungen gebaut werden. „Wir wollen eine soziale Durchmischung“, bekräftigt Christopher Burg. Soll heißen: ein Teil Sozialwohnungen, ein Teil Eigentumswohnungen für mittlere Einkommen und ein Teil Luxus-Penthäuser. „Die Struktur wird ähnlich wie beim Projekt Florentor, das wir 2014 abgeschlossen haben“, beschreibt Burg. Wie viele Wohneinheiten entstehen, sei auch vom Bebauungsplan abhängig, den die Stadtverordneten noch auf den Weg bringen müssen – was sich wohl bis Herbst ziehen wird.

Die Pläne bedeuten für den bisherigen Hauptmieter in der „L 14“, das Jugendwerk der AWO Nordhessen, den Umzug. Die Arbeiterwohlfahrt betreibt und unterstützt dort zahlreiche soziale Projekte, etwa das Café Panama, den Kleidertauschladen, ein Reparatur-Café, das Ehrenamtsbüro oder das Kino35. Ende 2017 ist der Mietvertrag ausgelaufen. „Wir haben der AWO noch einen bis zwei Monate eingeräumt, um einen neuen Standort zu finden“, sagt Christopher Burg.

Neuer Standort ist in der Nähe der Innenstadt

Der scheint nun gefunden worden zu sein: „Wir befinden uns in Gesprächen und sind zuversichtlich, dass der Umzug zeitnah über die Bühne geht“, sagt Christian Schmitt vom AWO-Jugendwerk. Wo sich der neue Standort befindet, will er nicht sagen, „da die Verträge noch nicht unterzeichnet sind“. Schmitt verspricht aber: „Er ist von der Innenstadt fußläufig erreichbar.“

Die Idee von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), das Jugendwerk könne in ungenutzte Räume des Betriebsamts in der Weimarer Straße ziehen, ist vom Tisch – vorerst. Wie Stadt-Pressesprecher Johannes Heller erklärt, seien dafür „zunächst größere Sanierungs- und Umbauarbeiten nötig“, die mindestens ein bis zwei Jahre dauerten. Die Stadt wolle die AWO und die Initiativen aus der „L 14“ auf der Suche nach Alternativen aber weiter unterstützen.

Quartier wird umgekrempelt

Unabhängig von der Hausnummer 14 wird das Quartier Hinterburg/Langebrückenstraße in den kommenden Jahren umgekrempelt – es ist nämlich ins Stadtumbauprogramm aufgenommen worden, bei dem Fördergelder in Millionenhöhe winken. Ein Konzept mit Vorschlägen zum Stadtumbau liege mittlerweile vor und müsse nun mit dem hessischen Umweltministerium abgestimmt werden, sagt Heller. Ziel sei, „dieses historisch wichtige Fuldaer Vorstadt-Quartier auf Vordermann“ zu bringen – auch „als Entree für die Altstadt und das Domviertel“.

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QuelleFoto: Jessica Vey
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