Was macht uns wahrhaft und beständig glücklich? Geld – da ist sich die Forschung weitestgehend einig – macht nur kurzweilig und bis zu einem gewissen Betrag glücklich. Gesundheit? Logo, aber vermutlich nur die, bei denen sie schon mal ernsthaft auf der Kippe stand. Tatsächlich erfüllt eine Sache unser aller Leben wahrhaft, wie Forscher der Harvard Universität in einer der längsten und umfangreichsten Studie herausfanden, die jemals von Menschen über Menschen gemacht wurden.

„Liebe, Gesundheit, Wohlstand.“
„Die Freiheit überall hin zu gehen, wohin man möchte und da zu machen, was man möchte.“
„Menschen um sich zu haben, die einem wichtig und für einen da sind.“

Das waren unter anderem eure Antworten, als wir im Sommer 2015 in Fulda rumgefragt haben, was euch glücklich macht:

Komplett daneben lagt ihr jedenfalls nicht. Forscher der amerikanischen Eliteuni Harvard haben nun im Rahmen der beiden Studien The Grant Study und The Glueck Study herausgefunden, was uns wirklich ein erfülltes Leben beschert: die lange und gute Bindung zu anderen Menschen. Ganze 75 Jahre lang gewährten ihnen 600 Menschen tiefe Einblicke in ihr Leben und ihre Seelen. Regelmäßig testeten die Forscher außerdem Blutbilder und scannten Gehirne.

Wir Menschen sind nach wie vor die sozialen Tiere von vor tausenden Jahren, unsere Evolution hat sich natürlich nicht dem technologischen Boom angepasst, wie mancher Technikfreak es vielleicht gerne hätte. Daher überrascht das Ergebnis dieser riesigen Datenmenge eigentlich nicht. Unser Glück ist abhängig von Menschen, die uns nahe sind. Nicht von Wissenschaft oder Wohlstand. Dennoch kann man das eindeutige Fazit der Forscher, dass Geld einfach nicht glücklich macht, gar nicht oft genug in die Bankenviertel dieser Welt brüllen.

„Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Punkt“, so Robert Waldinger, der einen Teil der Studie betreute. „Es geht dabei nicht um die Anzahl der Freunde oder ob man in einer verpflichteten Beziehung stecke. Es ist die Qualität der nahen Beziehungen, die zählt“, so der Forscher in einem Vortrag für Ted – eine Plattform, wo Vorträge der jährlichen Ted-Konferenz kostenlos ins Netz gestellt werden.

Die Liebe macht uns gesund

Wenn wir uns in einer Beziehung sicher fühlen, während wir unser Innerstes teilen, wenn wir uns entspannen und so sein können, wie wir sind, aber auch den anderen so nehmen, wie er ist, ist die Beziehung oder Freundschaft eine gute.

„Das eine ist die Liebe. Das andere ist es, einen Lebensweg zu finden, der Liebe nicht vertreibt“, so George Vaillant, der Leiter der Studie, gegenüber dem Magazin Inc. Wie wichtig die Liebe für unsere emotionale Stabilität und die Gesundheit ist, offenbaren die Resultate – sie begünstigt ein entspanntes Nervensystem sowie ein gesundes Gehirn. Wer sich hingegen länger einsamt fühlt, neige laut dem Psychiater zu schlechterer Gesundheit und sterbe womöglich früher.

Konsum macht nicht glücklich – im Gegenteil!

Aber es gibt noch eine hervorstechende Eigenschaft, die laut der Studie zum Glück beiträgt: Enthaltsamkeit. Wenn wir unsere Impulse kontrollieren können und nicht ständig alles sofort wollen, sondern sogar weniger wollen, erfüllt uns das eher mit Freude als zwei Mille pro Monat auszugeben wie der gerade pleitegegangene Johnny Depp.

Garantiert unglücklich werde man laut Vaillant in drei Fällen: beim Tod des eigenen Kindes, eines Ehepartners und bei der Wahl des falschen Ehepartners. Auch das zeigt, wie sehr unser persönliches Glück von anderen Menschen abhängt. Ein Viertel der 600 Probanden haben ein erfolgreiches Leben geführt und blieben von Schicksalsschlägen verschont. Bei einem Drittel waren Leiden und Zufriedenheit ausgewogen, und ein Sechstel waren die „Traurig-Kranken“, die mit der Welt und sich haderten.

Wie geht man mit Schicksalsschlägen um?

Für den richtigen Umgang mit schweren Schicksalsschlägen hat Vaillant ein paar Tipps: „Stoizismus, Altruismus, Humor, partielle Verdrängung, gepaart mit Realitätssinn und der Fähigkeit, aus der Erfahrung für die Zukunft zu lernen. Dagegen stehen Projektion, Ablehnung von Hilfe und passiv-aggressives Verhalten. Das halte ich für eher schädlich.“

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