91 Prozent aller deutschen Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden. Mehr als 40 Prozent aller 10- bis 14-jährigen machen regelmäßig eine Diät. Zahlen vom Filmplakat zur australischen Doku  „Embrace – du bist schön„, die die Arbeitsgemeinschaft Mädchen am Samstag (7. Oktober, 16.30 Uhr) im Kino 35 zeigt. 

Seit August können sich Mädels wieder für „Germany’s Next Topmodel“ bewerben. Nun regt sich ein feministischer Gegenwind gegen die Castingshow. Unter dem Hashtag #notheidisgirl kritisieren viele Frauen auf Instagram mit handgeschriebenen Zetteln das Format. Und damit Heidi und die ihr nacheifernden Mädels das mitbekommen, natürlich auch unter dem Rekrutierungshashtag #ichbingntm2018. „Weil Mädchen und junge Frauen nicht Anerkennung für ‚erfolgreiches’ Hungern lernen sollten. Das ist gefährlich“, schreibt eine Frau. Oder: „#notheidisgirl, weil mich Schönheitswahn und das dort vermittelte Frauenbild traurig und krank machen.“ „Weil wir nicht auf der Welt sind, um zu gefallen“, und weiter: „Weil Schönheit, Selbstwert und gesellschaftliche Akzeptanz nicht von Körpermaßen abhängig sein dürfen“

Unsicherheit und Komplexe machen sich breit

Heidi Klum wird das alles schnuppe sein. Kritiker tippen sich an ihr die Finger wund. Aber es sind ja längst nicht nur die Model-Castingshows. Die gesamte mediale Welt – seien es die Werbung, Frauenmagazine oder das Selfietum – zeichnet ein Schönheitsideal, das fern ab der Realität ist. Konsequenz: Generationen gebeutelt mit Unsicherheiten und Komplexen wachsen nach. Stichwort Body Shaming. Sofern es keine gesundheitlichen Gründe hat, ist es gaga, dass Zwölfjährige wegen Heidi Klums Show Diät machen. Das unbeschwerte Kindsein bleibt auf der Strecke. Hier sind die Eltern gefragt. Frankreich hat mit den Gesetzen gegen Magermodels und zur Kennzeichnungspflicht von retuschierten Modefotos richtige Schritte eingeleitet.

Auch immer mehr Jungs und Männer verfallen diesem Wahn. Schüler kleiden sich inzwischen so adrett wie ihre „Vorbilder“ im TV – Rebellion mit schrillen, auffallenden Klamotten? Längst Geschichte. Der Einheitsbrei hat alles andere verschluckt. Oder Fitnessfreaks, die ihre Lebenszeit damit verschwenden, im Fitnessstudio endlos Selfies vorm Spiegel zu schießen und zu posten. Warum?!

Was ist schön?

Was ist eigentlich schön? Logo: lange Beine, knackiger Arsch, flacher Bauch, wohl geformter Vorbau oder stählerne Brust, volle Lippen, große Augen und volles Haar – sagen uns Modedesigner, Hollywood oder Fitnesscoachs. Aber warum glauben wir denen? Wir müssen uns doch nur in unserem näheren Umfeld umschauen und stellen fest: Es gibt so viel mehr Geschmäcker.

Kleine, mollige Frauen mit kurzen Haaren, Männer mit Bierbauch-Ansatz, vielen Haaren am Körper und Glatze – für jeden findet sich jemand, der darauf steht. Warum vertrauen wir immer weniger auf unser eigenes Empfinden von Schönheit? Schön ist, was du schön findest, nicht der Bildschirm, in den du schaust oder das Dessous-Werbeplakat an der nächsten Bushaltestelle, das eine mit Photoshop generierte Attraktivität abbildet.

Du bist schön!

Das Urteil der Gesellschaft, oder konkreter von Castingshows, kann man getrost in die Tonne kloppen. Es ist kein echtes, es ist konstruiert, irreal und anmaßend. Es sagt nichts darüber aus, wer und wie viele dich warum schön finden. Schönheit ist eine nicht fassbare Größe, etwas Abstraktes, Undefinierbares, schlicht: für jeden Menschen anders.

Zerbrich dir deshalb nicht den Kopf, ob du irgendwelchen Idealen entsprichst. Das ist auch die Botschaft von Taryn Brumfitt, der Regisseurin von „Embrace – du bist schön“: „Liebe deinen Körper, wie er ist, er ist der einzige, den du hast!“ Letztlich findet man einen Menschen ohnehin erst dann wirklich attraktiv, wenn man auch den Charakter kennenlernt. Und darauf kommt es an.

„Embrace – du bist schön“, unter anderem mit der deutschen Schauspielerin Nora Tschirner, läuft am Samstag, 7. Oktober, im Kino 35. Beginn ist um 16.30 Uhr. Der Eintritt kostet 2 Euro. Im Anschluss an den Film gibt es die Möglichkeit, bei alkoholfreien Cocktails miteinander ins Gespräch zu kommen. Hier geht’s zur Veranstaltung.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.