„Früher war das alles anders“, sagt mein Opa oft in seinem typisch nostalgischem Tonfall. „Ihr Jugendlichen seid doch nur noch am Smartphone und versucht, da jemanden fürs Leben zu finden. Wir sind damals zum Tanzcafé gegangen. Da hat man sich ordentlich angezogen und mit jeder Dame einmal getanzt. So hab ich dann ja auch deine Großmutter kennengelernt.“ Oma lächelt, die gute alte Zeit eben. Die Studie „Wir Deutschen und die Liebe“ zeigt nun, wie sich alles verändert hat.

Ein Text von Lina Gemming

Heute lernen sich mehr als doppelt so viele Jugendliche in sozialen Netzwerken kennen wie in der älteren Generation – 12 Prozent, während sich von den über 55-Jährigen 5 Prozent im Internet kennenlernen. Mit 17 Prozent spielen Bars, Clubs oder Partys inzwischen eine geringere Rolle als damals. Nach wie vor geben oft Bekannte und Freunde als Kuppler oder Vermittler den Startschuss für Beziehungen – mit 32 Prozent aber weniger als bei den Älteren (39 Prozent).

Befragt wurden für die repräsentative YouGoV-Studie, die gerade als Buch erschienen ist, 12.000 Jugendliche zwischen 18 und 24 Jahren. Und wann und wie haben die sich verliebt?

Früher in der Kiste als die ältere Generation

Deutlich früher als noch vor 50 Jahren. Während die ältere Generation sich damals im Schnitt mit 15 Jahren verschossen hatte, erleben die jüngeren ihr erstes Liebesglück schon mit 13,5 Jahren, nahezu die Hälfte (44 Prozent) war mit 14 schon mal verliebt.

Der erste Zungenkuss lässt dann allerdings doch noch etwas auf sich warten: Mit 15,5 Jahren sind sie nicht sonderlich jünger als die Älteren, die ihrer Flamme mit 15,8 Jahren das erste Mal die Zunge in den Hals gesteckt haben. Beim Sex ist der Unterschied wieder deutlicher: Mit 16,4 Jahren waren die 18- bis 24-Jährigen fast ein Jahr früher in der Kiste als ihre Eltern oder Großeltern. Auffallend ist, dass sich 34 Prozent der Männer nach dem ersten Sex befriedigt fühlen, während es bei den Frauen nur 8 Prozent sind. Mit immerhin 27 Prozent bewerten heute mehr junge Frauen ihr erstes Mal positiv als damals (16 Prozent).

Sechs Jahre früher den ersten Porno

81 Prozent der Befragten sind glücklich in ihrer Beziehung, und immerhin 72 Prozent sind der Meinung, dass der Partner die Liebe seines Lebens ist. Aber es gibt auch die 27 Prozent, die Singles beneiden, weil sie nicht in einer festen Beziehung sind.

Wenig überraschend kommen Jungs mit Pornos heute früh in Berührung: mit 14,2 Jahren. Das Internet macht’s möglich. Ebenfalls nicht verwunderlich, dass Jugendliche vor 50 Jahren erst mit 20,4 die ersten Pornos gesehen haben. 68 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie sich schon einmal von Pornos für ihr eigenes Sexleben haben inspirieren lassen.

Aufklärung ist besser geworden

Das Internet ist für 25 Prozent heute aber auch eine wichtige Quelle für die Aufklärung. Für knapp die Hälfte (49 Prozent) bleibt immer noch die Schule wichtigster Wissensvermittler, 28 Prozent nutzen dazu auch andere Medien und Filme. Warum nur 11 Prozent vom Vater und 22 Prozent von der Mutter aufgeklärt wurden, verwundert allerdings. Die sexuelle Aufklärung sollte neben der Schule vor allem auch Elternsache sein.

Insgesamt hat die Aufklärung aber deutliche Fortschritte gemacht: Von den Älteren seien 35 Prozent nicht aufgeklärt. Dieser Wert ist auf 15 Prozent der Jugendlichen zurückgegangen.

Insgesamt offenbart sich hier ein Wandel in Deutschland. Die junge Generation ist besser aufgeklärt, nimmt Sexfragen zunehmend selbst in die Hand und zeigt sich sexuell offener.

Schreibfehler gefunden?

Um uns Bescheid zu sagen, markiere den Fehler und drücke STRG + Enter.

QuelleFoto: Daniel Beise
Teilen