„Mh – was für ein neues Showformat könnte bei unseren Zuschauern ziehen? Ah, genau! Wir wär’s mal wieder mit einer Datingshow? Die letzte ist schon ein halbes Jahr her“, haben sich die Macher des britischen Reality-TV-Senders ITV wohl vor zwei Jahren gedacht. Zum Herbst holt RTL II das Format „Love Island“ nach Deutschland. Datingshows – so erfolgreich wie überflüssig. 

Braucht das Fernsehen noch eine Datingshow? Braucht diese Formate überhaupt irgendwer? Nein! Überhaupt ist Reality-TV, das eine angebliche Wirklichkeit abbildet, nahezu durchweg überflüssig. Informationsvermittlung? Unterhaltung? Kunst? Nope, gibt’s hier nicht. Um es mit harten Worten zu sagen: Das ist belangloser, billig produzierter Müll. Schlicht verschwendete Lebenszeit. Castingshows sind von ähnlichem Kaliber, wobei hier zumindest etwas Augenmerk auf das Künstlerische gelegt wird.

Who the fuck cares?!

Warum aber sind viele dieser Dokusoaps so erfolgreich? Warum geilen sich so viele Menschen an Schicksalen fremder Menschen auf? „Eine ganze Nation kümmert sich um den Beziehungsstatus wildfremder Menschen statt um den eigenen. Kein Wunder, dass es Bücher wie ’Generation Beziehungsunfähig’ gibt“, moniert unsere Kolumnistin Sophia Steube in der aktuellen move36. Natürlich ist das Liebesleben irgendwelcher VIPs von gleicher Irrelevanz für unser eigenes Leben.

Wünschenswert wäre, die ganze Nation würde sagen: „Who the fuckin‘ cares?!“ Doch Formate wie „Bauer sucht Frau“, „Schwiegertochter gesucht“, „Naked Attraction“, „Adam sucht Eva“ oder „Der Bachelor“ bedienen euphorisch den Voyeurismus der Zuschauer. Und diese belohnen das Privatfernsehen mit guten Quoten. Erst kürzlich hatten in England bei „Love Island“ drei Paare gleichzeitig Sex vor laufender Kamera – unter der Bettdecke natürlich. Das ist dann doch zu viel des Guten. Nichts gegen Sexualität im TV, sie ist nun mal ein großer Faktor in unserem Leben – nur leider findet gleichzeitig kaum Aufklärung statt. Und es nimmt immer radikalere Formen an: In den USA wurden Schönheitsoperationen gefilmt, und nachher konnten die Zuschauer entscheiden, welche Kandidatin die „Schönste“ ist. Dass Menschen sich für diesen oberflächlichen Nonsens bloßstellen lassen, sollte viel intensiver hinterfragt werden.

RTL II schürt den Voyeurismus der Zuschauer

Was nahezu allen Realityshows oder Dokusoaps fehlt: Eine Metaebene, eine Reflexion des Gesehenen, eine journalistische Einordnung, die es Zuschauern ermöglicht, das Ganze weniger emotional, dafür umso kritischer zu sehen. Selbst in Shows, wo vermeintlich Wissen vermittelt werden soll, wie „Die Super Nanny“ oder „Raus aus den Schulden“, ist der Informationsgehalt doch eher marginal.

Und genau das vermeiden die Macher dieser Shows bewusst; der Zuschauer soll sich über die Opfer lustig machen und mit den Stars auf Zeit identifizieren. Gut, von RTL II erwartet man auch nichts anderes. Dass der Privatsender für die Show nach „körperbewussten Männern und Frauen“ sucht, zeigt auch, wie hier weiterhin verquere Schönheitsideale vermittelt werden. Gott bewahre, wenn mal etwas opulentere Kandidaten dabei sind. Dann würden sie ja die Realität abbilden.

Es gibt Besseres

Die Balzarena in „Love Island“ wird ein Luxushotel auf einer Sommerinsel sein. Die Kandidaten müssen Paare bilden; finden sie keinen Partner, müssen sie als gebrandmarkte Loser die Insel verlassen. Welch findige Idee – nicht! Aber zum Glück kann man ja zu jeder Tageszeit informative Dokus und Reportagen oder unterhaltsame Serien und Filme mit künstlerischem Anspruch schauen – sei es in Mediatheken oder bei Streamingdiensten.

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